Delfinarium in Mexiko

TUI und andere Reiseveranstalter verkaufen Reisen in Hotels mit Delfinarien

„Morgens gegen 5.30 Uhr wurden wir durch ein lautes, jämmerliches Pfeifen geweckt. Als ich auf dem Balkon stand, sah ich […] Delfine, die sich auf den flacheren Beckenrand Kopf an Kopf gelegt hatten und schrien. Ich dachte, ich sehe nicht recht, und meine Begleiterin fing sofort an zu weinen, als sie diese armen Tiere sah. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, wären wir auf der Stelle abgereist.“

Gefängnis für Delfine

Delfinarien sind nichts anderes als Gefängnisse, in denen die sensiblen und intelligenten Tiere eingesperrt werden. Der Reiseveranstalter TUI wirbt auf der Website für Orca-Shows und verkauft Reisen in Hotels mit eigenem Delfinarium. Dabei behauptet TUI, dass ihm das Wohlergehen von Tieren wichtig ist, berichtet über die Zusammenarbeit mit der ABTA (Global Welfare Guidance for Animals in Tourism) sowie der gemeinsamen Einführung der ersten „Globalen Tierschutz-Leitlinien für die Tourismusbranche“. Außerdem wird auf der Website darüber aufgeklärt, dass TUI aktuelle Forschungsergebnisse in ihre Arbeit miteinbezieht.

Verlogene Scheinheiligkeit: Nachhaltiger Tourismus vs. hoteleigenes Delfinarium

Dass der Reiseveranstalter Reisen zum Grad Bahia Principe Tulum Resort in Mexiko verkauft ist heuchlerisch. Das Hotel schreibt auf der Website :

 „Genießen Sie eine interessante Erfahrung, wenn Sie die spannende Welt der Delfine ganz aus der Nähe und persönlich erleben. Das Delfinarium ist exklusiv Gästen des Resorts Bahia Principe Riviera Maya vorbehalten. Wir bieten Ihnen jeden Tag eine Show mit den Delfinen. Schauen Sie Ihnen zu, wie sie hoch aus dem Pool springen und alle möglichen Kunststücke vollführen – alles kostenlos”

Besucher können mit den Delfinen schwimmen und das Hotel wirbt auf der Homepage damit, dass man sich sogar einen Kuss abholen kann. Sie müssen Besucher durch den Pool ziehen und werden gestreichelt. Die Tiere müssen von früh bis spät auf Knopfdruck verfügbar sein und sie haben keine Chance, sich vom Stress und Lärm zu erholen. Noch dazu bietet der Pool nicht einmal Schatten. Das Hotel beutet die Delfine aus und ihr Leben in Gefangenschaft ist eine einzige, unbeschreibliche Qual.

Eingesperrt im Pool © Susanne Pütz

Gefangen im Pool - obwohl das Meer nur wenige Meter entfernt ist

Die fünf bis acht Großen Tümmler  im Grand Bahia Principe Tulum leben in einem winzigen, ungeschützten Pool. Delfine schwimmen in freier Wildbahn bis zu 150 Kilometer pro Tag und tauchen bis zu 600 Meter tief. Doch in diesem Hotel sind sie in einem winzigen – geschätzt 20 Meter langen und 4 Meter tiefen – Pool eingesperrt, obwohl ihr artgerechtes Zuhause – das Meer – nur wenige Meter entfernt liegt.

Dass das Delfinarium eine Qual für die Delfine ist, ist vielen Besuchern bewusst. Jedoch wissen viele bei der Buchung nicht, dass das Resort ein Delfinarium unterhält, weil es auf den Websites der Reiseveranstalter totgeschwiegen wird.

 

Entsetzte Urlauber

Viele Urlauber wollen keine Delfingefängisse unterstützen. Bei der Ankunft sind sie außer sich, wenn sie die Delfine in dem Pool entdecken. In der TUI Hotelbeschreibung werden alle Angebote des Resorts aufgeführt: von sportlichen Aktivitäten wie Stand-up Paddling bis zu Essen in À-la-carte-Restaurants. Nur das Delfingefängnis sucht man ergebnislos.

TUI verweist bei Fragen zum Delfinarium auf die Website des Hotels, weil dazu „keine Informationen vorliegen”. Der Reiseveranstalter bietet also Reisen in ein Hotel an, ohne zu wissen dass es ein Delfinarium betreibt?

Geboren in Gefangenschaft

Das Hotel rechtfertigt die Tierquälerei damit, dass die Delfine in Gefangenschaft geboren wurden und somit niemals das offene Meer erlebt haben. Bei negativen Rezessionen machen Mitarbeiter des Hotels auf das regelmäßige Wechseln des Poolwassers und die Überwachung durch professionelle Biologen aufmerksam. Doch dies macht das Einsperren von Delfinen auf keinen Fall vertretbar!  

