Kein Seemannsgarn: Gemeiner Delfin in der Ostsee

von | 22. Februar 2017 | News - Delfine

Ungewöhnlicher Schiffsbegleiter

Ein Gemeiner Delfin in der Ostsee? Es gibt Geschichten, die es eigentlich nicht geben kann. Eine dieser unglaublichen Geschichten erlebten Wolf-Dieter C. und sein Freund Horst W. im August 2016. Auf ihrer Segeltour rund ums Kattegat wurden sie fast 2,5 Stunden lang von einem Gemeinen Delfin (Delphinus delphis) begleitet. In dieser Zeit wich das Tier dem Boot nicht von der Seite. Als die Segler schließlich Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov nahmen, nahm der Delfin auf seine Art Abschied von den Seglern. 

In der Ostsee tauchen Gemeine Delfine nur äußerst selten auf

Üblicherweise findet man die Wassertemperaturen zwischen 10 und 20 Grad bevorzugende Art in wärmeren Gewässern wie Mittelmeer oder Schwarzes Meer, aber auch im Nordostatlantik. Meist halten sich diese recht verspielten Delfine in großen Schulen von 30 bis 100 oder sogar mehreren tausend Tieren auf dem offenen Meer auf. Einzelgängerisch sind die bis zu 2,4 m großen und etwa 130 kg schweren Delfine nur selten anzutreffen. Ein Gemeiner Delfin in der Ostsee ist eine absolute Rarität.

In der Ostsee wurden letztmalig 2010 zwei Tiere, eine Mutter mit ihrem Kalb, von der Besatzung eines Bundespolizeischiffes zwischen Darßer Ort und Hiddensee gesichtet und fotografiert. Sie begleiteten das Polizeiboot rund vier Stunden lang und unterhielten die Besatzung mit Wellenreiten und Sprüngen.

Der einzelne Schiffsbegleiter aus dem Kattegat verhielt sich recht ähnlich. Gegen Mittag an diesem schönen Augusttag tauchte er neben der Bordwand des Bootes bei Wind aus östlicher Richtung in Lee auf. Unsicher, wie sie sich verhalten sollten, um das Tier nicht zu vertreiben, unternahmen die Segler zunächst nichts und hielten ihren Kurs.

Foto: Wolf-Dieter Consilius

Der Delfin und sein Schiff

Als hätte er nun endlich “sein” Schiff und “seine” Crew gefunden, blieb der Delfin fast 2,5 Stunden lang an der Seite des Seglers.

“Er ist uns nicht von der Seite gewichen, schwamm fast immer in Lee auf der Backbordseite, meistens in Höhe der Plicht. Unsere relativ geringe Geschwindigkeit zwischen 5,4 kn und 6 kn hat er regelrecht ausgependelt, indem er bis kurz vor den Bug schwamm, sich zurückfallen ließ und dann von achtern kommend neben der Plicht wieder auftauchte. Der seitliche Abstand zum Boot lag so zwischen 50 cm und 2,5 m”, schreibt Wolf-Dieter C. voller Begeisterung.

Kurs der ungewöhnlichen Schiffsbegleitung im Kattegat.

Ende einer Begegnung der besonderen Art

Wäre es nach dem Meeressäuger gegangen, hätte die muntere Reise wohl noch sehr viel länger dauern können. Doch schließlich nahmen die Segler erkennbar Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov, was der Delfin mit kräftigem Schlagen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche (Flukenschlagen) quittierte, bevor er in einem Bogen nach steuerbord schwimmend die Segler verließ.

War es ein letzter Abschiedsgruß? Oder wollte das Tier körpersprachlich sein Missfallen ausdrücken, dass die gemeinsame Reise vorbei war? Große Tümmler setzen Flukenschlagen als Signal ein, wenn ihnen etwas nicht passt.

Foto: Horst Wilmanns

Wie kann es auch anders sein ...

Und natürlich kann es bei einer derart ungewöhnlichen Mensch-Tier-Begegnung auch gar nicht anders sein, dass das Schiff der beiden Segelfreunde, die etwas betagte Optima 101 von Horst W., den Namen “Delphin” trägt.

Seit über 35 Jahren ist Wolf-Dieter C. mit Familie und Freunden unter Segeln unterwegs. Auf all diesen Fahrten traf er auch immer wieder auf Meeressäuger, meist Robben und Schweinswale: “Wir hatten viele interessante Begegnungen an Land und auf dem Wasser, die Delfinbegegnung im letzten Sommer war für mich jedoch in jeder Hinsicht einmalig.”

Die Entdeckung des Gemeinen Delfins im Kattegat reiht sich nahtlos ein in das ungewöhnliche Ostsee-Meeressäuger-Jahr 2016. Neben einem Buckelwal vor Rügen, einem Pottwal im Öresund, und einem Sowerby-Zweizahnwal vor Wismar sorgten besonders die zu überregionaler Berühmtheit gelangten, sehr kontaktfreudigen Großen Tümmler “Selfie”, “Delfie” und “Freddy” für Furore.

Es gab 2016 aber auch ein gänzlich unspektakuläres Ostsee-Meeressäuger-Highlight als ein Gemeiner Delfin in der Ostsee für kurze Zeit “sein” Schiff und “seine” Crew gefunden hatte.

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