Indien erkennt Delfine als nicht-menschliche Personen an

by | 28. Juli 2013 | News - Delfine

Rechte und Lebensbedürfnisse von Delfinen müssen respektiert werden

Nachdem im August 2012 die Bewohner der japanischen Insel Toshima den weltweit bis dahin einmaligen Schritt wagten, die in den Gewässern um die kleine Insel lebenden Delfine zu Mitbürgern zu erklären und sie damit als nicht-menschliche Personen anzuerkennen, ist jetzt ein ganzes Land diesem Schritt gefolgt: In Indien wurden Delfine offiziell als nicht-menschliche Personen anerkannt, deren Rechte und Lebensbedürfnisse respektiert werden müssen.

Ein weiteres wegweisendes Beispiel für die Anerkennung von Delfinrechten

Als direkte Folge dieser für den Delfinschutz bahnbrechenden Entscheidung werden sämtliche Bauvorhaben für Delfinarien in Indien abgebrochen und eingestellt. Das indische Ministerium für Umwelt und Forsten wies die Verwaltungen der Bundesstaaten an, Delfinarien und andere kommerzielle Unterhaltungsshows, für die Meeressäugerarten wie Große Tümmler oder Orcas gefangen werden, um sie anschließend in Gefangenschaft zu halten, zu verbieten.

Das Ministerium erklärte, es gäbe ausreichend viele wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Meeressäuger hoch intelligente und emphatische Lebewesen seien und sie als nicht-menschliche Personen anerkannt werden müssen. Die Entscheidung fiel nach wochenlangen Protesten im Bundesstaat Kerala gegen den Bau mehrerer Delfinarien.

Die GRD freut sich sehr über diese klare Entscheidung der indischen Regierung und hofft, dass dieses weitere Beispiel für die Anerkennung der Delfine als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten andere Staaten zur Nachahmung animieren wird. „Die Entscheidung eröffnet eine völlig neue Diskussionsgrundlage für ethische Tierschutzfragen in Indien“, erklärt Putja Mitra von der Vereinigung der indischen Tierschutzorganisationen (FIAPO, Federation of Indian Animal Protection Organisations). Für Ric O’Barry, den früheren Flipper-Trainer, der jetzt das Dolphin Project unserer amerikansichen Partnerorganisation Earth Island Institut leitet, ist dies ein gewaltiger Sieg für die Delfine“.

Delfinarien: Lizenz zum Gelddrucken

Der wachsende Wohlstand von Teilen der indischen Bevölkerung führt zu einer stärkeren Nachfrage nach Vergnügungsangeboten. So gab es Pläne zum Bau neuer Delfinarien in Delhi, Kochi und Mumbai. Die GRD hatte im Februar 2012 gemeinsam mit indischen und internationalen Tierschutzorganisationen erfolgreich gegen den Bau eines Delfinariums in Sindhudurg an der Küste des Arabischen Meeres protestiert. Dort sollte ein gigantisches Sea World mit Aquarium, Delfinarium plus Anlage zum Trainieren der Delfine, Theater, Themenrestaurants und Ferienhäusern entstehen.

„Es gibt keine bessere Möglichkeit auf schnellem Wege viel Geld zu verdienen, als trainierte Delfine in Vergnügungsparks zu präsentieren“, sagt Belinda Wright von der Wildlife Protection Society of India. „Nur den wenigsten Besucher ist bewusst, in welchem Ausmaß die Tiere unter den Bedingungen der Gefangenschaftshaltung leiden“.

Zwei Große Tümmler in einem kleinem Delfinariumsbecken in der Türkei. Foto: A.Steffen

Wir kämpfen für eine eigene Delfin-Ethik und die Anerkennung der Delfine als nicht-menschliche Personen

Wenn man alle bislang bekannten Eigenschaften dieser faszinierenden Meereslebewesen überdenkt, dann drängt sich zwangsläufig der Schluss auf, dass man es hier mit eigenständigen, nicht-menschlichen Personen zu tun hat, die dasselbe (gesetzlich verbriefte) Recht auf Leben, Freiheit und Gesundheit wie Menschen haben sollten. Es verbietet sich eigentlich von selbst, diese Tiere für Shows oder das angeblich „therapeutische Schwimmen“ in Gefangenschaft zu halten und solche Angebote als Kunde zu wahrzunehmen, sie zu Tausenden als Beifangopfer auf dem Alter der Profitmaximierung der industriellen Fischerei zu opfern oder sie als Nahrungsquelle zu nutzen.

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