Walzählung gestartet: Welche und wie viele Delfine und Wale leben in europäischen Gewässern?
Auf 1,4 Mio. Quadratkilometern werden über sechs Wochen zehntausende Meeressäuger gezählt
In den kommenden Wochen erfassen Forscher die aktuellen Kleinwalbestände in der Nordsee und den angrenzenden europäischen atlantischen Gewässern. Denn: Um Meeressäuger schützen zu können, muss erfasst werden, welche Walarten in welcher Anzahl in welchen Gewässern leben.
Walzählung unabdingbar für den Schutz der Meeressäuger
Unterwasserlärm, Beifang, Meeresverschmutzung, Schifffahrt und der Verlust von Lebensraum sind nur fünf von vielen Gefahren, die Kleinwale in den europäischen Gewässern bedrohen. Für ihren Schutz bilden repräsentative Daten und Schätzungen zur Gesamtpopulation eine wichtige Basis. Nur mit belastbaren Datensätzen können beispielsweise Managementrichtlinien sowie Folgenabschätzungen für Offshore-Industrie, Schifffahrt und Fischerei erhoben werden.
3 Personen pro Flugzeug zählen zehntausende Meeressäuger
Aus diesem Grund fliegen derzeit acht Teams ein Forschungsgebiet von 1,4 Millionen Quadratkilometern ab. Es reicht vom südlichen Norwegen bis zur Straße von Gibraltar und erstreckt sich bis zu den Gewässern westlich von Schottland. Eingesetzt werden speziell für Meeresbeobachtungen geeignete Leichtflugzeuge, die lediglich in einer Höhe von 183 Metern und einer Geschwindigkeit von 185 Kilometern pro Stunde fliegen.
In jedem Flugzeug befindet sich ein Team von drei Forschenden: Die beiden sogenannten Observer erledigen die eigentliche Beobachtungsaufgabe. Dafür sind die Flugzeuge mit runden, konvexen Fenstern ausgestattet, die ihnen einen freien Blick auf das Meer unter dem Flugzeug ermöglichen. Die dritte Person erfasst alle von den Beobachtenden übermittelten Daten mit einer Datenerfassungssoftware.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen
Das Forschungsgebiet wurde von der TiHo Hannover exakt eingeteilt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen
Die vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover koordinierte Bestandserfassung ist die vierte ihrer Art seit 1994. Erste Schätzungen und Ergebnisse der sechswöchigen Aktion werden im kommenden Jahr bekanntgegeben. Die bisherigen drei Erfassungen ergaben, dass in dem untersuchten Gebiet etwa 1,5 Millionen Meeressäuger leben. Mit Abstand am häufigsten tummelt sich der Schweinswal im europäischen Atlantik: Fast eine halbe Million dieser eng mit den Delfinen verwandten Wale leben hier. (Lesetipp: Meeresschutz in der Ostsee: Der Schweinswal kann leicht aufatmen)
Foto oben: Für die Zählung blickt einer der Observer aus dem Bubble-Fenster des Leichtflugzeugs. (Credit: Nino Pierantonio)
Weitere Artikel
Pipi-Alarm: Amazonas-Delfine senden Botschaften per Urinstrahl
Der Boto, auch als Amazonas-Flussdelfin bekannt, zählt zu den außergewöhnlichsten Delfinarten der Welt, was er unlängst einmal mehr unter Beweis gestellt hat: Forschende beobachteten mehrfach, wie männliche Tiere gezielt Urin in die Luft spritzen. Das ungewöhnliche Verhalten tritt offenbar regelmäßig auf und könnte Teil ihrer sozialen Kommunikation sein. Möglicherweise übermitteln die Delfine ihren Artgenossen auf diese Weise Informationen über ihre Identität, ihren Gesundheitszustand oder ihren sozialen Status.
weiterlesenSchwarzes Meer: Lösen Kriegsschiffe das Delfinsterben aus?
Überproportional viele Delfine sind seit Kriegsbeginn an der Schwarzmeerküste gestrandet. Auch bei den Schweinswalen ist die Zahl der Totfunde deutlich gestiegen. Besteht ein Zusammenhang mit den militärischen Aktivitäten von Kriegsschiffen vor der Küste der Ukraine und dem Delfinsterben?
weiterlesenUpdate zum Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln
Das Abschlachten von 1428 Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln hat 2021 weltweit große Empörung hervorgerufen. Wie reagieren die Färinger auf die Kritik? Gibt es ein Umdenken seitens der Politik? Und welche Aktionen wurden hierzulande gestartet, um gegen Grinds zu protestieren? Auf dieser Seite, die regelmäßig aktualisiert wird, geben wir einen Überblick.
weiterlesen
