Forderung an Bundesminister: Deutschland muss die Tiefsee-Ökosysteme endlich aktiv schützen
Gebietssperrungen zum Schutz empfindlicher mariner Ökosysteme sind unabdingbar
Der Umsetzung von UN-Verpflichtungen zum Schutz gefährdeter mariner Ökosysteme haben zahlreiche Länder zugestimmt – wie so oft hapert es aber an der Umsetzung. Aktuell bietet sich für die Bundesregierung die Möglichkeit, aktiv beim Entscheidungsprozess über Schlüsselbestimmungen mitzuwirken. In einem gemeinsamen Schreiben haben GRD und andere Organisationen die Bundesminister aufgefordert, den Schutz der Tiefsee-Ökonomie in EU-Gewässern zu gewährleisten.
Fischernetze, die so hoch wie ein dreistöckiges Gebäude und so breit wie ein Fußballfeld sind, schaufeln jeden Tag den Meeresboden auf. In Sekundenschnelle zerstören diese Netze alles, was sich ihnen in den Weg stellt, und töten Delfine, Robben, Korallen, Seepferdchen und Hunderte von anderen Meerestieren. Bis sich Ökosysteme von dieser Tortur erholen, vergehen Jahrzehnte. Insbesondere Seeberge gelten als Hotspots der marinen Artenvielfalt, sind jedoch besonders anfällig für die Zerstörung durch bodenberührende Fischereitechniken und insbesondere durch die Grundschleppnetzfischerei.
Dass die EU weiterhin die Zerstörung dieser Gebiete duldet, zu deren Schutz sie sich verpflichtet hat, ist nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund fordern die GRD und zehn weitere Organisationen von der Bundesregierung die Umsetzung der EU-Tiefsee-Verordnung, insbesondere die Gebietssperrungen zum Schutz empfindlicher mariner Ökosysteme. In einem gemeinsamen Brief (hier zur Ansicht) an Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, und an Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, wurde diese Forderung zum Ausdruck gebracht.
Zerstörungen durch Grundschleppnetz an einem Tiefseeberg. (Foto: CSIRO Marine Research)
Ziel: Erhalt der Artenvielfalt, Widerstandsfähigkeit und Erholung von Ökosystemen
Hintergrund des Schreibens ist, dass eine EU-Tiefseefischereiverordnung aus dem Jahr 2016 bisher nicht umgesetzt wurde, obwohl Gebietssperrungen vor allem für die bodenberührende Fischerei zum Schutz von Tiefseekorallen und anderen Meeresökosystemen seit drei Jahren überfällig sind. In den kommenden Wochen wird die Europäische Kommission sich dieser Thematik erneut annehmen, weshalb GRD, Greenpeace, Sharkproject Germany, WWF, Pro Wildlife und andere Organisationen die BundesministerInnen eindringlich auffordern, einen umfassendsten Schutz der Tiefsee-Ökosysteme in EU-Gewässern zu unterstützen.
Die Unterzeichner bringen ihr Anliegen wie folgt auf den Punkt: „Ein wirksamer Schutz von gefährdeten marinen Ökosystemen ist für den Erhalt der Artenvielfalt, die Widerstandsfähigkeit und die Erholung von Ökosystemen, sowie einen insgesamt guten Umweltzustand der Ozeane unerlässlich.“
Über die Reaktion der BundesministerInnen und die Umsetzung der EU-Tiefseefischereiverordnung werden wir weiter informieren und berichten.
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