Tiefsee in Gefahr: Internationale Konferenz ringt um Regeln für den Meeresboden
Spuren für die Zukunft – oder Narben für immer? Die Tiefsee braucht Schutz!
Am 07. Juli 2025 begann die 30ste Konferenz der „International Seabed Authority“ – der Internationalen Meeresbodenbehörde – mit 168 Mitgliedsstaaten auf Jamaica. Die Generalsekretärin, Leticia Carvalho, beendete ihr Eröffnungsstatement mit den Worten „The deep sea is counting on us all. We must aim for nothing less than to leave tracks worthy of our children’s future.” (Die Tiefsee zählt auf uns alle. Wir müssen nach nichts Geringerem streben als Spuren zu hinterlassen, die der Zukunft unserer Kinder gerecht werden.).
Den "Wilden Westen" der Tiefsee verhindern
Als Generalsekretärin ist es ihre Aufgabe neutral zwischen allen Mitgliedsstaaten zu vermitteln. In ihrer Rede betont sie, dass es bei dieser Konferenz darum gehe, einen „Wilden Westen“ auf dem Boden der Meere zu verhindern. Es gehe nicht nur um einfache Regeln, sondern viel mehr um ein Vermächtnis für die Zukunft.
Damit hat Leticia Carvalho definitiv Recht! Denn die Tiefsee ist ein besonders sensibles und weitreichendes Ökosystem mit vielen bisher unerforschten Facetten. Wenn wir anfangen mit schweren Geräten diesen Boden umzupflügen, wird dies langanhaltende Spuren hinterlassen. Welche Auswirkungen genau diese „Fußstapfen“ haben werden, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Es bleibt dabei, dass wir momentan mehr über den Mond als die tiefsten Stellen unserer Meere wissen!
Ein Moratorium muss her!
Aus diesem Grund muss sich die internationale Gesellschaft auf ein Moratorium zum Tiefseebergbau einigen. Deutschland stimmte bereits 2022 für einen vorübergehenden Stopp des Tiefseebergbaus – beteiligt sich jedoch nach wie vor an der Erforschung profitabler Möglichkeiten.
Das Geomar forscht zusammen mit anderen unabhängigen Forschungseinrichtungen bereits seit 2015 an den Auswirkungen des Tiefseebergbaus. Die neueste Studie vom März dieses Jahres zeigt deutlich auf, dass der Abbau von Manganknollen zu massiven Veränderungen des Ökosystems führen würde. Allerdings nicht nur im Abbaugebiet – sondern auch in den umliegenden Bereichen! Bis zu 4.5km entfernt konnten Sedimentpartikel nachgewiesen werden.
Als GRD sind wir der festen Überzeugung, dass der Mensch bereits in alle Ökosysteme eingegriffen und in vielen einen erheblichen Schaden angerichtet hat. Unsere Meere sind bereits jetzt durch den hohen Nutzungsdruck und den fehlenden politischen Handlungswillen in großer Gefahr bzw. unumkehrbar geschädigt. Eine weitere Nutzungsform zu etablieren und zusätzlich in das Tiefseeökosystem massiv einzugreifen, halten wir für unverantwortlich.
Fazit
Ein Moratorium für den Tiefseebergbau ist die beste Option für die Zukunft unseres Planeten – und für die ISA selbst, um zur Hüterin der Tiefsee im Interesse der gesamten Menschheit zu werden. Diese Sichtweise wird bereits von dutzenden Mitgliedstaaten, tausenden Wissenschaftler:innen, großen Unternehmen und Finanzinstitutionen, Menschenrechtsführer:innen sowie zivilgesellschaftlichen und indigenen Gruppen weltweit unterstützt. Angesichts der Krisen von Ozean, Klima und Biodiversität steht die ISA vor einer Entscheidung von epochaler Tragweite.
Darum sind wir als GRD Mitglied bei der Deep Sea Conservation Coalition und haben den offenen Brief an die UN unterzeichnet.
Der vollständige Brief kann hier eingesehen werden.
Weitere Artikel
Delfinfunde 2025: Niedrige Fallzahlen, aber weiterhin Handlungsbedarf
Mit zwölf gemeldeten Todfunden blieb die Zahl verendeter Delfine an der kroatischen Adriaküste im Jahr 2025 vergleichsweise niedrig. Dennoch bedeutet jeder einzelne Todesfall einen schmerzlichen Verlust für die ohnehin kleinen Delfinpopulationen der Adria. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass sich die Delfine in der Region bemerkenswert gut an Lebensräume mit intensiver menschlicher Nutzung angepasst haben. Sie trotzen Schiffsverkehr, Tourismus und Fischerei und zeigen damit einerseits eine hohe Anpassungsfähigkeit und andererseits eine ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber anthropogenen Umweltfaktoren. Ein konsequenter Schutz dieser sensiblen Meeressäuger bleibt nichtsdestotrotz unabdingbar.
weiterlesenDelfin-Beifang in der Biskaya sorgt für rapide sinkende Lebenserwartung
Am heutigen 22. Januar tritt zum dritten Mal in Folge ein einmonatiges Fischereiverbot im Golf von Biskaya in Kraft. Mit der Maßnahme reagiert die französische Regierung – auf Druck zahlreicher Umweltorganisationen – auf die hohen Beifangzahlen der vor der Küste lebenden Gemeinen Delfine. Wie dringend dieser Schritt ist, zeigt eine aktuelle Studie: Demnach ist die durchschnittliche Lebenserwartung weiblicher Gemeiner Delfine im Nordatlantik seit 1997 um rund sieben Jahre gesunken. Die Folgen für die Populationen sind dramatisch.
weiterlesenNeues Bündnis für den Schutz der Nordsee: Das Netzwerk Nordseeschutz (NeNo) nimmt Arbeit auf
Unsere Nordsee ist einzigartig! Doch Fischerei, Schiffsverkehr, Plastikmüll und Lärm von Offshore-Anlagen setzen ihr zu. Sie braucht dringend besseren Schutz – insbesondere für unsere heimischen Schweinswale, deren Bestände seit zwei Jahrzehnten zurückgehen. Am Beispiel dieser kleinen Wale wird deutlich, wie sehr die Artenvielfalt unter Druck gerät und wie notwendig effektive Schutzmaßnahmen sind.
weiterlesen
