„Historische Vereinbarung“: Orca „Lolita“ darf nach über 50 Jahren zurück ins Meer
Mehr als fünf Jahrzehnte nach ihrer Gefangennahme soll die Schwertwal-Dame „Lolita“ in den kommenden Jahren in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren
Ein sechs Meter großes Becken im „Miami Seaquarium“ war mehr als ein halbes Jahrzehnt aufgezwungenes Zuhause für das über drei Tonnen schwere Orca-Weibchen „Lolita“. Lange Zeit haben Tierschützer:innen um ihre Freilassung gekämpft – und nun einen Sieg errungen. Die Umsetzung ist – auch finanziell – eine ambitionierte Aufgabe, bei der „Lolita“ einiges abverlangt werden wird.
Ergeht es "Lolita" besser als Leidensgenossin "Kiska"?
Vor nicht einmal einem Monat wurde der Tod von „Kiska“, des „einsamsten Orcas der Welt“ im Vergnügungspark „Marineland“ gemeldet (wir berichteten). Über 40 Jahre musste das Weibchen in den engen Becken des kanadischen Delfinariums verbringen, darunter elf Jahre in völliger Isolation. Wir hätten „Kiska“ gewünscht, ihren Lebensabend außerhalb eines Delfinariums verbringen zu können und vielleicht noch einmal die Möglichkeit zu haben, mit anderen Walen und Delfinen zu interagieren.
Diese Chance soll jetzt Leidensgenossin „Lolita“ erhalten. Die mittlerweile 57 Jahre alte Orca-Dame war in den vergangenen Jahrzehnten „Star“ des „Miami Seaquarium“. Erst im Frühjahr 2022 wurde durchgesetzt, dass dieser intelligente Meeressäuger nicht mehr zu Entertainment-Zwecken stupide Tricks in einem der kleinsten Orca-Becken der Welt aufführen muss. Diese Entscheidung war eine Reaktion auf den wachsenden Druck von Tierschützer:innen, die seit langem die Freilassung von „Lolita“ aus dem Delfinarium fordern. Eben dieses Vorhaben, den Rücktransport von „Lolita“ in ihre Heimatgewässer im pazifischen Nordwesten, rückt nun durch ein historisches Vorhaben in greifbare Nähe. Dort könnte sie wieder auf ihre Mutter treffen, die mit mehr als 90 Jahren bereits ein stolzes Alter erreicht hat und immer noch in einer Orca-Gruppe mit schwimmt. (viele weitere Infos zu Orcas findet ihr in unserem Delfin- und Wal-Artenführer)
Dem „Miami Seaquarium“ zufolge existiert eine „formelle und verbindliche Vereinbarung” mit der Organisation „Friends of Lolita“, deren Ziel es ist, den Orca in den Puget Sound, eine Meeresbucht im Nordwesten des US-Bundesstaats Washington, zurückzuführen. Laut Pressemitteilung arbeite man darauf hin, die Umsiedlung in den nächsten 18 bis 24 Monaten zu ermöglichen. Der Transport in einem Frachtflugzeug ist ebenso Teil des Gesamtplans wie die Errichtung eines Wildgeheges im Nordpazifik. Und schon allein diese Zwischenstation soll der Orca-Dame eine bessere Lebensqualität bieten als es ihr derzeitiges Becken je könnte.
Über Jahrzehnte wurde Lolita dazu eingesetzt, das Publikum im “Miami Seaquarium” zu bespaßen.
Foto: Marc Averette, Creative Commons.
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In den Becken des Seaquarium werden regelmäßig Shows mit Delfinen und Orcas veranstaltet
Quelle: Google Maps
Von entscheidender Bedeutung sind in der Anpassungsphase sowohl das Know-how der Organisation Whale Sanctuary Project als auch das Mitwirken einiger Trainer:innen aus Miami, die derzeit mit „Lolita“ im „Seaquarium“ arbeiten und auf deren Interaktion sie aufgrund der langjährigen Abhängigkeit zunächst noch angewiesen sein wird.
Kostenpunkt für die Freilassung: 15 bis 20 Millionen US-Dollar
Ohne die finanzielle Unterstützung von Jim Irsay, Inhaber eines Football-Vereins in Indianapolis, wäre dieses Vorhaben kaum umsetzbar, denn die Projektkosten werden auf bis zu 20 Millionen US-Dollar veranschlagt. Irsay ist seit seiner Kindheit von Walen fasziniert und setzt sich für das langfristige Wohlergehen von Lolita ein. In einem Statement äußerte der Philanthrop die Hoffnung, dass „Lolita“ eines Tages in den offenen Ozean zurückkehren könnte.
Bei aller Euphorie müssen die Gefahren für „Lolita“ stets Berücksichtigung finden. So hängt die Umsetzung des Plans in weiten Teilen von der Gesundheit des alternden Schwertwals ab. Derzeit steht „Lolita“ unter ständiger Kontrolle eines Teams aus Tierärzt:innen. Wird sie den Transport in einem Frachtflugzeug gut überstehen? Wird sie ihre Fähigkeit, lebendige Beute zu jagen, nach 50 Jahren wieder erlernen? Und nicht zuletzt muss beachtet werden, dass jene Infektionen, die sich „Lolita“ in Gefangenschaft zugezogen hat, auf andere Orcas in freier Wildbahn übertragen werden könnten.
Was ist das beste für "Lolita"? Rege Diskussion in den Sozialen Medien
Auch in unserem Facebook-Post zur Freilassung von „Lolita“ wurden diese und andere Bedenken geäußert. Gleichzeitig gab es Kommentare, in denen die Hoffnung auf ein Gelingen des ambitionierten Projekts unterstrichen wurde. Wie ist eure Meinung zum „Lolita-Projekt“? Diskutiert mit uns auf Facebook
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