Phänomen weißer Orca: Wenn Albino-Wale auftauchen…
Weißer Orca im Doppelpack: Erstmals wurden im Norden Japans zwei der seltenen Exemplare gleichzeitig gesichtet
Eine Gruppe von japanischen Walbeobachtern kam jüngst in den Genuss eines extrem seltenen Ereignisses: An ihnen schwammen nicht nur ein, sondern gleich zwei weiße Orcas vorbei. Die Wahrscheinlichkeit, ein solches Orca-Paar in freier Wildbahn zu entdecken, gleicht einem größeren Lottogewinn. Doch wie kommt es zur weißen Färbung der Meeressäuger und wie wird das Leben der weißen Orcas hiervon beeinflusst?
Den 24. Juli dürfte die Gruppe von Whale Watchern so schnell nicht vergessen: Ihr Boot befand sich vor der Küste der nördlichsten japanischen Hauptinsel, Hokkaido, als die beiden weißen Orcas gemeinsam mit ihren schwarz-weißen Verwandten im Familienverband durch das Meer schwammen.
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Die beiden weißen Orcas schwimmen im Familienverbund.
Gegenüber der Zeitung „Daily-Mail“ erklärten die Organisatoren, dass ihnen ein Orca mit weißer Färbung bereits seit zwei Jahren bekannt ist, der andere wurde im Juli hingegen zum allerersten Mal gesichtet. „Es war der beste Tag aller Zeiten. Dies ist das erste Mal, dass zwei weiße Orcas vor der Küste Japans gesichtet wurden“, erklärte eine Mitarbeiterin des Anbieters „Gojiraiwa-Kanko Whale-Watching” gegenüber der Zeitung.
Was wir über den weißen Orca wissen
Der Enthusiasmus der Walbeobachter, deren Bilder sich blitzartig über die ganze Welt verteilten, ist absolut nachvollziehbar. Weiße Orcas gelten noch immer als Phänomen und sind nur in Teilen erforscht. So ist es nach wie vor unklar, wie viele Vertreter dieser Spezies in den Weltmeeren überhaupt existieren. Zu den wenigen Schätzungen gehört, dass im Nord-Pazifik etwa einer von 1000 Orcas weiß gefärbt ist. Zudem wollen Wal-Forscher herausgefunden haben, dass bestimmte Populationen über mehr weiße Artgenossen verfügen als andere.
Die Färbung der weißen Orcas kann entweder auf Albinismus oder Leuzismus zurückzuführen sein. Letzteres ist eine zufällige genetische Mutation bei Tieren, die dazu führt, dass – beispielsweise bei Katzen – das Fell weiß und die darunterliegende Haut rosa erscheint, da die Haut keine farbstoffbildende Zellen (Melanozyten) enthält. Im Gegensatz dazu sind beim Albinismus die Zellen zwar vorhanden, aber unfähig den Farbstoff Melanin zu bilden. (Lesetipp: Kein Happy End für Baby-Orca Toa in Neuseeland)
Weiße Orcas könnten ein Indiz für Inzucht bei Schwertwalen sein
Rückblick: Eine der raren Sichtungen eines weißen Orcas wurde 2010 vor der Küste von Kamtschatka (Russland) gemeldet. Der Bulle wurde auf den Namen „Eisberg“ getauft und vier Jahre später erneut gesehen – in einem größeren Familienverbund. In den darauffolgenden Jahren wurden zur Überraschung der Forscher in dieser Region zwischen fünf und acht weitere weiße Orcas gesichtet. Die Experten waren allerdings darüber besorgt, dass dieser Umstand auf einen hohen Grad an Inzucht zurückzuführen sein könnte. Ähnliche Ursachen für Albinismus sind von anderen Tieren bekannt – und für kleinere Populationen kann Inzucht eine beträchtliche Gefahr darstellen. Der Grund hierfür liegt in der sehr ähnlichen genetischen Ausstattung und des somit sehr ähnlich reagierenden Immunsystems. Ein Krankheitserreger, der die Abwehrkräfte überfordert, würde alle Tiere gleichermaßen betreffen – größere Populationen mit unterschiedlicheren Genen haben bessere Chancen, zu überleben.
Erster weißer Orca in Gefangenschaft
So faszinierend der Anblick der weißen Schwertwale für Menschen ist – für die Orcas selbst ist diese Besonderheit eher von Nachteil. Nicht nur Inzucht ist ein Problem, hinzu kommt auch eine schlechtere Tarnung bei der Jagd. Auch muss eine höhere Gefahr der Orcas gegenüber äußeren Bedrohungen angeführt werden, schließlich hat der Mensch die außergewöhnlichen Tiere früh als Attraktion in Tierparks ausgemacht. So ging „Chimo“ 1970 in Kanada als erster in Gefangenschaft lebender Albino-Orca in die Geschichte ein.
Weniger Gedanken muss man sich hingegen um die gut sichtbaren, kratzartigen Markierungen auf dem Körper der beiden Orcas machen. Diese Markierungen werden durch die Zähne anderer Schwertwale verursacht, wahrscheinlich beim Spielen der Tiere untereinander. Auch schwarze Orcas haben Spuren, diese sind aber kaum sichtbar. (Lesetipp: Freiwillige Helfer retten gestrandeten Orca)
Foto: Screenshot von Youtube / Patryn World Latest New
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