Erbärmlicher Anblick

Eine Besucherin des Hotels, welche im April für zwei Wochen in das Hotel reiste, schreibt:

„Auch die Delfine im kleinen Pool, ein erbärmlicher Anblick. “

Ein anderer Urlauber berichtet:

“Dort sind 2 kleine Minibecken in welchen ca. 12 Delfine (soviele habe ich glaub ich zählen können) vor sich hinvegetieren müssen. Auch wenn dort überall steht, dass sich das Hotel für den Artenschutz einsetzt, mag das für die anderen Tiere in der Anlage stimmen, aber das ist und bleibt eine Tierquälerei, weil Touris Geld dafür bezahlen um mit den Delfinen zu schwimmen. Bitte denkt da nicht immer an euch, sondern vor allem an die Tiere!“

 

Werbung fürs Schwimmen mit Delfinen. © Susanne Pütz

GRD-Botschaftlerin berichtet

Die GRD-Delfinbotschafterin Susanne Pütz (Künstlername Suzanne M.) reiste in dieses Hotel, ohne zu wissen, dass es ein Delfinarium betreibt. Sie musste die traurigen Delfine beobachten und hörte jeden Tag ihr jammerndes Pfeifen.

Dieses Horrorszenario brachte sie dazu, für die Delfine zu kämpfen und das Hotel beim Bund für Naturschutz zu melden. Ihr Handeln brachte, wenn auch nur kurzzeitige, Ergebnisse: TUI entfernte das Hotel aus der Website, doch einige Zeit später bot der Reiseveranstalter erneut Urlaub in diesem Resort an. Sie berichtete, dass Spenden für Umwelt- und Tierschutz gesammelt werden. Bei einem Gespräch mit einem Angestellten fand sie heraus, dass diese wohl stattdessen zum Delfinfang genutzt werden,  “da die Armen in den Becken nicht alt werden und sie ja immer Nachschub brauchen”.

Das Hotel betreibt Greenwashing, wie es im Buche steht: Werbung für den Naturschutz, Aktionen vor Ort und Sammeln von Spenden, um umweltfreundlich zu erscheinen. Dass Delfine in einem Pool eingesperrt werden, beißt sich mit dem Versuch, die Natur zu schützen.

Susanne Pütz konnte außerdem beobachten, dass die Flipper der Meeressäuger angeblich durch das tägliche Zerren beim Schwimmen mit Delfinen angerissen waren. Die Tierliebhaberin ist zurecht entsetzt, traurig und wütend. 

ABTA-Richtlinien werden nicht eingehalten

Die ABTA Richtlinien werden  in Hotel Grand Bahia Principe Tulum Resort in Mexiko gebrochen:

  1. Tiere sollen sich frei bewegen können und die Möglichkeit haben, genügend Abstand zu anderen Tieren halten zu können – in einem 20 Meter langen Pool mit 5 Delfinen ist dies unmöglich. Die Tiere können sich hier weder frei bewegen noch genügend Abstand zu den anderen Tieren halten.
  2. Tiere sollten die Möglichkeit haben, Schutz vor extremen Wetterbedingungen zu suchen – in einem Pool, auf den die brühend heiße Sonne scheint, können die sensiblen Tiere keinerlei Schatten finden. Es gibt keinen Ort in dem winzigen Pool, den die Tiere zum entspannen nutzen können oder Zuflucht vor den lauten Geräuschen, den Menschen und der prallen Sonne finden können.

 

Reisen in ein Hotel zu verkaufen, welches Delfinshows anbietet und auf der Website mit nachhaltigem Tourismus zu werben – das ist falsch und nicht vertretbar. Das Engagement hört bei TUI dort auf, wo die Geldeinnahmen beginnen.

 © Susanne Pütz

TUI nicht alleine in diesem Geschäft

Auch das DER Deutsches Reisebüro setzt sich angeblich für tierfreundlichen Tourismus ein.  Dabei steht in der Tierschutzrichtlinie der DER Touristik, dass zu den Minimalanforderungen des britischen Gremium Farm Animal Welfare die Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensmuster und die Freiheit von Angst und Stress gehören. Trotzdem bietet der Reiseveranstalter Urlaub im Grand Bahia Principe Tulum Resort an. Damit verstoßt das Hotel klar gegen diese Richtlinien, denn das Ausführen von Kunststücke und Shows auf Knopfdruck zählt in keiner Weise zu den normalen Verhaltensmustern von Delfinen. Außerdem sind sie ständigem Stress durch den hohen Lautstärkepegel, die fehlenden Schattenplätze und nichtexistierender Rückzugsmöglichkeiten ausgesetzt.

Ihre Stimme zählt

Um eine Befreiung der Delfine zu schaffen, muss sich jeder einzelne für die Stimmlosen erheben.

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