Können Wale und Delfine pupsen?
Überschüssige Gase müssen auch bei Walen und Delfinen entweichen
Sicherlich haben sich einige Menschen bereits die Frage gestellt, ob und wie Wale und Delfine überhaupt pupsen können. Eines lässt sich vorwegnehmen: Auch Wale und Delfine müssen sich hin und wieder von lästigen Gasen befreien und daher auch pupsen, so wie wir Menschen auch.
Die Verdauung der Meeressäuger
Bei Delfinen und Walen handelt es sich um recht gefräßige Tiere. Da sie sich fast nahezu pausenlos bewegen, haben sie einen hohen Kalorienbedarf. Obwohl sie über eine Speckschicht, den sogenannten Blubber, der ja nach Art unterschiedlich ausgeprägt ist, verfügen, müssen sie ihren Wärmeverlust im Wasser ständig ausgleichen, was ebenso viele Kalorien verbraucht. Wenn beispielsweise der Große Tümmler seine Beute frisst, dann benutzt er seine Zähne (rund 80 bis 90 Stück, kegelförmig), um den Fang festzuhalten und zu zerdrücken. Anschließend wird der Fisch im Ganzen verschlungen. Ein Delfin von einem Gewicht von ca. 160 kg frisst ca. acht Kilogramm Fisch (darunter aber auch Tintenfisch- Tiergruppe der Kopffüßer) pro Tag.
Der Verdauungstrakt der Zahnwale
Der Verdauungstrakt der Zahnwale ist in drei verschiedene Abschnitte unterteilt:
- Vormagen: In dem Vormagen, ein Kropf, der dem eines Wiederkäuers ähnelt, wird die Nahrung durch starke Kontraktionen der Muskulatur und unter Zuhilfenahme von Sand und Steinchen zerkleinert. Die Schleimhaut eines Delfins ist glänzend weiß. Eine Besonderheit: Obwohl der Vormagen an den eines Wiederkäuers erinnert, muss die Funktion doch eine andere sein, da in dem Vormagen keine zellulosespaltenden Bakterien oder Einzeller gefunden werden konnten – schließlich sind Delfine Beutegreifer und keine Pflanzenfresser.
- Hauptmagen: Im Hauptmagen befinden sich Magendrüsen, die Salzsäure ausstoßen. Bei der Verdauung unterstützen zudem Enzyme.
- Pförtnermagen: Dieser wird auch als Nachmagen bezeichnet. In ihm befinden sich sogenannte Pylorusdrüsen, die ein schleimiges Sekret absondern. Auch wir Menschen verfügen über Pylorusdrüsen am Magenausgang.
Im Verdauungstrakt der Delfine befinden sich darüber hinaus auch – wie bei allen Fleischfressern – ein Zwölffingerdarm, Darm und Milz. Die Darmlänge entspricht ebenfalls der anderer Carnivoren (fleischfressende Tiere). Über einen kleinen Blinddarm verfügen nur Bartenwale und der Ganges-Delfin, manche haben keinen Vormagen.
Foto: Innere Anatomie eines Delfins von WikipedianProlific, vector version by Wilfredor
Wie pupsen Wale und Delfine?
Während der Verdauung können auch bei Walen und Delfinen Gase entstehen, darunter Wasserstoff, Methan oder Kohlenstoffdioxid. Zum Tauchen ist dies nicht ideal, weshalb die Säugetiere sie wieder loswerden, also pupsen müssen. Wie beim Menschen, so können sie dann auch bei den Meeressäugern unangenehm riechen.
Wie genau sich Walpupse anhören, wurde bislang aber noch nicht erforscht. Anders sieht es aus hinsichtlich der Darmflora, die WissenschaftlerInnen schon untersuchen konnten. Man hat herausgefunden, dass ihre Darmflora teils sowohl Fleisch- als auch Pflanzenfressern auf dem Land ähnelt. Sie tragen ähnliche Bakterien im Darm wie eine Kuh. Bei Bartenwalen ist dies erstaunlich, da sie überwiegend Krill, aber aufgrund von Nahrungsverknappung auch Fisch fressen. Deshalb ist man davon ausgegangen, dass sich in ihrem Verdauungstrakt eher Mikrobiome befinden, wie es bei Carnivoren der Fall ist. Für dieses scheinbare Paradoxon gibt es aber eine Erklärung: Möglicherweise hilft dies den Tieren dabei, die chitinhaltigen Krillschalen besser zu verdauen, statt zähes Gras wie die Wiederkäuer.
Interessanter Fakt
WissenschaftlerInnen konnten bei Heringen bereits die Töne der Blähungen untersuchen und stellten dabei fest, dass die ausgewichene Luft der Fische sich in Tonhöhe, Länge und Frequenz unterscheidet. Daher vermutet man, dass diese Geräusche bei den Fischen sogar zur Kommunikation dienen.
Weitere Artikel
Zwischen Propellern und Publikum: Dauerbedrohung für Delfin “Mimmo” in Venedig
Der Großer Tümmler „Mimmo“ sorgt seit Sommer 2025 in der Lagune von Venedig für Aufsehen, vor allem da er sich oftmals an belebten Orten wie vor dem Markusplatz aufhält. Doch statt dem hundertsten Selfie mit „Mimmo“, braucht es jetzt vor allem eines: konsequenten Schutz. Wie verantwortungsvolles Verhalten der Öffentlichkeit aussehen muss, um das Überleben des jungen Delfins zu sichern, haben die Autor:innen einer wissenschaftlichen Studie erarbeitet.
weiterlesenAktionsplan für den bedrohten Buckeldelfin gestartet
2024 wurde das Indian Ocean Humpback Dolphin Conservation Network (HuDoNet) von unserer südafrikanischen Projektpartnerin Dr. Shanan Atkins ins Leben gerufen. Ziel des Netzwerks, dem 71 Meereswissenschaftler:innen und Naturschützer:innen aus 17 Ländern im westlichen Indischen Ozean angehören, ist es, den Schutz der gefährdeten Buckeldelfine im Indischen Ozean nachhaltig zu verbessern. Jetzt startet HuDoNet mit der Umsetzung des gemeinschaftlich entwickelten Aktionsplans, um den Schutz dieser bedrohten Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gezielt voranzubringen.
weiterlesenMarineland Antibes: Das Schicksal der verbliebenen Orcas
Marineland Antibes – einst ein beliebter Freizeitpark an der Côte d’Azur – stand lange Zeit sinnbildlich für das Leiden von Meeressäugern in Gefangenschaft. Auch nach der Schließung des Delfinariums im Januar 2025 hat sich an diesem Status nichts verändert. Das Schicksal der letzten zwei Orcas und zwölf Delfine ist ungewiss, die Sorge um ihre physische und psychische Gesundheit wächst. Ein geschütztes Meeresrefugium wäre die beste Lösung. Doch wie realistisch ist es, dass diesen 14 Tieren endlich ein Leben in Würde ermöglicht wird?
weiterlesen

