Hawaii: Neue Morbillivirus-Variante bereitet Delfin-Forschern große Sorge
Neuartiges Virus bei Hawaii-Delfinen entdeckt
Bei einem Fraser-Delfin, der 2018 auf Maui tot aufgefunden wurde, ist eine neue Variante des Morbillivirus nachgewiesen worden. Wissenschaftler befürchten einen Ausbruch. Die Verbreitung des Virus könnte nicht nur die Delfine vor Hawaii, sondern auch andere Meeressäuger gefährden.
Rund 200 Guyana-Delfine starben Ende 2017 innerhalb von nur zwei Monaten vor der Küste von Rio de Janeiro. Lange Zeit rätselten Wissenschaftler und Delfin-Forscher über die Gründe des Massensterbens, bis das infektiöse Morbillivirus als Ursache nachgewiesen wurde. Das Virus gehört zu einer Familie mit vielen hochansteckenden Erregern – etwa das menschliche Mumps- und das Masernvirus oder den Staupe-Erregern bei Hunden. Jetzt ist es in neuer Form aufgetaucht.
Ein Morbillivirus, „von dem wir bis dato nicht wussten“
An der Universität von Hawaii haben Wissenschaftler aktuell einen bis dato unbekannten Stamm des Morbillivirus entdeckt, der tödliche Infektionen verursachen und eine weltweite Gefahr für die Meeressäuger darstellen könnte. Ausgangspunkt war der Totfund eines Fraser-Delfin (Lagenodelphis Hosei) vor Maui im Jahr 2018. Kristi West, Forscherin am Institut für Meeresbiologie, erklärte zum aktuellen Stand der Forschungen, dass es sich um einen Morbillivirus-Stamm handele, von dem man bis dato nichts wusste.
Fraser-Delfine kommen in Offshore-Gewässern vor allen Hauptinseln von Hawaii vor, werden jedoch sehr selten auf hoher See gesichtet. „Wir wissen nicht, wo sich der untersuchte Delfin mit dem neuartigen Morbillivirus infiziert haben könnte“, erklärte die Forscherin, die ihre Ergebnisse der Delfin-Autopsie im August via „Nature Scientific Reports“ veröffentlicht hat.
Fraser-Delfine kommen in Offshore-Gewässern vor allen Hauptinseln von Hawaii vor, werden jedoch sehr selten auf hoher See gesichtet. (Foto: Unsplash / Madhukar Kumar)
Interaktionen erhöhen die Virus-Gefahr für Delfine
Dem Bericht zufolge wurde bei dem gestrandeten, männlichen Fraser-Delfin ein morbillivirales Antigen in Großhirn, Kleinhirn, Milz, Lunge, Niere und Lymphknoten nachgewiesen. Nach Aussage von Kristi West sei es möglich, dass der gestrandete Delfin ansteckend war und das Virus auf andere Walarten der Insel übertragen haben könnte.
Grund hierfür ist das äußerst soziale Verhalten der Meeressäuger: „Es wird angenommen, dass sich das Cetacean-Morbillivirus über die Luft überträgt und sich damit leicht unter hochsozialen Delfinen und Walen ausbreiten kann“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Auch die vom Aussterben bedrohten Hawaii-Orcas, von denen schätzungsweise nur noch 160 leben, könnten gefährdet sein. Kristi West: „Wenn sich das Morbillivirus in dieser Population ausbreiten sollte, stellt dies nicht nur eine große Hürde für die Erholung der Population dar, sondern könnte auch das Aussterben der Orcas nach sich ziehen.“
Was über das Morbillivirus bekannt ist
Es gibt sechs Stämme des Cetacean-Morbillivirus (CeMV), die in zwei Linien zusammengefasst werden: CeMV-1 und CeMV-2. Häufige Symptome sind Lungenentzündung und Gehirninfektionen mit möglichen Läsionen in Lunge, Mund und Haut. Bei infizierten Meeressäugern besteht die Gefahr, dass sich das Virus auf den gesamten Körper ausbreitet. Dies kann eine Unterdrückung der körpereigenen Abwehrsysteme verursachen, die in einigen Fällen zum Tod führt. „Leider gibt es keine bekannte Heilung, sobald ein Meeressäuger mit dem Morbillivirus infiziert ist“, schließt Kristi West.
Foto oben: ©Cindy Kern / Nature Scientific Reports
Weitere Artikel
Sechs Jahre Isar Clean-Up: Warum uns die Arbeit noch immer nicht ausgeht
Die beste Nachricht wäre gewesen, wenn wir am Isarufer nach sechs Jahren nichts mehr zu sammeln gehabt hätten. Doch auch beim diesjährigen Clean-Up zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke füllten sich die Säcke wieder schneller als uns lieb war. Mehr als 50 Kilogramm Müll holten unsere freiwilligen Helfer:innen aus dem Uferbereich, darunter Plastik, Glas, Kronkorken und unzählige Zigarettenstummel. Das zeigt: Der Einsatz gegen Müll in der Natur ist auch nach sechs Jahren alles andere als überflüssig.
weiterlesenBeifang: Der dokumentierte Todeskampf eines Schweinswals
Eine neue Studie dokumentiert erstmals den Todeskampf eines Schweinswals, bevor er als Beifang in einem Fischernetz verendet. Die Erkenntnisse verdeutlichen einmal mehr, warum der Schutz der kleinen Wale in Nord- und Ostsee so schwierig ist und warum wirksamer Meeresschutz mehr sein muss als auf dem Papier festgelegte Schutzgebiete.
weiterlesenGefahr für die Delfinhaut: Wenn das Meer zu süß wird
Starkregen, Überschwemmungen und veränderte Küstenlandschaften können den Salzgehalt in Flussmündungen und Küstengewässern plötzlich sinken lassen. Für dort lebende Große Tümmler (Tursiops spp.) kann das schwerwiegende Folgen haben: Die sogenannte Süßwasser-Hautkrankheit verursacht sichtbare Hautveränderungen, Schmerzen und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Ein 2026 veröffentlichtes Protokoll soll Forschenden nun helfen, typische Anzeichen anhand von Fotos einheitlich zu erkennen und zu dokumentieren.
weiterlesen
