Alarmstufe Rot im Mittelmeer: Immer mehr Wal- und Delfinarten auf der Roten Liste
„Diese Wale und Delfine im Mittelmeer sterben nicht durch natürliche Ursachen – sie werden getötet"
In einer neuen Bewertung der Wal- und Delfinarten im Mittelmeer durch die Weltnaturschutzunion (IUCN) wurden kürzlich sechs Teilpopulationen als „gefährdet“ eingestuft. Gewöhnliche Delfine im Golf von Korinth, Große Tümmler im Ambrakischen Golf und Orcas in der Straße von Gibraltar sind gar vom Aussterben bedroht. Bei realistischer Betrachtung stellt das Mittelmeer aktuell keinen sicheren Lebensraum für Delfine und Wale dar. Das hat Gründe:
„In den vergangenen 25 Jahren wurde viel erreicht, um diese Tiere zu schützen, aber die großen Probleme, die zum Rückgang der Populationen führen, sind nach wie vor präsent: Verschmutzung durch Chemikalien und Meereslärm, Überfischung, Plastikmüll, Kollisionen mit Schiffen und Verfangen in Fanggeräten. Es muss dringend mehr getan werden, wenn das Aussterben im Mittelmeer verhindert werden soll“, erklärt Sharon Livermore, Direktorin für Meeresschutz beim IFAW. Ihre Zusammenfassung der Lage lautet: „Diese Wale und Delfine sterben nicht durch natürliche Ursachen – sie werden getötet!”
Wie dramatisch die aktuelle Situation ist, wird mit Blick auf die Orcas und Langflossen-Grindwale in der Straße von Gibraltar deutlich. Von der IUCN wurden diese Teilpopulationen in die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten aufgenommen – damit sind sie nur noch einen Schritt vom Aussterben entfernt. Gleiches gilt für die Gewöhnlichen Delfine im Golf von Korinth (ca. 20 Tiere) und die Großen Tümmler im Ambrakischen Golf (ca. 150 Tiere).
Mittelmeer: Schiffskollisionen töten Delfine und Wale
Als Beispiel der vielfältigen Gefahren für die Meeressäuger hat die IUCN die Kollisionen mit Schiffen herangezogen. Die Forscher gehen davon aus, dass schätzungsweise über 20 Prozent aller Todesfälle bei Finnwalen, deren Population sich im Mittelmeer in den vergangenen Jahren auf 1800 Tiere halbiert hat, auf Zusammenstöße mit großen Schiffen zurückzuführen sind. „Schiffskollisionen sind grausam, tödlich und vermeidbar. Die Regierungen und die Schifffahrtsindustrie müssen Hand in Hand arbeiten, um das Kollisionsrisiko zu verringern und diese ikonischen Tiere zu retten”, betont Sharon Livermore.
„Durch die Verlangsamung der Schiffe und die Steuerung der Schiffsrouten, um kritische Lebensräume zu vermeiden, können diese Todesfälle vermieden werden.“ Für diese Delfine und Wale sei es noch nicht zu spät, aber es müsse JETZT gehandelt werden.
Ein toter Brydewal liegt auf dem Bugwulst eines Containerschiffs.
Die Sofortmaßnahmen, wie sie auch von uns seit Jahren gefordert werden, beziehen sich nicht nur auf die Reduzierung von Schiffskollisionen, sondern gleichzeitig auf den Schutz vor Plastikmüll, akustischer Meeresverschmutzung, Schallkanonen und Überfischung. Eine weitere Gefahr geht vom Klimawandel aus, denn kein Meer der Welt erwärmt sich derzeit so stark wie das Mittelmeer. Die Auswirkungen auf die Ökosysteme sind gravierend und bereits jetzt spürbar, da aufgrund der steigenden Temperaturen bis dato heimische Meeresbewohner verdrängt werden oder sterben.
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