Lone Ranger

Delfine suchen Kontakt und Nähe zu Menschen

Delfine suchen Kontakt und Nähe zu Menschen

Lone Ranger - Die mit den Menschen schwimmen

Dass – meist einzellebende – Delfine als „Lone Ranger“ mitunter den Kontakt zu Menschen suchen, ist zwar nicht außergewöhnlich, aber dennoch kein sehr häufiges Phänomen.

Doch 2016 hat sich an der deutschen Ostseeküste die Anwesenheit solcher kontaktfreudiger Großer Tümmler geradezu „gehäuft“. Nachdem die von den Schweden auf die Namen „Selfie“ und „Delfie“ getauften Delfine sich nach einigen Wochen Richtung Dänemark verzogen hatten, erschien kurz darauf ein weiterer sehr kontaktfreudiger Großer Tümmler in der Kieler Förde, der „Menschenflüsterer“ Freddy.

Einzelgänger - Lone Ranger

Foto von Michael Friebel: Dean Bernal und JoJo bei der Muschelsuche. Dean zeigt mit einer Hand auf etwas am Meeresboden, sein Freund, der Delfin Jojo, schaut interessiert zu der angezeigten Stelle.

Delfine, die lieber mit oder in Nähe von Menschen leben als mit Artgenossen, gibt es weltweit immer wieder. Die Gründe sind hierfür sind unbekannt, die Spekulationen vielfältig. In Kroatien tauchten in den letzten 3 Jahren unabhängig voneinander zwei verschiedene Große Tümmler auf, die den Kontakt zu Schwimmern suchten.

„JoJo“ aus der Karibik gelangte dank seiner innigen Freundschaft mit Dean Bernal zu internationalem Ruhm, der seine berührenden und erstaunlichen Erlebnisse in seinem Buch „Jojo und ich“ schildert. Über die irischen Landesgrenzen hinaus bekannt wurde „Fungie“, der sich bereits 1984 in der Dingle Bay „ansiedelte“, wie die britische Naturschutzorganisation Marine Connection in ihrem Bericht „Lone Rangers“ beschreibt. Die Wissenschaftler untersuchen darin etliche der weltweit bekannten Fälle von einzellebenden Delfinen, bei denen es sich in der Mehrzahl um Große Tümmler handelt, und dokumentierten die verschiedenen Phasen der Gewöhnung an Menschen.

Artübergreifende Sozialkontakte mit wilden Raubtieren

Die Habituierung zum „Lone Ranger“ verläuft in vielen Fällen ähnlich in mehreren Stufen vom Aufenthalt z. B. in einem Hafen oder in Nähe einer Boje, über das Folgen von Booten und schließlich der engere Kontakt mit Schwimmern.

Mit zunehmender „Berühmtheit“ häufen sich diese artübergreifenden Begegnungen und damit auch das Verletzungsrisiko für den Delfin. Er wird in Gegenwart von Wasserfahrzeugen unvorsichtig, Verletzungen durch Propeller werden wahrscheinlicher. Auch die Menschen werden durch das generell „freundliche“ Verhalten eines geselligen Delfins unvorsichtiger, stören ihn beispielsweise in Ruhe- oder Jagdphasen oder missinterpretieren aggressives Verhalten. So sehen z. B. etliche Boot- oder Jetskifahrer auch keine Notwendigkeit, in Anwesenheit des oder der Delfine die Geschwindigkeit zu drosseln, da dies dem in der Bug- oder Heckwelle mitschwimmenden Tier gefalle.

„Wir dürfen nicht annehmen, dass Delfine, weil sie im Meer leben, an Boote etc. gewöhnt sind. Sie werden leicht durch Propeller verletzt. (…) Ich habe das bei vielen einzellebenden Delfinen immer wieder beobachtet: Es fängt alles wunderbar an und dann kommt es zu Verletzungen, mitunter sogar tödlichen, weil die Menschen vergessen, dass sie es mit einem wild lebenden verletzlichen Tier zu tun haben“, erklärt Liz Sandemann, Mitgründerin der „Marine Connection“

GRD regt Verhaltenscodex für Deutschland an

Es zeichnet sich ab, dass einige „Lone Ranger“ die Ostsee als neuen Lebensraum auserkoren haben. „Selfie“ und „Delfie“ sind jetzt schon über anderthalb Jahr hier und fühlen sich offensichtlich pudelwohl.

Wir haben daher beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) wir angeregt, einen generellen Verhaltenskodex für Begegnungen mit wild lebenden Walen und Delfinen zu veröffentlichen, etwa nach dem Vorbild kroatischer oder US-amerikanischer Behörden. Dies wäre eine gute Basis und Richtschnur für die Bevölkerung, aber auch für Behörden, Polizei und Veterinärämter, um Auswüchse und schlimmstenfalls Verletzungen von Menschen und/oder Meeressäugern bei artübergreifenden Kontakten zu vermeiden.

Durch Fütterung wird mitunter versucht, einzelgängerische Delfine als touristische Attraktion an einen Ort zu binden. Das ist nicht nur verboten, sondern greift massiv in das natürliche Verhalten wild lebender Tiere ein. Dieser Große Tümmler bei der griechischen Insel Ios wurde 1990 vermutlich von Fischern einer Nachbarinsel getötet. Auch heute noch betrachten viele Fischer weltweit die Meeressäuger als Nahrungskonkurrenten.
Foto: Helmut Westerdorf

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