Die Macht der Urlaubsbilder: So könnt ihr auf Reisen den Artenschutz aktiv unterstützen

von | 14. April 2022 | News - Delfine

Artenschutz: Bürgerforscher werden – ganz einfach im nächsten Urlaub!

Artenschutz im Urlaub: Wenn ihr das nächste Mal im Urlaub unterwegs seid, macht besonders viele Fotos von Wildtieren! Diese Bilder – beispielsweise geteilt in den sozialen Medien – können dazu beitragen, bedrohte Arten zu retten.

Für die meisten Menschen sind jene Fotos, die sie im Urlaub von Tieren machen, nur Erinnerungsstücke. Dank neuer Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) können diese Bilder eine zusätzliche, sehr nützliche Aufgabe erfüllen: Sie können dabei helfen, Arten vor dem Aussterben zu schützen.

Forscher haben eine Datenbank ins Leben gerufen, die genau dieses Ziel verfolgt: die Online-Plattform „Wildbook“. Dieses System nutzt maschinelles Lernen, um relevante Arten auf Fotos zu erkennen, unabhängig davon, ob sie von Forschern oder von Touristen im Urlaub aufgenommen wurden. Das System kann auf einem Foto nicht nur die Art identifizieren, sondern auch das einzelne Individuum erkennen.

Artenschutz mit „Wildbook“: Ausgangslage und Intention

Die Welt verliert in extremem Maß ihre biologische Vielfalt. Aktuell stehen mehr als 15.000 (!) Tierarten auf der Roten Liste – Tendenz steigend. Was vielerorts fehlt, sind detaillierte Informationen darüber, wo die Not am schlimmsten ist. Für Tier- und Umweltschützer ist der Mangel an verfügbaren Daten eines der größten Handicaps, um den Status bedrohter und gefährdeter Arten zu aktualisieren. Und eben diese Überwachung ist – ehe weitere Maßnahmen ergriffen werden können – in erster Instanz unabdingbar, um dem voranschreitenden Artensterben entgegenzuwirken.

Urlaubsbilder werden mittels Künstlicher Intelligenz für „Wildbook” analysiert. Nicht nur die Art kann identifiziert werden, sondern auch einzelne Individuen (Foto: Ohio State University)

An dieser Stelle kommen Reisende bzw. deren Urlaubsfotos ins Spiel: Schon jetzt können sie im Zusammenwirken mit KI eine wichtige Funktion beim Artenschutz übernehmen. Dies funktioniert am Beispiel von „Wildbook“ wie folgt: Das von der Ohio State University entwickelte System nutzt Bilder aus dem Forschungsbereich, von Kamerafallen sowie von Touristen und wertet diese aus. Mithilfe von Computeralgorithmen ist es möglich, einzelne Tiere einer Art anhand von Streifen, Flecken, Falten oder Kerben eindeutig zu identifizieren.

Bei Meeressäugern beispielsweise gehören die Schwanzflossen eines Wals oder die Finne eines Delfins zu den wichtigsten Merkmalen. Bereits heute listet „Wildbook“ über zwei Millionen Bilder von 60.000 einzelnen Delfinen und Walen. Bei Schwertwalen soll das System mittlerweile die wichtigste Informationsquelle sein.

Artenschutz: Durch KI kann Wilderern das Handwerk gelegt werden

Doch nicht nur die Bilder, sondern auch deren Geodaten helfen den Artenschützern. Anhand dieser Informationen können sie zahlreiche Informationen über soziale Interaktionen, Verbreitungsgebiete und Populationsgrößen gewinnen. Die Daten den Forschern auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig dafür Sorge zu tragen, dass sie Wilderern nicht in die Hände fallen, dieser Aufgabe widmen die Entwickler viel Aufmerksamkeit. Mehr noch: KI kann die Bekämpfung der Wilderei aktiv unterstützen. Eine entsprechende Software berücksichtigt frühere Wilderei-Aufzeichnungen und die geografischen Daten eines Schutzgebiets, um das künftige Verhalten von Wilderern vorherzusagen und Karten des Wilderei-Risikos sowie optimale Patrouillenrouten für Ranger zu erstellen.

Wildtier-Fotos: Je mehr, desto besser!

Neben „Wildbook“ gibt es weitere bürgerwissenschaftliche Plattformen wie „eBird“ oder „iNaturalist“. Jeder einzelne Urlauber kann seine Wildtier-Fotos diesen Systemen direkt zur Verfügung stellen. Unwissentlich zu Bürgerforschern werden zudem Instagram-User, die auf diesem Social-Media-Kanal ihre Urlaubsfotos mit Tieren einstellen. Auf den „Datenschatz“, wie ihn die Ohio State University bezeichnet, kann „Wildbook“ zugreifen.

Deshalb gilt im nächsten Urlaub: Je mehr Wildtier-Fotos auf den Social-Media-Kanälen geteilt werden, desto besser für den Artenschutz!

l

Weitere Artikel

Delfinfunde 2025: Niedrige Fallzahlen, aber weiterhin Handlungsbedarf

Mit zwölf gemeldeten Todfunden blieb die Zahl verendeter Delfine an der kroatischen Adriaküste im Jahr 2025 vergleichsweise niedrig. Dennoch bedeutet jeder einzelne Todesfall einen schmerzlichen Verlust für die ohnehin kleinen Delfinpopulationen der Adria. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass sich die Delfine in der Region bemerkenswert gut an Lebensräume mit intensiver menschlicher Nutzung angepasst haben. Sie trotzen Schiffsverkehr, Tourismus und Fischerei und zeigen damit einerseits eine hohe Anpassungsfähigkeit und andererseits eine ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber anthropogenen Umweltfaktoren. Ein konsequenter Schutz dieser sensiblen Meeressäuger bleibt nichtsdestotrotz unabdingbar.

weiterlesen

Delfin-Beifang in der Biskaya sorgt für rapide sinkende Lebenserwartung

Am heutigen 22. Januar tritt zum dritten Mal in Folge ein einmonatiges Fischereiverbot im Golf von Biskaya in Kraft. Mit der Maßnahme reagiert die französische Regierung – auf Druck zahlreicher Umweltorganisationen – auf die hohen Beifangzahlen der vor der Küste lebenden Gemeinen Delfine. Wie dringend dieser Schritt ist, zeigt eine aktuelle Studie: Demnach ist die durchschnittliche Lebenserwartung weiblicher Gemeiner Delfine im Nordatlantik seit 1997 um rund sieben Jahre gesunken. Die Folgen für die Populationen sind dramatisch.

weiterlesen

Neues Bündnis für den Schutz der Nordsee: Das Netzwerk Nordseeschutz (NeNo) nimmt Arbeit auf

Unsere Nordsee ist einzigartig! Doch Fischerei, Schiffsverkehr, Plastikmüll und Lärm von Offshore-Anlagen setzen ihr zu. Sie braucht dringend besseren Schutz – insbesondere für unsere heimischen Schweinswale, deren Bestände seit zwei Jahrzehnten zurückgehen. Am Beispiel dieser kleinen Wale wird deutlich, wie sehr die Artenvielfalt unter Druck gerät und wie notwendig effektive Schutzmaßnahmen sind.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!