Shark-Finning: Barbarische Haiflossen-Fischerei
Jährlich werden über 38 Millionen Haie wegen ihrer Flossen abgeschlachtet
Bei der gezielten Haiflossen-Fischerei, dem sogenannten “Shark Finning”, schneiden Fischer den Haien direkt nach dem Fang die Flossen ab, dann werfen sie die schrecklich verstümmelten und nicht mehr schwimmfähigen Tiere zurück ins Meer, wo sie langsam verenden. Wissenschaftler schätzen, dass jährlich 38 Millionen Haifische nur wegen ihrer Flossen getötet werden. Meeresschützer und Wissenschaftler befürchten schon lange, dass angesichts der stark gestiegenen Fänge und der sehr langsamen Reproduktionsrate dieser Knorpelfische – Haie haben nur wenig Nachwuchs und bei vielen dauert es bis zu 25 Jahre bis sie geschlechtsreif sind – den vollständigen Zusammenbruch der Bestände bestimmter Arten.
Erstes Opfer könnte der Blauhai sein
Durch seinen hohen Harnstoffgehalt riecht und schmeckt ihr Fleisch stark nach Ammoniak, wenn es nicht unmittelbar nach dem Fang verarbeitet wird. Da dies den Fischern zu mühselig ist, schneiden sie stets nur die Flossen ab, fast 99 % eines jeden Blauhais verschwinden so ungenutzt wieder im Ozean.
Haiflossen gehören bei Preisen von über 200 Dollar pro Kilo zu den teuersten Fischprodukten überhaupt. Doch die Nachfrage übertrifft das Angebot bei weitem. In über 125 Länder werden Haiflossen verkauft, größter Absatzmarkt ist Hong Kong, wo die Flossen als Delikatesse und Statussymbol gelten. Dort kann eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten bis zu 400 Euro kosten. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre können immer mehr Menschen Haiflossenprodukte kaufen, während dies früher nur einer kleinen wohlhabenden Bevölkerungsschicht vorbehalten war.
Auch Heilmittel aus Haiknorpel werden immer beliebter und heizen die Nachfrage weiter an, obwohl eine Wirkung der als Wundermittel gegen Krebs angepriesenen Pülverchen bis jetzt nicht bewiesen werden konnte. Bereits 1994 warnten Experten auf der neunten Internationalen Artenschutzkonferenz in Fort Lauderdale vor der drohenden Ausrottung vieler Hai-Arten, geschehen ist seitdem allerdings herzlich wenig. Und so kämpfen diese den Delfinen in Sachen Unterwassermanövrierfähigkeit in nichts nachstehenden Knorpelfische heute, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, weiter um ihr Überleben.
Foto oben: Nancy Boucha, www.scubasystems.org 2005/Marine Photobank.
Abgetrennte Haiflossen auf einem offenen Karren. Foto: Rikke Færøvik Johannessen/Marine Photobank
Weitere Artikel
Tragischer Beifang: Buckeldelfin verendet in Hainetz vor Richards Bay
Vor rund zwei Wochen ist vor Richards Bay in Südafrika ein junger Delfin in einem sogenannten Hainetz verendet. Ein lokaler Drohnenpilot dokumentierte den Vorfall aus der Luft und stellt uns das erschütternde Videomaterial zur Verfügung. Bei dem Tier handelt es sich um ein junges Weibchen des seltenen und stark gefährdeten Indopazifischen Buckeldelfins.
weiterlesenSichten statt stören: So können Urlaubsgäste zum Schutz der Adria-Delfine beitragen
Zum Start der Urlaubssaison 2026 ruft die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) Adria-Reisende dazu auf, Delfinsichtungen vor der kroatischen Küste per App zu melden und sich bei Sichtungen an tierfreundliche Verhaltensregeln zu halten. Auf diese Weise können Reisende als Bürgerforschende aktiv zum Schutz der gefährdeten Großer Tümmler beitragen.
weiterlesenZwischen Propellern und Publikum: Dauerbedrohung für Delfin “Mimmo” in Venedig
Der Großer Tümmler „Mimmo“ sorgt seit Sommer 2025 in der Lagune von Venedig für Aufsehen, vor allem da er sich oftmals an belebten Orten wie vor dem Markusplatz aufhält. Doch statt dem hundertsten Selfie mit „Mimmo“, braucht es jetzt vor allem eines: konsequenten Schutz. Wie verantwortungsvolles Verhalten der Öffentlichkeit aussehen muss, um das Überleben des jungen Delfins zu sichern, haben die Autor:innen einer wissenschaftlichen Studie erarbeitet.
weiterlesen
