Behinderter Adria-Delfin erneut nahe Zadar gesichtet

Unerwartetes Wiedersehen

Ein Delfin mit einem kümmerlichen Rest von Schwanzfluke und mit Gewebewucherungen von eingewachsenen Resten eines Fischernetzes – der Anblick eines derart behinderten Großen Tümmlers ruft zunächst Mitleid und Sorge hervor. Und doch löst dieses unerwartete Wiedersehen große Freude bei der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) aus. Die Delfinschützer hatten für diesen Delfin vor knapp vier Jahren jede Hoffnung aufgegeben. Urlauber aus Deutschland entdeckten ihn jetzt während eines Segeltörns im Juni vor der Insel Vrgada inmitten einer Delfingruppe und konnten ihn filmen.

Erstmals wurde dieser spezielle Große Tümmler im September 2013 vor der Insel Pašman bei Zadar aufgespürt. Er war allein und gezeichnet von gleich mehreren schweren Handicaps. Experten gaben ihm keine Überlebenschance. Erstaunliche Selbstheilungskräfte brachten den Delfin, der damals recht entkräftet stets alleine umherzog, zurück ins Leben. Quirlig und agil vertreibt er sich die Zeit mit einer Gruppe von etwa fünf Großen Tümmlern, wie auf den Aufnahmen zu erkennen ist.

Košara bei Vrgada 2017

Kosara bei Vrgada 2017.

Košara bei Vrgada 2017

Kosara bei Vrgada 2017.

Košara bei Vrgada 2017

Kosara bei Vrgada 2017.

Košara bei Vrgada 2017

Košara bei Vrgada 2017.

Košara vor Zirje 2016

Der verletzte Delfin Kosara 2016 vor Zirje.

 

Košara vor Pasman 2013

Adria-Delfin Košara mit eingewachsenen Netzresten an Flipper schwimmt auf dem Rücken.

 

Vergebliche Rettungsversuche

Am Rücken des Tieres, an den Flippern und am Maul waren Reste eines Fischernetzes tief ins Fleisch eingewachsen, hatten sich entzündet und starke Gewebewucherungen verursacht. Eine stark beschädigte Schwanzfluke behinderte den Delfin zusätzlich.

Im Rahmen des GRD-Projekts “Rettung der letzten Adria-Delfine” starteten Meeressäuger-Spezialisten von der Universität Zagreb 2013 eine aufwändige Rettungsaktion. Mehrere Tage lang wurde versucht, den auf den Namen “Košara” getauften Delfin einzufangen, um ihn veterinärmedizinisch zu behandeln.

Die Aktion schlug fehl. Niemand rechnete damit, dass das Tier mit seinen akuten, schweren Wunden lange leben würde. Doch – es grenzt an ein Wunder – “Košara” hielt durch. Er wurde 2014 einmal kurz gesehen, dann wieder im Sommer 2016 bei der vor Šibenik gelegenen Insel Žirje und jetzt vor Vrgada. Seine Wunden scheinen gut verheilt. Und er hat gelernt, mit dem kümmerlichen Rest seiner Schwanzfluke geschickt zu tauchen und zu schwimmen.

Der verletzte Delfin Košara 2013 vor Pasman. Foto: Foto: T. Gomerčić

Nicht mehr allein unterwegs

“Košara sieht ziemlich munter und fit aus. Es freut mich, dass dieser Delfin kein Einzelgänger mehr ist, sondern in einer Gruppe mitschwimmt”, sagt die kroatische Tierärztin, Meeressäugerexpertin und Leiterin des Schutzprojekts Dr. Martina Đuras aus Zagreb.

Reste von Fischernetzen: Tödliche Gefahr für Delfine

Sogenannte Geisternetze, Reste zerstörter, von Fischern nicht wiedergefundener oder weggeworfener Netze, werden zu einer immer größeren Gefahr. Meerestiere wie Delfine oder auch Wale verheddern sich, sterben langsam und qualvoll. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die UNEP warnten bereits 2009 vor der von Geisternetzen ausgehenden Gefahr für das Meeresökosystem und sahen dringenden Handlungsbedarf, sich des Problems auf internationaler Ebene anzunehmen. Geschehen ist seitdem wenig.
Foto oben: Der verletzte Delfin Košara 2013 vor Pasman von T. Gomerčić

Update 2019

Er ist immer noch da! Im Juni 2019 wurde “Košara” zwischen den Inseln Rivanj und Sestrunj nahe Zadar gesichtet. Er ist fit! Er hat gelernt, mit dem kümmerlichen Rest seiner Schwanzfluke geschickt zu tauchen, zu schwimmen und zu springen!

l

Weitere Pressemitteilungen

Erfolgreiche Bergung großer Geisternetze vor Rügen

Seit Anfang August gibt es zwei Tonnen Geisternetze weniger in der Ostsee! Das ist die stolze Bilanz von zwei Tauchtagen einer gemeinsamen Aktion von Taucherinnen und Tauchern der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD), der Tauchbasis Prora und ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Mit Hilfe des Forschungsschiffes „Goor II“ konnten fünf schwere Netze aus Tiefen zwischen 15 und 26 Metern vom Grund der Ostsee gehoben und zum Hafen von Glowe transportiert werden.

weiterlesen

„Gut Luft und Geisternetze raus“: Münchner Meeresschützer holen Todesfallen aus der Ostsee

Ab dem 30. Juli heißt es auf Rügen: „Gut Luft und Geisternetze raus“. Gemeinsam mit einem großen Tauchteam der Tauchbasis Prora und schwerem Gerät werden Taucher der GRD Geisternetze aus der Ostsee bergen. Mit Unterstützung des Reiseportals Ostsee24 und der Deutschen Postcode Lotterie sollen an mindestens zwei Tauchtagen, von diversen Tauchspots und gesunkenen Schiffswracks, möglichst viele der für Meerestiere tödlichen Fallen vom Meeresgrund geholt werden.

weiterlesen

Delfine und Wale in Freiheit erleben – Ein Leitfaden für sanftes und respektvolles Whale Watching

Der Wunsch, Wale und Delfine zu beobachten und die damit einhergehende Faszination zu erfahren, besteht bei vielen Menschen. Wer sich den Tieren jedoch nachhaltig nähern möchte, sollte die Regeln kennen, die dies überhaupt erst ermöglichen. Delfine und Wale in Freiheit erleben: Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) veröffentlicht Leitfaden für sanftes und respektvolles Whale Watching.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN:
DE57 7002 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33MUE

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.