Norwegen: Walfangquote wird erhöht

von | 14. Februar 2024 | News - Fischerei

Fischereiministerin sieht Zwergwale als „Fressfeinde“

In Norwegen dürfen in diesem Jahr 1.157 Zwergwale gefangen werden, was eine Steigerung um 157 Tieren im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Diese Erhöhung der Walfang-Quote erfolgt, obwohl die Nachfrage nach Walfleisch in Norwegen kontinuierlich abnimmt. Gleichzeitig liefert die Fischereiministerin ein befremdliches Statement, das als Rechtfertigung der grausamen Waljagd dienen soll.

Walfang: Bedenkliche Argumentationskette einer norwegischen Ministerin

„Wale fressen große Mengen an Fisch, der auch für andere Arten, einschließlich des Menschen, als Nahrung dient. Der norwegische Walfang trägt zu einem Gleichgewicht in den marinen Ökosystemen bei.” Diese Aussage tätigte die norwegische Fischereiministerin Cecilie Myrseth bei der Vorstellung der diesjährigen Walfangquote für Norwegen in einer Pressemitteilung – sie bedient sich dabei an Halbwahrheiten und Scheinargumenten.

1. Dass Zwergwale – jene Art, die norwegische Walfänger bejagen dürfen – große Mengen an Fisch fressen, muss in Relation gesetzt werden. Die Bartenwale bevorzugen kleinere Krebstiere, vor allem Krill. Darüber hinaus jagen die Zwergwale auch kleinere Fische wie Makrelen, aber es ist nicht ihre Hauptnahrungsquelle.

2. In ihrem Statement verunglimpft Cecilie Myrseth die Zwergwale de facto als „Konkurrenten“ um schwindende Fischpopulationen. Damit bedient sich die Ministerin der gleichen falschen Argumentationskette wie beispielsweise die japanische Regierung. Diese will den Walfang ebenfalls dadurch legitimieren, dass sich die Nahrungskonkurrenz zwischen Wal und Mensch durch den gezielten Abschuss der Meeressäuger verringern lasse. Dabei ist es offensichtlich, dass die industrielle Überfischung für den Status quo verantwortlich ist und mitnichten das Fressverhalten der Wale.

3. Dass der norwegische Walfang zum Gleichgewicht in den marinen Ökosystemen beitrage, ist an Scheinheiligkeit kaum zu übertreffen. Denn: An vorderster Front steht der Mensch, der die Systeme durch seine rigorose Ausbeutung der Meere außer Kontrolle bringt bzw. gebracht hat. Das Gleichgewicht würde die Natur höchstselbst erwirken, wenn der Mensch sich mit seinen grenzenlosen Bedürfnissen aus dem Spiel bringen würde. 

Es passt zudem ins Bild, dass Ministerin Myrseth wichtige Fakten außer Acht lässt, wie beispielsweise die Tatsache, dass Wale bei der Bekämpfung des Klimawandels eine wichtige Rolle spielen oder dass sie den Nahrungskreislauf für Fische verbessern bzw. deren Reproduktion ankurbeln. Wo Wale sind, ist auch der Erhalt der Fischbestände garantiert. Dies geht aus einer Studie der Universität Vermont hervor.

Walfang weiterhin nötig? Norweger lehnen Walfleisch zunehmend ab

Verkauf von Walfleisch in der norwegischen Stadt Bergen (2012)
Foto: WikiCommons

Walfang ist grausam und aus der Zeit gefallen. Eine Studie aus Island unterstreicht eindrücklich die entsetzlichen Qualen, die die Meeressäuger erleiden, wenn sie von Harpunen getroffen werden – nur um letztlich einem sinnlosen Tod entgegenzusehen. Denn die Nachfrage nach Walfleisch ist stark eingebrochen. Laut einer Umfrage aus 2021 essen nur noch zwei Prozent der Norweger:innen regelmäßig Walfleisch, und die jüngere Generation zeigt eine komplette Ablehnung gegenüber derartigen Produkten.

 

Helft mit!

 

l

Weitere Artikel

Raffinierte Fallensteller: Delfine verblüffen mit erstaunlicher Jagdtechnik

Dass Delfine sehr intelligent sind, ist hinlänglich bekannt. Doch mit welcher Raffinesse sie bei der Nahrungssuche vorgehen, versetzt selbst erfahrene Beobachter:innen immer wieder ins Staunen. Ein bemerkenswertes Beispiel liefert ein Großer Tümmler in der australischen Shark Bay, der einen Meeresschwamm zweckentfremdet, um seiner Beute eine Falle zu stellen. Festgehalten ist diese kaum bekannte Form des Werkzeuggebrauchs in einer neuen BBC-Dokumentation. Letztlich werfen die Aufnahmen eine spannende Frage auf: Haben Wissenschaftler:innen die Fähigkeiten der Delfine jahrzehntelang unterschätzt?

weiterlesen

Gemeinsam für den Schweinswal: NENO-Workshop in Husum setzt neue Impulse

Wie lässt sich der Schutz der Nordsee und insbesondere des bedrohten Schweinswals gemeinsam stärken? Darüber diskutierten Vertreter:innen verschiedener Naturschutzorganisationen und Institutionen des Netzwerks Nordseeschutz (NENO) am 29. Oktober in Husum. Im Mittelpunkt des Workshops stand neben einer gemeinsamen Zielsetzung die Frage, wie sich vorhandene Kräfte künftig noch besser bündeln lassen. Dabei wurde deutlich: Für einen wirkungsvollen Nordseeschutz braucht es neue Denkansätze.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!