Schon wieder ist ein Delfin in der Kieler Bucht aufgetaucht

von | 12. September 2016 | News - Delfine

Ein ungewöhnlich zutraulicher Großer Tümmler

Erneut ist ein ungewöhnlich zutraulicher Delfin in der Kieler Bucht aufgetaucht. Der sehr verspielte Tümmler schwamm am 10. September gleich mehrmals in die Schleuse Kiel-Holtenau, als wollte er durch den Nord-Ostsee-Kanal eine Abkürzung in die Nordsee nehmen. Der Schiffsverkehr in der Schleuse wurde für 20 Minuten gestoppt, bis der Tümmler die Schleuse dann doch wieder den Weg zurück in die Ostsee nahm.

In der Förde angekommen, spielte er dann intensiv mit badenden Kindern und bescherte ihnen ein unvergessliches Erlebnis. Immer wieder suchte er Kontakt zu Menschen, stupste sie sogar an, drehte sich auf den Rücken und ließ sich streicheln. Nach einem weiteren Ausflug in den Nord-Ostsee-Kanal hält er sich seit dem 13. September wieder in der Kieler Förde aus, wie von aufmerksamen Beobachtern über das Internet dokumentiert wird.

 

Immer mehr Große Tümmler in der Ostsee!

Seit gut einem Jahr scheint die Ostsee zunehmend als Lebensraum für Große Tümmler interessant zu werden. Den Anfang machten die beiden mittlerweile berühmten und gleichfalls sehr zutraulichen Tümmler “Selfie” und “Delfie”, die vor über einem Jahr in Schweden auftauchten und auf einer mehrmonatigen Ostsee-Rundreise die Herzen der Menschen an der Küste von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erfreuten und nun die dänischen Küstenbewohner begeistern.

Es folgte ein weiterer Delfin, der im Juni vor Weissenhäuser Strand auftauchte und wegen seiner unauffälligen Finne identisch mit dem Tier sein könnte, das 2015 vor der schwedischen Küste gesichtet wurde und den Namen “Vilse” (Deutsch: verirrt) erhielt. Nach den bislang vorliegenden Informationen handelt sich bei dem “Schleusen-Tümmler” um einen neuen Gast, jedenfalls nicht um eines der Tiere aus der “Selfie” und “Delfie” Gruppe. Der Neuankömmling ist ein Männchen, das gut an einer nierenförmigen Zeichnung mit zwei Löchern an der rechten Körperseite zu identifizieren ist.

Ostseeaufenthalt birgt hohes Risiko für Delfine

Abgesehen von zu viel Zuneigung seitens begeisterter Menschen, der sich ein Großer Tümmler allerdings leicht entziehen kann, wenn es ihm zu viel wird, ist der Aufenthalt in der Ostsee für die Meeressäuger riskant. Hauptbedrohung für Delfine und die in der Ostsee heimischen Schweinswale sind unzählige Stellnetze die entlang der deutschen und dänischen Küste lauern und eine tödliche Gefahr darstellen. Die Lungenatmer verheddern sich und ertrinken qualvoll.

Während des Aufenthalts von “Selfie” und “Delfie” in der Kieler Bucht hatten wir an die Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein und des Fischereischutzverbandes Schleswig-Holstein e.V. appelliert, sich für ein Stellnetz-Moratorium in Gebieten einzusetzen, in denen sich die beiden Delfine aufhalten.

Auch wenn der Kieler “Schleusen-Delfin” – wie auch “Selfie” und “Delfie” – aktiv und fordernd den Kontakt zu Menschen suchte, sollte man die Tiere nicht anfassen. Es besteht hier immer die Gefahr der Krankheitsübertragung von Mensch zu Tier und umgekehrt.

Vor 87 Jahren gab es schon einmal einen Delfin im Nord-Ostsee-Kanal

Nach Informationen des Meeressäugerexperten Dr. Andreas Pfander ließ sich schon einmal ein Großer Tümmler in den Nord-Ostsee-Kanal einschleusen. Im Herbst 1929 durchschwamm er den Kanal und wurde am 12. Oktober schließlich von Holtenauer Fischern getötet. Es hatte sich um ein sehr großes, altes männliches Individuum gehandelt, das die eigentliche Ostsee nie erreichte.
Foto oben: Michael Schulz

Von Holtenauer Fischern 1929 getöteter Delfin.

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