Delfinmassaker im Golf von Biskaya

von | 9. November 2020 | News - Delfine

EU leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen Frankreich ein

Jedes Jahr findet im Golf von Biskaya ein unglaubliches Delfinmassaker statt. Französische, spanische und portugiesische Fischer töten mit ihren Schleppnetzen zehntausende der hier lebenden Gemeinen Delfine. Besonders in der Zeit von Dezember bis März. Dann ist Hochsaison. Allein in den letzten beiden Jahren starben im Nordostatlantik mehr als 18.500 Meeressäuger als Beifang. In den letzten 30 Jahren sollen es mindestens 90.000 gewesen sein. Wenn dann auflandige Winde die toten Tiere an die Strände treiben, fehlt vielen die Schwanzflosse. Fischer verstümmeln die ertrunkenen Delfine beim Versuch, sie aus den Netzen zu schneiden.

Frankreich und Spanien ignorieren wissenschaftliche Empfehlungen

Wissenschaftler des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) sehen die hohen Beifangzahlen als Hauptbedrohung für die Delfinpopulation im Golf von Biskaya. Sie fordern die Schließung der ursächlich verantwortlichen Fischereien vom 1. Dezember 2020 bis zum 31. März 2021. Doch nichts geschieht.

Damit kommen weder Frankreich noch Spanien ihren gesetzlichen Verpflichtungen zum Schutz von Meeressäugern nach. Zwar hat die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Verstoßes gegen die EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie eingeleitet, doch das kann dauern.

So viel Zeit haben die von der EU eigentlich streng geschützten Delfine nicht.

Delfinmassaker im Golf von Biskaya: jedes Jahr tausende toter Gemeiner Delfine.

Sofortige Maßnahmen gegen Delfinmassaker im Golf von Biskaya?

Die EU-Kommission forderte Frankreich auf, gemeinsame Empfehlungen mit Spanien und Portugal zum Schutz der Gemeinen Delfine vorzulegen. Denn deren Fischereien verursachen im Golf von Biskaya ebenfalls hohe Beifänge. Doch es zeigt sich, dass der gemeinsame Vorschlag nicht ausreicht.

Er berücksichtigt nicht die Empfehlungen der ICES-Wissenschaftler. Und die französische Ministerin, Annick Girardin, weigert sich, Fischereien im Falle eines Anstiegs von Delfinbeifängen zu schließen.

So bleibt die EU-Kommission die einzige Hoffnung, dass den bald beginnenden Delfinmassakern im Golf von Biskaya doch noch Einhalt geboten werden kann. Sie könnte im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik Sofortmaßnahmen ergreifen, um die betreffenden Fischereien in diesem Winter vorübergehend zu schließen.

Die GRD dokumentierte als erste deutsche Delfinschutzorganisation bereits 1997 die Delfinmassker im Golf von Biskaya. Seitdem fordern wir – wie andere Organisationen aus ganz Europa auch – von der EU-Kommission, ihren Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Denn bereits Anfang des Jahres versprach EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevičius, in dieser Angelegenheit tätig zu werden.

GRD-Biologin Denise Wenger dokumentiert 1997 die Delfinmassaker im Golf von Biskaya.

GRD-Biologin Denise Wenger dokumentiert 1997 die Delfinmassaker im Golf von Biskaya.
© Angelika Gebhard

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