Kampfdelfine auf dem Vormarsch?
Tiere für militärische Zwecke einzusetzen, ist ethisch verwerflich und barbarisch
Tiere für militärische Zwecke einzusetzen, ist ethisch verwerflich und barbarisch. Dies gilt in besonderem Maße für hoch entwickelte Tiere, wie Delfine, für die zahlreiche Wissenschaftler eine eigene “Delfin-Ethik” und die Anerkennung eines besonderen Status als “nichtmenschliche Personen” fordern. Und doch bewegen sich einige Nationen nach wie vor auf diesem weiteren Tiefpunkt menschlichen Denkens und Handelns.
Kampfdelfine vor Montenegro
Anfang Oktober begann eine amerikanische Spezialeinheit mit Unterstützung von sechs durch die US-Navy ausgebildeten Kampf-Delfinen eine dreiwöchige Suche nach Bomben, Torpedos und Minen in der montenegrinischen Bucht von Kotor. Die Militärs machen sich dabei die Neugierde und das ausgeprägte Ortungsvermögen der Tiere zunutze. Hat der Delfin ein verdächtiges Unterwasserobjekt entdeckt, kann er es mittels einer Sonde markieren oder er schwimmt an die Oberfläche und gibt durch Zeichen zu verstehen, was er entdeckt hat. Als Belohnung gibt es etwas zu fressen.
Die nicht explodierte Munition stammt sowohl aus den beiden Weltkriegen als auch aus den Kriegen beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 90er-Jahren. Trotz großzügiger US-Finanzhilfen sahen sich die Behörden von Montenegro außer Stande, das explosive Erbe aus eigener Kraft unschädlich zu machen. Und man kann sich gut vorstellen, wohin die Mittel der USA geflossen sind – sicher nicht in die notwendigen Munitionsräumungsmaßnahmen. Die im Süden der Adria gelegene Bucht von Kotor ist ein etwa 30 Kilometer langer, von steilen Bergen begrenzter Fjord, der auf der Weltnaturerbeliste der UNESCO steht.
Ukraine will neue Kampfdelfine ausbilden
In der Ukraine soll sogar ein verschüttetes Erbe des Kalten Krieges wiederbelebt werden. Man plant dort, zehn Große Tümmler zu Kampfdelfinen auszubilden, die angeblich bei der Landesverteidigung, so beim Anbringen von Minen an feindlichen Schiffen, eingesetzt werden sollen. Das Training in der auf der Halbinsel Krim gelegenen Hafenstadt Sewastopol soll bereits begonnen haben, wie es aus Kreisen der Armee heißt.
Rüstungswettlauf um Kampfdelfine im Kalten Krieg
Kampfdelfine gehörten zu Zeiten des Kalten Krieges zu einem der bestgehüteten militärischen Geheimnisse, um das ein regelrechtes Wettrüsten zwischen der USA und der ehemaligen UdSSR ausbrach. Seit 1959 trainiert die US-Navy wild gefangene Große Tümmler für militärische Zwecke und setzte sie erstmals in der Bucht von Cam Ranh im Vietnamkrieg sowie im ersten Golf-Krieg 1991 ein. Die mit speziellen Nasenwaffen ausgerüsteten Meeressäuger sollten dort feindliche Taucher töten.
Die ehemalige UdSSR zog nach und soll zuletzt sogar über 120 Kampfdelfine im Ausbildungszentrum in Sewastopol verfügt haben. In den Jahren nach dem Zusammenbruch der Riesenreiches 1991 gingen sie in den Besitz der Ukraine über und wurden größtenteils verkauft, so an Delfin-Therapiezentren in der Türkei.
Iranische Kampf-Delfine in der Straße von Hormus im Einsatz?
Angeblich hat damals auch der Iran viele der ukrainischen Kampfdelfine erworben, die jetzt in der Straße von Hormus patrouillieren sollen. Ukrainische Quellen schließen denn auch nicht aus, dass die Wiederaufnahme des Trainings von Kampfdelfinen in der Ex-Sowjetrepublik weniger mit Landesverteidigung, denn viel mehr mit einem neuen Auftrag seitens des iranischen Militärs zu tun haben könnte.
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