Aufgrund von Profitgier: Gescheitertes Treffen der Antarktis-Kommission
Eisschmelze und Rückgang der Wildtierbestände – aber keine neuen Schutzgebiete
Trotz einer Vielzahl an Herausforderungen, denen der südliche Kontinent gegenübersteht – darunter ein historisch niedriger Meereisstand und ein dramatischer Schwund der Wildtierbestände –, konnte auf einer internationalen Konferenz zur Meeresumwelt der Antarktis (CCAMLR) keine Einigung bezüglich neuer Schutzgebiete erzielt werden. Angesichts des Drucks, dem das Polargebiet und seine Bewohner ausgesetzt sind, kann das Ergebnis nur als frustrierend bezeichnet werden.
Eisschmelze: Kipppunkt ist überschritten
Das antarktische Eis schwindet dahin. Allein in der Westantarktis sind in den vergangenen 25 Jahren 3,3 Billionen Tonnen Eis verloren gegangen. Und dieser Prozess ist einer aktuellen Klimastudie britischer Forscher:innen zufolge unumkehrbar. Im Klartext: Selbst, wenn die Menschheit die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen könnte, wird das Schelfeis in der Amundsensee laut Studie in den kommenden Jahrzehnten verschwinden. Ein sukzessiver Anstieg des Meeresspiegels ist die Folge.
Bereits heute sind die Auswirkungen der Eisschmelze dramatisch. Beispielhaft: In vier von fünf Kaiserpinguin-Kolonien ist der komplette Nachwuchs des vergangenen Jahres ums Leben gekommen: 9.000 Küken, denen das Eis unter den Füßen wegschmolz, bevor sie wasserdichte Federn ausbilden und im Wasser überleben konnten. Eine entsprechende Erhebung hat das British Antarctic Survey vorgelegt.
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Mehr InformationenFischerei-Nationen wollen ihre profitablen Fanggründe nicht hergeben
„Die Geschwindigkeit der Veränderungen in der Antarktis ist alarmierend“, erklärt eine Expertin vom Pew Bertarelli Ocean Legacy Project, doch noch alarmierender sei, dass die Antarktis-Kommission keine Schutzmaßnahmen ergriffen hat. Zur Einordnung: Das Südpolarmeer macht etwa zehn Prozent der globalen Ozeane aus – und nur fünf Prozent davon sind geschützt. Dieser Status wird sich bedauerlicherweise vorerst nicht verändern, denn auch die jüngste Zusammenkunft der CCAMLR-Staaten in Tasmanien brachte keine Einigung. Vorschläge zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten mit einer Fläche von fast vier Millionen Quadratkilometern fanden keinen Konsens, vor allem aufgrund des Widerstands der russischen und chinesischen Delegationen. Beide Fischerei-Nationen profitieren stark von den Beständen in der Antarktis.
Am 8. Februar 2023 wurde mit einer Ausdehnung von 2,20 Millionen Quadratkilometern das bisherige Rekordminimum in der Antarktis aus dem Jahr 2022 unterschritten (24. Februar 2022 mit 2,27 Millionen Quadratkilometer). Grafik: meereisportal.de
Die Folge: Alles schmilzt in nie dagewesenem Tempo – das Eis, die Populationen der Pinguine und – dafür muss man kein Hellseher sein – auch die Meeressäuger werden in zunehmendem Maße gefährdet sein. Denn ihre wichtigste Nahrungsquelle, der Krill, steht als Proteinquelle und als Futtermittel in Fischfarmen verstärkt im Fokus der industriellen Fischerei. So soll sich der Krillfang im Südpolarmeer in den vergangenen 15 Jahren vervierfacht haben. Ohne eine nachhaltige Bewirtschaftung kann der abzusehende Mangel an den garnelenförmigen Krebstieren fatale Auswirkungen haben, beispielsweise für die Wale. (Lesetipp: Klimawandel: fatale Folgen für Meer und Delfine)
Weniger Eis führt zu reduziertem Nahrungsangebot für Wale
Gestrandeter Grauwal an US-Küste in Kalifornien. Credit: Barbie Halaska, The Marine Mammal Center
Wie sensibel die Ökosysteme auf kontinuierliche Veränderungen reagieren, zeigt ein aktuelles Beispiel von der nördlichen Erdhalbkugel: Seit 2019 werden von Alaska bis nach Mexiko in einem alarmierenden Ausmaß tote Grauwale angespült – erst jetzt sind Wissenschaftler:innen der Ursache auf die Spur gekommen. Auch in der Arktis ist die Eisschmelze kein neues Phänomen – herausgefunden haben die Forscher:innen der Oregon State University aber nun, dass es deutlich weniger Algen gibt, da diese auf der Unterseite des Meereises wachsen. Krebstiere ernähren sich vornehmlich von diesen Algen, was zur Folge hat, dass sich das Nahrungsangebot der Grauwale deutlich verringert. Dies erklärt, weshalb die an der amerikanischen Westküste gestrandeten Wale auf die Forscher:innen oftmals einen ausgezehrten Eindruck machten.
Das jüngste Sterben der Grauwale hat dazu geführt, dass die Population im Nordpazifik von geschätzten 27.000 Tieren im Jahr 2016 auf aktuell 14.500 gesunken ist. Das geht aus dem Bericht der National Oceanic and Atmospheric Administration hervor.
Foto oben: Das deutsche Forschungsschiff “Polarstern” im Januar 2023 im eisfreien Bellingshausenmeer (Westantarktis), Credit: AWI / Daniela Röhnert
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