Hawaii: Neue Morbillivirus-Variante bereitet Delfin-Forschern große Sorge

von | 31. August 2021 | News - Delfine

Neuartiges Virus bei Hawaii-Delfinen entdeckt

Bei einem Fraser-Delfin, der 2018 auf Maui tot aufgefunden wurde, ist eine neue Variante des Morbillivirus nachgewiesen worden. Wissenschaftler befürchten einen Ausbruch. Die Verbreitung des Virus könnte nicht nur die Delfine vor Hawaii, sondern auch andere Meeressäuger gefährden.

Rund 200 Guyana-Delfine starben Ende 2017 innerhalb von nur zwei Monaten vor der Küste von Rio de Janeiro. Lange Zeit rätselten Wissenschaftler und Delfin-Forscher über die Gründe des Massensterbens, bis das infektiöse Morbillivirus als Ursache nachgewiesen wurde. Das Virus gehört zu einer Familie mit vielen hochansteckenden Erregern – etwa das menschliche Mumps- und das Masernvirus oder den Staupe-Erregern bei Hunden. Jetzt ist es in neuer Form aufgetaucht.

Ein Morbillivirus, „von dem wir bis dato nicht wussten“

An der Universität von Hawaii haben Wissenschaftler aktuell einen bis dato unbekannten Stamm des Morbillivirus entdeckt, der tödliche Infektionen verursachen und eine weltweite Gefahr für die Meeressäuger darstellen könnte. Ausgangspunkt war der Totfund eines Fraser-Delfin (Lagenodelphis Hosei) vor Maui im Jahr 2018. Kristi West, Forscherin am Institut für Meeresbiologie, erklärte zum aktuellen Stand der Forschungen, dass es sich um einen Morbillivirus-Stamm handele, von dem man bis dato nichts wusste.

Fraser-Delfine kommen in Offshore-Gewässern vor allen Hauptinseln von Hawaii vor, werden jedoch sehr selten auf hoher See gesichtet. „Wir wissen nicht, wo sich der untersuchte Delfin mit dem neuartigen Morbillivirus infiziert haben könnte“, erklärte die Forscherin, die ihre Ergebnisse der Delfin-Autopsie im August via „Nature Scientific Reports“ veröffentlicht hat.

Fraser-Delfine kommen in Offshore-Gewässern vor allen Hauptinseln von Hawaii vor, werden jedoch sehr selten auf hoher See gesichtet. (Foto: Unsplash / Madhukar Kumar)

 

Interaktionen erhöhen die Virus-Gefahr für Delfine

Dem Bericht zufolge wurde bei dem gestrandeten, männlichen Fraser-Delfin ein morbillivirales Antigen in Großhirn, Kleinhirn, Milz, Lunge, Niere und Lymphknoten nachgewiesen. Nach Aussage von Kristi West sei es möglich, dass der gestrandete Delfin ansteckend war und das Virus auf andere Walarten der Insel übertragen haben könnte.

Grund hierfür ist das äußerst soziale Verhalten der Meeressäuger: „Es wird angenommen, dass sich das Cetacean-Morbillivirus über die Luft überträgt und sich damit leicht unter hochsozialen Delfinen und Walen ausbreiten kann“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Auch die vom Aussterben bedrohten Hawaii-Orcas, von denen schätzungsweise nur noch 160 leben, könnten gefährdet sein. Kristi West: „Wenn sich das Morbillivirus in dieser Population ausbreiten sollte, stellt dies nicht nur eine große Hürde für die Erholung der Population dar, sondern könnte auch das Aussterben der Orcas nach sich ziehen.“

Was über das Morbillivirus bekannt ist

Es gibt sechs Stämme des Cetacean-Morbillivirus (CeMV), die in zwei Linien zusammengefasst werden: CeMV-1 und CeMV-2. Häufige Symptome sind Lungenentzündung und Gehirninfektionen mit möglichen Läsionen in Lunge, Mund und Haut. Bei infizierten Meeressäugern besteht die Gefahr, dass sich das Virus auf den gesamten Körper ausbreitet. Dies kann eine Unterdrückung der körpereigenen Abwehrsysteme verursachen, die in einigen Fällen zum Tod führt. „Leider gibt es keine bekannte Heilung, sobald ein Meeressäuger mit dem Morbillivirus infiziert ist“, schließt Kristi West.

Foto oben: ©Cindy Kern / Nature Scientific Reports

l

Weitere Artikel

Delfinfunde 2025: Niedrige Fallzahlen, aber weiterhin Handlungsbedarf

Mit zwölf gemeldeten Todfunden blieb die Zahl verendeter Delfine an der kroatischen Adriaküste im Jahr 2025 vergleichsweise niedrig. Dennoch bedeutet jeder einzelne Todesfall einen schmerzlichen Verlust für die ohnehin kleinen Delfinpopulationen der Adria. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass sich die Delfine in der Region bemerkenswert gut an Lebensräume mit intensiver menschlicher Nutzung angepasst haben. Sie trotzen Schiffsverkehr, Tourismus und Fischerei und zeigen damit einerseits eine hohe Anpassungsfähigkeit und andererseits eine ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber anthropogenen Umweltfaktoren. Ein konsequenter Schutz dieser sensiblen Meeressäuger bleibt nichtsdestotrotz unabdingbar.

weiterlesen

Delfin-Beifang in der Biskaya sorgt für rapide sinkende Lebenserwartung

Am heutigen 22. Januar tritt zum dritten Mal in Folge ein einmonatiges Fischereiverbot im Golf von Biskaya in Kraft. Mit der Maßnahme reagiert die französische Regierung – auf Druck zahlreicher Umweltorganisationen – auf die hohen Beifangzahlen der vor der Küste lebenden Gemeinen Delfine. Wie dringend dieser Schritt ist, zeigt eine aktuelle Studie: Demnach ist die durchschnittliche Lebenserwartung weiblicher Gemeiner Delfine im Nordatlantik seit 1997 um rund sieben Jahre gesunken. Die Folgen für die Populationen sind dramatisch.

weiterlesen

Neues Bündnis für den Schutz der Nordsee: Das Netzwerk Nordseeschutz (NeNo) nimmt Arbeit auf

Unsere Nordsee ist einzigartig! Doch Fischerei, Schiffsverkehr, Plastikmüll und Lärm von Offshore-Anlagen setzen ihr zu. Sie braucht dringend besseren Schutz – insbesondere für unsere heimischen Schweinswale, deren Bestände seit zwei Jahrzehnten zurückgehen. Am Beispiel dieser kleinen Wale wird deutlich, wie sehr die Artenvielfalt unter Druck gerät und wie notwendig effektive Schutzmaßnahmen sind.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!