Loro Parque: Drei tote Orcas in 18 Monaten

von | 27. September 2022 | News - Delfinarien

Im Alter von 20 Jahren ist „Tilikums“ Tochter „Kohana“ in der Gefangenschaft des Loro Parque gestorben

Erst „Ula“ (2 Jahre), dann „Skyla“ (17 Jahre), jetzt „Kohana“ (20 Jahre): Erneut musste der Loro Parque Teneriffa den Tod eines in Gefangenschaft lebenden Orcas bekannt geben. Viele Jahre unter ihrer natürlichen Lebenserwartung starb „Kohana“ am 15. September 2022 auf der Kanareninsel. Wie viele Orcas werden im Loro Parque noch verenden, bis das Delfinarium endlich geschlossen wird?

Von sieben auf vier: Orca-Bestand im Loro Parque dahingerafft

Dem vorläufigen Pathologiebericht zufolge starb „Kohana“ wahrscheinlich an einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die durch eine vaskuläre Malformation (Gefäßfehlbildung) verursacht wurde. Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Der lebenswichtige Sauerstoff bleibt aus. Laut Loro Parque entwickelte sich die Erkrankung innerhalb weniger Stunden und war nicht therapierbar. Ebenso wie bei „Ula“ und „Skyla“, die beide an einer Darmtorsion mit nachfolgender Sepsis starben, seien „die drei Todesfälle nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Cetaceen-Medizin unvermeidlich“ gewesen, lässt das Management des Parks in einer Stellungnahme verlauten.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Loro Parque-Film über Orca Kohana”
Quelle: Loro Parque

Dass die Parkbetreiber eine Analyse über den Zusammenhang der drei Todesfälle gestartet haben, um mögliche Probleme im Orca-Management oder Fehler der Gesundheits- und Pflegeprotokolle aufzuzeigen, legt die Vermutung nahe, dass der öffentliche Druck auf das Delfinarium sukzessive zunimmt. Angesichts der Tatsache, dass der Bestand an Schwertwalen im Loro Parque zwischen März 2021 und September 2022 von sieben auf nur noch vier Tiere dahingerafft wurde, ist dies wenig verwunderlich. Übrig geblieben sind die Orcas „Tekoa“, „Keto“, und „Adan“ sowie das Weibchen „Morgan“, das nun als einziges Weibchen in den Betonbecken des Loro Parque schwimmen muss.

Loro Parque: Das traurige Leben von Orca-Dame „Kohana“

Die Lebensgeschichten der Schwertwale im Loro Parque sind – jede für sich – von Leid geprägt. „Morgan“ beispielsweise erlebte in ihren ersten Lebensjahren noch die Weite des Atlantiks, ehe sie von ihrer Familie getrennt wurde, sich vor der niederländischen Küste im seichten Wasser verirrte, von einer Bootsbesatzung entdeckt wurde und schließlich im Loro Parque Teneriffa landete. Dort brachte sie 2018 ihr erstes Kalb „Ula“ zur Welt, das keine drei Jahre alt wurde. (Lesetipp: Zum Tod des Orca-Kalbs “Ula”)

Orca-Dame Morgan” mit ihrem inzwischen verstorbenen Kalb Ula”.
Foto: Loro-Parque

„Kohana“ war es ihrerseits nicht vergönnt, im offenen Meer zu schwimmen. Sie wurde im Mai 2002 – ebenso wie ihre Mutter „Takara“ – in Gefangenschaft geboren. Ihr Vater war der Orca-Bulle „Tilikum“, dessen Geschichte im Film „Blackfish“ erzählt wird. Über die SeaWorld-Delfinarien San Diego und Orlando wurde „Kohana“ 2006 nach Teneriffa transportiert – zusammen mit „Skyla“, „Keto“ und „Tekoa“. Vier Jahre später brachte sie ihr erstes Kalb „Adan“ zur Welt, 2012 folgte „Victoria“, die nur ein Jahr später im Loro Parque verstarb.

Mit 20 Jahren ist „Kohana“ viel zu jung gestorben, denn in freier Wildbahn können Orcas ein Alter von 80 Jahren erreichen. In Gefangenschaft ist die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich niedriger. Forscher schätzen, dass diese zwischen 15 und 25 Jahren liegt. (Lesetipp: Das brutale Geschäft mit Orcas)

Delfinarien-Besucher müssen sich ihrer Eigenverantwortung bewusst sein

Je wirtschaftlich unattraktiver, desto besser: Wenn das zahlende Publikum mit dem Portemonnaie abstimmt und den Orca- bzw. Delfinshows eine deutliche Absage erteilt, wäre ein großer Schritt getan. Sowohl in Spanien und Deutschland als auch in allen anderen Ländern, in denen nach wie vor Delfinarien existieren und Meeressäuger in beengten Tanks leben müssen. 

l

Weitere Artikel

Nicht jedes Geisternetz muss zwingend geborgen werden

Wann muss ein Geisternetz geborgen werden – und wann ist es sinnvoller, es an Ort und Stelle zu belassen? Diese Frage stellt sich bei Bergungseinsätzen immer wieder und muss sorgfältig abgewogen werden. Genau vor dieser Entscheidung stand am vergangenen Wochenende ein Team ehrenamtlicher Taucher:innen unter der Leitung unseres Projektpartners Wolfgang Frank bei einem Einsatz vor Rügen.

weiterlesen

GRD kritisiert Handball-Turnierteilnahme auf den Färöer-Inseln: Warum spielt der THW Kiel dort, wo Delfine getötet werden?

Der THW Kiel zählt zu den erfolgreichsten und renommiertesten Handballvereinen der Welt und setzt sich nach eigener Aussage für den Meeresschutz ein. Gerade deshalb hält die Gesellschaft zur Rettung der Delfine e.V. (GRD) die geplante Teilnahme des deutschen Rekordmeisters an einem Vorbereitungsturnier auf den Färöer-Inseln im August für ein falsches Signal. Die Inselgruppe steht seit Jahrzehnten aufgrundder alljährlichen Tötungen von hunderten Delfinen international in der Kritik. Die GRD fordert den THW Kiel daher auf, sich seiner Vorbildfunktion bewusst zu sein,
die Teilnahme am „Wenzel Nordic Cup“ zu überdenken und nicht ungewollt zur Image-Profilierung der Färöer-Inseln beizutragen.

weiterlesen

Pipi-Alarm: Amazonas-Delfine senden Botschaften per Urinstrahl

Der Boto, auch als Amazonas-Flussdelfin bekannt, zählt zu den außergewöhnlichsten Delfinarten der Welt, was er unlängst einmal mehr unter Beweis gestellt hat: Forschende beobachteten mehrfach, wie männliche Tiere gezielt Urin in die Luft spritzen. Das ungewöhnliche Verhalten tritt offenbar regelmäßig auf und könnte Teil ihrer sozialen Kommunikation sein. Möglicherweise übermitteln die Delfine ihren Artgenossen auf diese Weise Informationen über ihre Identität, ihren Gesundheitszustand oder ihren sozialen Status.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!