Welche Position vertritt Deutschland beim Tiefseebergbau?
Meeresschutz vs. wirtschaftliche Interessen
Im Rahmen der bis heute andauernden Debatte um den Abbau von Rohstoffen aus der Tiefsee erklärte die Bundesregierung im November 2022, dass Deutschland den Vorsorgeansatz im Tiefseebergbau stärken und bis auf Weiteres keine Anträge auf kommerziellen Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee unterstützen wird. Das Bundesumweltministerium setzt sich für eine „vorsorgliche Pause“ ein, bis die Risiken ausreichend erforscht sind und strenge Abbauregularien vorliegen, die ernsthafte Umweltschäden ausschließen. Von einem vollständigen Bann des Tiefseebergbaus, wie ihn die französische Regierung ausgesprochen hat, ist die deutsche Position noch entfernt. Es scheint vielmehr, als halte man sich ein Hintertürchen offen.
Deutsches Landemodul zum Rohstoffabbau am Meeresgrund soll in wenigen Jahren einsatzbereit sein
Was sich hinter diesem Türchen verbergen könnte, offenbart sich an der Universität Rostock. Hier wird nicht nur intensiv zum Tiefseebergbau geforscht, der Presse wurde sogar im Januar 2024 das Modell eines Landemoduls im Maßstab 1:20 vorgestellt. Bereits in fünf Jahren könnte dieses mit einer Fräse ausgestattete Gerät nach Aussage von Wissenschaftler:innen und dem Vertreter eines beteiligten Maschinenbauunternehmens Rohstoffe in einer Tiefe von 4.000 Metern abbauen.
Es wird zwar betont, dass das Verfahren durch eine vertikale Vorgehensweise, bei der Löcher in den Meeresboden gebohrt werden, „minimal-invasiv“ sei. Wer aber maßt sich eine Einschätzung über die Folgen für ein Ökosystem an, das gerade einmal zu fünf Prozent erforscht ist?
So weit ist ein Landemodul zum Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee bereits auf deutschem Boden entwickelt: Das NDR-Nordmagazin berichtet im Januar 2024 über das Forschungsprojekt Deep Sea Sampling, unterstützt vom Bundeswirtschaftsministerium, während eines Meilensteintreffens am Rostocker Lehrstuhl für Meerestechnik.
Welchen Kurs fährt Deutschland?
Dass sich Deutschland überhaupt an Technologien zum Tiefseebergbau beteiligt und dass die Forschungsarbeit in Rostock vom Bundeswirtschaftsministerium zudem noch mit insgesamt 20 Millionen Euro finanziert wird, konterkariert die Aussagen von Bundesumweltministerin Steffi Lemke, wonach man gemeinsam mit internationalen Partner:innen jetzt die Chance habe, eine weitere drohende Umweltkrise abzuwenden und dem Erhalt der Natur und ihrer Erforschung den Vorrang zu geben. „Nur ein intakter Ozean hilft uns im Kampf gegen Biodiversitäts- und Klimakrise“, so Lemke.
Darüber hinaus hat der Tagesspiegel im Juni 2021 folgendes recherchiert: „Deutschland spielt nach Einschätzung der Bundesregierung eine ‘führende Rolle bei der Erforschung der Tiefsee’. Es hat sich die Annäherung an die Meeresbodenschätze in den vergangenen Jahren auch einiges kosten lassen. Allein für die Lizenzen zum Erkunden von Manganknollen im Pazifik und und Massivsulfiden im Indischen Ozean zahlte es zwischen 2017 und 2020 rund 49 Millionen Euro.”
Wenn die Bundesregierung ernsthaft die Tiefsee vor den potenziell verheerenden Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme schützen will, muss sie von ihrer Politik, sich alles Optionen offen zu halten, Abstand nehmen und dem Beispiel Frankreichs folgen: Unser Nachbarland hat ein striktes Verbot des Tiefseebergbaus beschlossen.
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