„Earth Overshoot Day“: Ab heute leben wir auf Pump!

Die Organisation Global Footprint Network berechnet den Erdüberlastungstag mithilfe des ökologischen Fußabdrucks

Vom 1. Januar bis zum heutigen Tag hat die Menschheit so viel von der Natur verbraucht, wie die Erde im ganzen Jahr regenerieren kann. Dies macht der „Earth Overshoot Day“ deutlich. Er zeigt, dass wir Menschen auf der Erde über unsere Verhältnisse leben – und das nun schon seit über 50 Jahren.

Wie wir den Erschöpfungszustand der Erde immer weiter forcieren

1969 war das letzte Jahr, in dem die Menschheit so viel konsumierte, dass die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht überschritten wurden. 1970 wurde diese Grenze am 19. Dezember erreicht und fortan wanderte dieses Datum immer weiter nach vorne. 2022 erreichte die Welt ihren Erschöpfungszustand am 28. Juli. In einer Prozentzahl statt in Daten ausgedrückt: Derzeit verbraucht die Menschheit 74 Prozent mehr, als die Ökosysteme des Planeten regenerieren können. (Lesetipp: Welttag der Meere – Wenn nicht jetzt, wann dann?)

Dass es möglich ist, diesem verhängnisvollen Trend entgegenzuwirken, führte uns ausgerechnet SARS-CoV-2 vor Augen: Vor zwei Jahren verzögerte die pandemiebedingte Verringerung der Ressourcennutzung den „Earth Overshoot Day“ um stattliche 24 Tage. Innerhalb der vergangenen 24 Monate haben wir es aber geschafft, uns wieder in alte Fahrwasser zu begeben – der Vorsprung ist aufgebraucht. Übrigens: Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie die Einwohner Deutschlands, hätten wir laut Global Footprint Network den Earth Overshoot Day bereits am 5. Mai erreicht.

Der Earth Overshoot Day markiert jenen Tag im Jahr, an dem die Menschheit alle biologischen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde während des gesamten Jahres regeneriert. (Grafik: Global Footprint Network)

Earth Overshoot Day: Wie eine Trendumkehr funktionieren kann

Dass es keinerlei Lockdowns oder ähnlichem bedarf, um den ökologischen Overshoot weltweit umzukehren und die biologische Regeneration abzusichern, zeigt die neue Plattform „Power of Possibility“. Sie nennt fünf wesentliche Interventionsbereiche (gesunde Biosphäre, Energie, Ernährung, Städte und Bevölkerung) und zeigt Maßnahmen, mit denen die Erdbelastung gesenkt werden kann. Zum Beispiel:

  • Die Umstellung auf intelligente Stromnetze und eine höhere Effizienz unserer Stromversorgungssysteme würde den Earth Overshoot Day um 21 Tage verzögern.
  • Die Lebensmittelabfälle zu halbieren, entspräche 13 zusätzlichen Tagen.
  • Bäume mit anderen Nutzpflanzen zu mischen (Zwischenfruchtanbau) verschiebt den Earth Overshoot Day um 2 Tage.
  • Frachtschiffe mit geringerer Geschwindigkeit fahren zu lassen, entspricht einem Tag – und würde zudem die Zahl der Schiff-Wal-Kollisionen minimieren.

Diese Beispiele zeigen: Eine Trendumkehr ist möglich – und sie ist dringend notwendig. Denn innerhalb von rund 50 Jahren haben wir es geschafft, dass die Menschheit heute 1,75 Planeten benötigt. Diese gibt es aber nicht. Wir haben nur diese eine Erde.

Grafik oben: Nicole Kaufmann

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