Umweltgifte machen Orcas unfruchtbar

by | 15. Oktober 2018 | News - Delfine

Umweltgifte belasten marine Lebensräume

Anders, als es Namen wie „Schwertwal“ oder „Killerwal“ vermuten lassen, gehören Orcas zu den Delfinen (Delphinidae). Sie zählen zu den meist verbreiteten Wal- und Delfinarten weltweit. In der freien Wildbahn haben sie keine natürlichen Feinde. Der größte Feind für sie ist und bleibt der Mensch und das, was er mit ihrem Lebensraum anrichtet. Seit vielen Jahren schwinden viele Orca-Populationen – wie beispielsweise die der Southern Residents. Eines der wesentlichen Gründe: Aufgrund der Überfischung der Meere müssen die Meeressäuger immer mehr Kraft und Energie aufwenden, um überhaupt noch Nahrung zu finden. Eines der tatsächlich größten Probleme ist jedoch die Belastung des Lebensraumes: Umweltgifte machen Orcas unfruchtbar.

Die Ernährung der Orcas

Aus wissenschaftlicher Sicht unterteilt man die Orcas in drei verschiedene Kategorien. Forney & Wade (Worldwide Distribution and Abundance of Killer Whales, 2007) definieren zunächst die „Mammal-eaters“. Diese Orcas ernähren sich vor allem von Robben oder anderen kleineren Delfinen. Darüber hinaus gibt es die „Oceanic and Neritic Killer Whales“, welche vor allem an der amerikanischen Westküste leben und die weit weniger abhängig von den Küstenregionen sind als ihre Artgenossen. Die letzte Gruppierung umfasst die „Coastal-Fish-Eaters“, zu denen beispielsweise auch die Southern Residents zählen. Diese Orcas leben überwiegend in der Nähe der Küste und ernähren sich von Fisch. Nicht selten bezeichnet man die Orcas auch als die „Gesundheitspolizei“ der Meere, da sie sich teils von kranken oder schwachen Tieren ernähren. Gerade das wird den Meeressäugern jedoch zum Verhängnis.

Umweltgifte machen Orcas unfruchtbar

Die Orcas stehen an der Spitze der Nahrungskette und nehmen leider auch Unmengen von Umweltgiften auf. Ganz gleich, ob Plastik, Insektizide (wie beispielsweise Dichlordiphenyltrichlorethan, DDT), Flammschutzmittel oder Chlorverbindungen (Polychlorierte Byphenyle, PCB) – all diese Mittel kommen gelöst im Wasser vor und werden von Lebewesen wie Fischen, Robben oder anderen Delfinen aufgenommen, welche wiederum zur Nahrung der Orcas gehören. Dabei ist insbesondere das Umweltgift PCB als äußerst gefährlich einzustufen. Ob Hitze, Säure oder Wasser – das Gift ist sehr resistent und kann sich somit umso länger in der Nahrungskette aller Lebewesen im Meer anreichern.

Fotocredit: © Stiftung Firmm

Giftstoffe inzwischen verboten

Innerhalb eines Zeitraums zwischen den 1930er bis 1990er Jahren wurden über 1,5 Millionen Tonnen des Umweltgiftes PCB weltweit produziert. In Deutschland ist die Produktion dieser Stoffe für Lacke, Dichtungsmassen oder Kunststoffe zwar seit Ende der 1980er Jahre verboten – und seit 2004 dank der „Stockholmer Konvention“ auch in insgesamt 120 weiteren Staaten. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass sich die Giftstoffe über Jahre in der Natur verbreitet haben.

Unfruchtbarkeit durch PCB

Da die Umweltgifte so langlebig sind, reichern sie sich natürlich in den Tieren an, die sie aufnehmen. Besonders beispielsweise in der Fettschicht der Delfine, dem Blubber. Forscher haben das Fettgewebe von Orcas bereits untersucht und dort Konzentrationen von 1.300 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gefunden. Man muss sich nur überlegen, dass bereits eine Menge von „nur“ 50 Milligramm die Fortpflanzung der Tiere massiv beeinträchtigen kann. Zudem beeinflussen und schädigen diese Stoffe das Immunsystem der Meeressäuger.

Fotocredit: Pixabay

Besonders gefährdete Orcas

Die Orca-Populationen sind weltweit unterschiedlich stark gefährdet. Eines steht jedoch fest: Sie zählen zu den Meeressäugern, die nachweislich am stärksten durch Umweltgifte belastet sind. Insbesondere die Orcas, die in der Nähe von Industriegebieten leben, sind besonders bedroht. Nach Hochrechnungen werden sich die Gifte noch mindestens die kommenden 100 Jahre auf die Populationen dieser Tiere auswirken. Zu diesem Resümee gelangt ein Forscherteam im Fachjournal „Science“ im September 2018. Die am stärksten belasteten Gebiete sind sogar von einem Zusammenbruch ganzer Orca-Populationen innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre bedroht.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: In weniger belasteten Gebieten rechnen Wissenschaftler dafür mit einem Anstieg der Populationen. Nichtsdestotrotz ist dies für andere Orca-Populationen, wie etwa den Southern Residents, kein Trost. Denn sie stehen aufgrund massiver Umwelteinflüsse schon jetzt kurz vor dem Aussterben.

Fotocredit Titel: © Stiftung Firmm

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