Warum Weiße Haie zur Beute von Orcas werden
Südafrika: Orcas haben Weiße Haie getötet bzw. vertrieben
Weiße Haie gelten gemeinhin als die gefährlichsten Raubtiere der Meere. Korrekt ist dies nicht, denn auch die Orcas gehören zu den Top-Prädatoren der Meere. Mit welcher Dominanz die Schwertwale agieren, zeigt sich aktuell vor der Küste von Südafrika. Aber auch der Mensch hat hier seine Finger mit im Spiel.
Orcas fressen Leber und Herz von Weißen Haien
Weiße Haie beherrschten über viele Jahre die Gewässer vor der südafrikanischen Küste von Gansbaai. In den vergangenen Jahren sind deren Sichtungen allerdings merklich zurückgegangen, wie aus einer Studie des Dyer Island Conservation Trust hervorgeht. Die Forscher führen hierfür das Auftauchen von Orcas an, die die Weißen Haie verdrängt und zum Teil auch getötet haben. Dies geht auf Langzeitsichtungen und Markierungsdaten zurück sowie auf fünf Kadaver von weißen Haien, die von den Forschern analysiert wurden. Bei vier Tieren fehlte die nährstoffreiche Leber, beim fünften das Herz. Die Wissenschaftler vermuten stark, dass alle Wunden von ein und demselben Orca-Pärchen verursacht wurden. (Lesetipp: Spanien: Angriffe von Orcas auf Segelboote nehmen zu)
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Mehr InformationenDrohnenaufnahmen vor Orcas, die vor der Küste Südafrikas (Mossel Bay) einen Weißen Hai töten.
In ihrer Studie kommen die Forscher des Dyer Island Conservation Trust zu mehreren Erkenntnissen und Thesen:
1. Der Faktor Mensch
Die Eroberung von neuen Gebieten durch Orcas könnte in Zusammenhang mit einer generellen Nahrungsmittelknappheit stehen. Für die sinkenden Fischbestände in der Hochsee werden Überfischung und Meeresverschmutzung verantwortlich gemacht. Darüber hinaus werden Weiße Haie direkt befischt oder fallen vor beliebten Stränden wie in KwaZulu Natal den zahlreichen Hainetzen zum Opfer.
2. Massenwanderung der Weißen Haie
Weiße Haie nutzen ihren Fluchtinstinkt, um zu überleben. Diese Angst vor anderen Raubtieren löst eine schnelle Massenwanderung aus. Gleichzeitig geben die Prädatoren jene Gebiete auf, die sie über viele Jahre dominiert haben. „Nach einem Orca-Angriff in Gansbaai tauchten zunächst wochen- oder monatelang keine einzelnen Weißen Haie auf. (…) Je häufiger die Orcas diese Orte aufsuchen, desto länger bleiben die Weißen Haie fern“, erklärt Alison Towner, leitende Biologin beim Dyer Island Conservation Trust mit Fokus auf Weiße Haie.
3. Weitreichende Folgen für das Ökosystem
Die Vertreibung der Weißen Haie könnte in den Gewässern um Südafrika einen Dominoeffekt auslösen: Es ist anzunehmen, dass sich die Populationen der Pelzrobben vergrößern werden, da diese weniger oft von Weißen Haien bejagt werden. Dies wiederum geriete zum Nachteil für die vom Aussterben bedrohten afrikanischen Pinguine, die zu den bevorzugten Beutetieren der Robben zählen.
4. Mögliche Spezialisierung einzelner Orcas
Die Orcas weisen ein enormes Maß an Erfahrung und Geschick bei der Jagd auf große Haie auf. Die Spitzenprädatoren – Orca-Bullen können mehr als neun Meter lang werden und sind damit deutlich größer als Weiße Haie mit rund vier Metern – sind spezialisierte Jäger und sehen fast alles im Ozean als potenzielle Beute an. Laut Studie könnte das Orca-Paar bei Gansbaai „zu einem seltenen Haifisch-fressenden Morphotyp gehören, von dem bekannt ist, dass er in Südafrika mindestens drei Haiarten als Hauptnahrungsquelle jagt.“ (Lesetipp: Zahlen, Daten, Fakten zu Orcas im GRD-Artenführer)
Video: Totfunde von Weißen Haien vor Gansbaai
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