Geschlechtserkennung bei Großen Tümmlern
Verräterische Rückenfinnen: Viele Narben, große Finne - das muss ein Männchen sein!
Um den Zustand einer bedrohten Population und das für ihr Überleben mitentscheidende Fortpflanzungspotenzial beurteilen zu können, ist es wichtig, das Verhältnis von Männchen zu vermehrungsfähigen Weibchen zu kennen. Doch das ist bei Delfinen ein sehr schwieriges Unterfangen. Für die Geschlechtsbestimmung einzelner Tiere bedarf es genauer Beobachtungsgabe und Glück. Doch zwei Meeresbiologen von der Universität von Otago in Dunedin aus Neuseeland gelang es 2008 eine Methode zu entwickeln, mit der eine relativ sichere und schnelle Geschlechtsbestimmung möglich ist. Bei Großen Tümmlern erreichten sie eine sehr gute 93-prozentige Trefferquote.
Männchen haben mehr Narben und Wunden
Mittels einer zur Größenbestimmung der Delfin-Rückenfinne um zwei Laser aufgerüsteten Digitalkamera fotografierten die Wissenschaftler 43 Große Tümmler im Doubtful Sound vor der Südinsel Neuseelands. Die so entstandenen Fotos wurden dann mit im Rahmen der routinemäßig bereits durchgeführten Fotoidentifikation gemachten Bildern von Delfinen, deren Geschlecht bekannt war, verglichen.
Es zeigte sich, dass männliche Tümmler signifikant mehr Narben und weniger fleckenartige Wunden als Weibchen aufweisen. Und: Die Rückenfinne der Männchen war signifikant größer, als die der Weibchen! Ein weiteres gutes Indiz zur Geschlechtsbestimmung ist die Gruppenzusammensetzung, so sind Jungtiere meist mit ihren Müttern oder sie beaufsichtigenden Tanten zusammen, während Männchen gerne reine Männerclubs bilden.
Anhand der Narben, Markierungen und Flecken der Rückenfinne – die einzigartig wie ein Fingerabdruck ist – kann man Delfine zudem zuverlässig individuell identifizieren und immer wieder erkennen. Wie bei den GRD-Patendelfinen, aus Kroatien, Mosambik, Peru und Südafrika, die regelmäßig – oft über viele Jahre – von unseren Partnern vor Ort beobachtet werden. Diese Tiere, so kann man sagen, sind uns “namentlich” bekannt.
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