Drama im Jeddah-Delfinarium: Hat Delfin „Mosa“ Selbstmord begangen?
Vorprogrammiert: Das saudi-arabische Wüsten-Delfinarium hat jetzt sieben tote Delfine zu verantworten
Das siebenjährige Delfin-Weibchen „Mosa“ soll im Fakieh Aquarium Jeddah mit voller Wucht gegen den Rand ihres Beckens geschwommen sein. Kurze Zeit später verstarb sie. Über die Gründe für ihr Verhalten und einen möglichen Suizid wird nun diskutiert. Fakt ist, dass sich die Lebensumstände von „Mosa“ durch den jüngst erfolgten Transport aus der Gefangenhaltung in der Karibik in die sehr kleinen Becken des Wüsten-Delfinariums nochmals verschlechtert hatten.
Die Betonbecken am Rand der saudi-arabischen Wüste sind kein Ort für Delfine
Bis Mai dieses Jahres lebten die fünf Delfine „Serena“, „Machu“, „Mosa“, „Sami“ und „Luna“ in den Lagunen der Dolphin Academy Curaçao in der Karibik, ehe sie an das Fakieh Aquarium in Saudi-Arabien verkauft wurden (wir berichteten). Auch eine Petition, unterschrieben von 11.000 Menschen, sowie Kampagnen von Tierschutzorganisationen konnten den Transfer in das 22 Flugstunden entfernte Jeddah nicht verhindern. Dort erwartete die fünf Meeressäuger ein Delfinarium, in dessen Becken in der Vergangenheit bereits viele Delfine verstorben sind: Im Jahr 2012 wurden sechs Delfine aus dem japanischen Fischerort Taiji „geliefert“, die in den darauffolgenden Jahren an Lungenerkrankungen infolge von Sandstürmen, die in der Wüste regelmäßig vorkommen, verendet sein sollen.
Delfine in den Lagunen der Dolphin Academy Curaçao in der Karibik
Nun der nächste Todesfall: „Mosa“ soll vor wenigen Tagen mit voller Wucht gegen den Rand ihres Beckens geschwommen sein. Der Große Tümmler erlitt dabei schwere Verletzungen und starb aufgrund einer großen Menge Blut in der Lunge. Die Tierschutzorganisation Animal Rights hat eine Aussage des Fakieh Aquarium veröffentlicht, wonach „der Übergang von der Pubertät zur Geschlechtsreife” der Grund dafür gewesen sei, dass „das Tier nicht mehr leben wollte”. Ob tatsächlich Hormone eine Rolle gespielt haben oder aber Faktoren wie Stress und Angst ursächlich für das Verhalten von „Mosa“ waren, darüber wird derzeit spekuliert und diskutiert. Möglicherweise kann eine Obduktion nähere Informationen liefern, noch aber hat das Delfinarium keine entsprechenden Informationen verbreitet.
Sind Suizide im Tierreich möglich?
Eine weitere Frage, die nach dem Tod von „Mosa“ intensiv diskutiert wird, beschäftigt sich mit einem möglichen Suizid des Delfins. So sind Vertreter von „Animals Rights“ der Meinung, dass sich Delfine unter diesen Lebensumständen bewusst oder unbewusst selbst verstümmeln oder sich das Leben nehmen. Aus Sicht der Wissenschaft ist der Begriff „Suizid“ allerdings umstritten. Denn man müsse beweisen können, dass sich Tiere bewusst dazu entscheiden, nicht mehr leben zu wollen. Dazu gibt es keine Forschungsergebnisse und es dürfte auch schwer sein, solche in Zukunft vorzulegen.
Das Fakieh Aquarium Jeddah. Mittlerweile sind hier sieben Delfine gestorben.
Nichtsdestotrotz nehmen Delfine bei möglichen Suiziden im Tierreich eine besondere Stellung ein, wie die Anthropologin Barbara King ausführt. Denn von den intelligenten Meeressäugern sei bekannt, dass sie komplexe Pläne erstellen können, auch in scheinbar ausweglosen Situationen wie Jagd oder Gefangenschaft. Die Professorin ist sich daher sicher, dass der Suizid für Delfine in solchen Fällen eine Option darstellt. (Lesetipp: Aus Verzweiflung? Orca „Kiska“ rammt Kopf immer wieder gegen Wand von Delfinarium)
Die GRD verurteilt jegliche Art der Gefangenhaltung von Delfinen und Walen. Wir freuen uns, wenn ihr unsere Projektarbeit mit einer Kampagnenspende gegen Delfinarien unterstützt. Vielen Dank!
Wie steht ihr zum Thema Delfinarien? Nehmt gerne an unserer untenstehenden Umfrage teil.
Fotos: Fakieh Aquarium Jeddah, Dolphin Academy Curaçao
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