Dich kenne ich – Delfine geben sich Namen
Ein Leben lang: der eigene Name
Delfine geben sich Namen: Der Große Tümmler ist, abgesehen von menschlichen Säugetieren, das einzige Lebewesen, von dem man sicher weiß, dass es sich selbst einen Namen gibt und andere Mitglieder seiner Sozialgemeinschaft mit deren Namen „anspricht“. Wahrscheinlich verfügen auch andere – vielleicht alle – Delfinarten über diese Fähigkeit. Wissenschaftler sind sich zudem sicher, dass sich zwei Delfine über einen dritten Artgenossen verständigen können, indem sie dessen Namen nutzen. Auch in Delfingesellschaften redet man halt gern übereinander.
Besondere Sprachbegabungen und stimmliches Lernen
Besonders sprachbegabte Individuen belassen es dabei nicht. Delfine gehören zu den wenigen Säugetieren, die in der Lage sind, gehörte Geräusche zu imitieren, über die Fähigkeit zum “stimmlichen Lernen” verfügen. Sie nutzen sie, um den individuellen Signaturpfiff (den Namen) anderer Individuen nachzuahmen und täuschen so deren Identität vor.
Allerdings weichen die beim akustischen Identitätsdiebstahl nachgeahmten Pfiffe immer leicht vom kopierten Original ab. Der Trick – wenn es denn einer ist – dürfte somit nicht wirklich gut funktionieren und wird auch nur selten angewandt. Und wozu dient das Ganze? Forscher stehen weitgehend ratlos vor dieser verblüffenden Fähigkeit. Man geht davon aus, dass es sich hier weniger um Arglist, denn eher um eine uns noch nicht verständliche Form der akustischen Interaktion zur Stärkung sozialer Bindungen handelt.
Man redet gern auch übereinander in einer Delfingesellschaft. © Ulrike Kirsch
Orcas haben eigene Dialekte
Orcas, bei denen jede Familiengruppe über einen eigenen Dialekt, eine angeeignete Sprachweise hat, können sogar „Fremdsprachen“ lernen. Gefangene Individuen, die über längere Zeit mit Großen Tümmlern zusammenlebten, begannen „Delfinisch“ zu sprechen. Ein anderer bellte wie ein Seelöwe, nachdem er von seinem Clan ausgestoßen wurde und bei Seelöwen lebte.
Orcas können sogar “Fremdsprachen” lernen. © Jessica Baum
Mit Menschen sprechen?
Delfinforscherin Denise Herzing, die das Wild Dolphin Project auf den Bahamas leitet, und seit über 25 Jahren über die Kommunikation von Zügeldelfinen (Stenella frontalis) forscht, ist sich sicher, dass wir eines Tages auch mit Delfinen sprechen können, bzw. sie mit uns.
Dazu setzt Herzing ein gemeinsam mit Dr. Thad Starner von der Georgia-Tech.-Universität entwickeltes High-Tech-Gerät namens CHAT (Cetacean Hearing and Telemetry) ein.
Mensch und Delfin: Beste Freunde mit Körpersprache und Emotionen
Artübergreifende Freundschaften und Verständigung zwischen Delfinen und Menschen kommen allerdings ganz ohne High-Tech aus und funktionieren (noch) wesentlich besser.
Bestes Beispiel hierfür ist die wundervolle Freundschaft zwischen dem amerikanischen Biologen Dean Bernal und dem großen Tümmler “Jojo”, der bei den Turks- und Caicosinseln lebt. „Ich habe ihn beobachtet, er hat mich beobachtet, es ist eine Art Kommunikation“, erzählt Dean Bernal, vergleichbar mit der Art und Weise, wie die Indianer Wildpferde zähmen.
Der Name „JoJo“ stammt von den Lakota Indianern und bezeichnet die Verständigung mittels Pfeiftönen. Delfine geben sich Namen mit ihrem Pfiff.
Foto oben: © Olivier Notz
Dean Bernal und sein Freund “Jojo” bei der gemeinsamen Suche nach etwas Spannendem am Meeresboden. © Michael Friedel
“Sowie ein Delfin auf den menschlichen Geist trifft, wird eine tiefe, nachklingende Saite angeschlagen.”
Wade Doak, Delfinexperte
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