Lippenbekenntnisse oder echter Durchbruch: Was hat die UN-Ozeankonferenz gebracht?

Der Weltgipfel zum Schutz der Meere

Trotz der drohenden Kipppunkte in den Ozeanen setzen viele Staaten und Unternehmen die industrielle Ausbeutung der Meere fort, daran wird auch die kürzlich beendete UN-Ozeankonferenz wenig ändern. Dennoch gab es beim Treffen in Nizza Lichtblicke: Unter anderem soll es künftig leiser in den Weltmeeren werden. Wie immer geht es aber nach einen solchen Gipfel um die Umsetzung der Absichtserklärungen.

Hochseeschutzabkommen

In Nizza hat die Ratifizierung des UN-Hochseeschutzabkommens endlich Fahrt aufgenommen. Über 50 Staaten haben den Vertrag jetzt unterzeichnet – es gilt als wahrscheinlich, dass die erforderliche Marke von 60 Ratifikationen bis zur UN-Generalversammlung im September erreicht wird. Damit könnte das Abkommen Anfang 2026 in Kraft treten. Dieses würde erstmals eine rechtliche Grundlage schaffen, um in internationalen Gewässern gemeinsam verwaltete Schutzgebiete einzurichten und wirksamer gegen illegale Fischerei vorzugehen.

Tiefseebergbau

Während einige UN-Mitgliedstaaten den Tiefseebergbau als Chance für wirtschaftlichen Aufschwung betrachten, fordert eine Gruppe von 37 Ländern ein Moratorium. Letztere plädieren dafür, den kommerziellen Abbau so lange auszusetzen, bis die ökologischen Folgen ausreichend erforscht sind. Zu den Unterstützern dieses vorsorgenden Ansatzes zählen auch Industrienationen wie Deutschland, Kanada, Frankreich und Australien.

Für Irritation sorgten jüngste Pläne aus den USA: US-Präsident Donald Trump will per Dekret den Abbau von Rohstoffen in internationalen Gewässern forcieren – ein Schritt, den Expert:innen als völkerrechtswidrig einstufen. Beim Treffen in Nizza positionierten sich 24 Staaten, darunter auch Deutschland, ausdrücklich gegen entsprechende Vorstöße.

Schiffsverkehr

In der Abschlussdeklaration der Ozeankonferenz wird die Dringlichkeit unterstrichen, die weltweite Schifffahrt bis 2050 auf klimafreundliche Treibstoffe umzustellen. Bereits im April hatten sich die Mitgliedstaaten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) auf eine historische Maßnahme geeinigt: Erstmals soll eine Mindestabgabe auf die CO₂-Emissionen von Schiffen eingeführt werden. Die Umsetzung ist jedoch frühestens ab 2028 vorgesehen.

Plastikverschmutzung

In Nizza sprachen sich 95 Staaten gemeinsam dafür aus, die Herstellung von Primärkunststoffen deutlich zu begrenzen. Zudem befürworteten sie verbindliche Maßnahmen, um die Nutzung besonders problematischer Plastikprodukte und schädlicher Chemikalien im Kunststoff schrittweise zu beenden. Ob eine Einigung gelingt, wird sich im August in Genf zeigen: Dort wird die internationale Staatengemeinschaft erneut zusammenkommen, um über ein globales Abkommen zu verhandeln.

Munitionsaltlasten

Deutschland plant den Bau einer schwimmenden Plattform, auf der mithilfe von Robotik versenkte Weltkriegsmunition aus Nord- und Ostsee geborgen und unschädlich gemacht werden soll. Bundesumweltminister Carsten Schneider stellte das Vorhaben in Nizza vor. Ein bereits gestartetes, mit 100 Millionen Euro ausgestattetes Programm soll langfristig fortgeführt werden.

Fazit und GRD-Statement

Wie ist die Ozeankonferenz zu bewerten? Die in Nizza gefassten Vorhaben, Beschlüsse und Absichtserklärungen markieren wichtige Fortschritte. Diese sind unverzichtbar, um das Nachhaltigkeitsziel „Leben unter Wasser“ zu erreichen. Doch entscheidend ist nun die rasche und konkrete Umsetzung. Und genau darin liegt der Knackpunkt. Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich: Nicht das Reden, sondern das Handeln ist das eigentliche Problem – vor allem, wenn Maßnahmen auf freiwilliger Basis beruhen. Zu viele gute Ideen scheiterten bislang an mangelndem politischen Willen, unklarer Finanzierung oder nationalen Einzelinteressen. 

Deshalb fordert die GRD:

In Nizza wurden viele wohlklingende Ankündigungen gemacht – nun müssen diesen endlich konkrete Taten folgen. Die Staaten sind aufgefordert, Mut zu beweisen und globale Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen gemeinsam Geschichte zum Wohle der Ozeane schreiben – ansonsten wird die Geschichte sie als jene erinnern, die zusahen, wie die Meere kippten.“

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