Forschung in Bewegung: Finnwale, Buckelwale und ein digitaler Zwilling
Bericht von EDMAKTUB zum Projektstand 2025
Für unsere Kooperationspartner von EDMAKTUB ist 2025 bis dato ein Jahr voller Ereignisse: Das Finnwal-Projekt wurde erfolgreich fortgeführt und lieferte neue Erkenntnisse zum saisonalen Vorkommen der Finnwale vor der katalanischen Küste. Darüber hinaus widmete sich das Forschungsteam weiteren wissenschaftlichen Projekten – einerseits, um die marine Megafauna, insbesondere Buckelwale, systematisch zu erfassen und damit entscheidende Grundlagen für den Schutz der Biodiversität zu schaffen; andererseits um mitzuhelfen, mit modernsten Technologien einen “digitalen Zwilling” der Meeresökosysteme zu entwickeln.
Erforschung der Finnwale
In den meisten Fällen (80 Prozent der Sichtungen) konnten die Tiere bei der Nahrungssuche bzw. dem Fressen beobachtet werden. Dabei fiel in dieser Saison eine Veränderung auf: Statt in Tiefen von 80 bis 400 Metern zu fressen, fand die Nahrungsaufnahme meist zwischen 50 und 80 Metern Tiefe statt!
Eine andere Auffälligkeit: Die Wiedererkennungsrate stieg: Von den 23 identifizierten Tieren waren 13 bereits aus früheren Jahren bekannt. Besonders erfreulich war die gemeinsame Sichtung von zwei vertrauten Individuen – den Finnwalen „Clover“ (ein Weibchen, das seit sechs Jahren dokumentiert wird) und „Bruixa“ (ein Männchen, das schon seit 14 Jahren bekannt ist).
Eine weitere Besonderheit in dieser elften Saison war das nahezu vollständige Ausbleiben von Streifendelfinen. In den vorherigen Jahren waren sie die am häufigsten gesichtete Art, diesmal kam es jedoch nur zweimal zu Sichtungen – einmal mit einer großen Gruppe von rund 100 Tieren.
Ganz anders verhielt es sich mit Großen Tümmlern: Hier wurden 14 Sichtungen dokumentiert. Teilweise begleiteten diese Fischtrawler, um aus deren Netzen zu fressen. “Unser persönliches Highlight bei den Beobachtungen war die Interaktion zwischen zwei Großen Tümmlern und einen Finnwal”, so das Team von EDMATUB.
Das SACET-Projekt
Das SACET-Projekt, das EDMAKTUB unterstützt, untersucht die marine Megafauna im Südatlantik, mit besonderem Fokus auf Wale und Delfine. Ziel ist es, Wissenslücken zu schließen und Grundlagen für Biodiversitätsschutz und -management zu schaffen. Die erste Expedition fand 2020 im Golf von Guinea (São Tomé und Príncipe) statt. Zwischen August und Oktober wurden damals 94 Buckelwale gesichtet, von denen 45 Individuen identifiziert und katalogisiert werden konnten – die erste regionale Datenbank.
Eine erneute Sichtung bestätigte die Übereinstimmung eines Buckelwals, der 2006 in Südafrika beobachtet und 2020 bei Príncipe Island wieder gesichtet wurde. 2025 kehrte das Team erneut in die Region zurück. Seit dem 1. August wurden 25 Sichtungen mit insgesamt 43 Tieren verzeichnet, darunter 32 katalogisierte Individuen. Bemerkenswert: Es gab 13 Begegnungen mit erwachsenen Paaren.
Neben Buckelwalen wurden auch Kurzflossen-Grindwale, Große Tümmler und Fleckendelfine dokumentiert. Ein bemerkenswertes Ereignis war die Interaktion eines einzelnen Buckelwals mit einer Gruppe Grindwale, die gemeinsam auf Wellen ritten. Die Expedition läuft noch bis Ende Oktober, bevor die Arbeiten weiter nach Südafrika verlagert werden.
Das Seamphoni-Projekt
Das von der Europäischen Kommission geförderte Seamphoni-Projekt wird von der Universitat Politècnica de Barcelona (UPC) geleitet und von EDMAKTUB unterstützt. Ziel ist die Entwicklung eines intelligenten marinen digitalen Zwillings. Hierbei entsteht durch Programmierung und Daten-Integration eine Art lebendige digitale Kopie des Meeres, die Forschern hilft, die Ozeane besser zu verstehen und zu schützen.
Der durch die UPC initiierte digitale Zwilling soll die Überwachung der marinen Biodiversität in Echtzeit und kostengünstig ermöglichen, den Zustand der Ökosysteme besser erfassen und Schutzmaßnahmen optimieren. Das Projekt startete im Juni mit einem Kick-off-Meeting. Die Vorbereitungen für die Feldarbeit Anfang nächsten Jahres laufen bereits.
Kurse und Kooperationen
2025 fand erstmals ein Drohnenkurs statt – eine einwöchige Schulung durch EDMAKTUB, welche theoretische Grundlagen und praktische Übungen zur Nutzung von Drohnen in der Cetaceenforschung vermittelte. Inhalte waren unter anderem Drohnentechnik, Sicherheitsaspekte beim Fliegen auf See, Positionierung, Datenauswertung sowie Anwendungsfelder.
Auch der Research Assistant Course wurde erneut durchgeführt und bot einen umfassenden Einblick in die Forschungsbereiche des Finnwal-Projekts. (Lesetipp: Unterwegs mit Finnwalen: „Momente, die in meinem Herzen unvergessen bleiben“)
Die Kooperation mit der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) wurde ebenfalls wieder aufgenommen. Im Juni konnten dort Fettgewebeproben von Finnwalen bearbeitet werden, die nun für Hormon- und Schadstoffanalysen vorbereitet werden.
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