Forderung an Bundesminister: Deutschland muss die Tiefsee-Ökosysteme endlich aktiv schützen

von | 20. Januar 2022 | News - Fischerei

Gebietssperrungen zum Schutz empfindlicher mariner Ökosysteme sind unabdingbar

Der Umsetzung von UN-Verpflichtungen zum Schutz gefährdeter mariner Ökosysteme haben zahlreiche Länder zugestimmt – wie so oft hapert es aber an der Umsetzung. Aktuell bietet sich für die Bundesregierung die Möglichkeit, aktiv beim Entscheidungsprozess über Schlüsselbestimmungen mitzuwirken. In einem gemeinsamen Schreiben haben GRD und andere Organisationen die Bundesminister aufgefordert, den Schutz der Tiefsee-Ökonomie in EU-Gewässern zu gewährleisten.

Fischernetze, die so hoch wie ein dreistöckiges Gebäude und so breit wie ein Fußballfeld sind, schaufeln jeden Tag den Meeresboden auf. In Sekundenschnelle zerstören diese Netze alles, was sich ihnen in den Weg stellt, und töten Delfine, Robben, Korallen, Seepferdchen und Hunderte von anderen Meerestieren. Bis sich Ökosysteme von dieser Tortur erholen, vergehen Jahrzehnte. Insbesondere Seeberge gelten als Hotspots der marinen Artenvielfalt, sind jedoch besonders anfällig für die Zerstörung durch bodenberührende Fischereitechniken und insbesondere durch die Grundschleppnetzfischerei. 

Dass die EU weiterhin die Zerstörung dieser Gebiete duldet, zu deren Schutz sie sich verpflichtet hat, ist nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund fordern die GRD und zehn weitere Organisationen von der Bundesregierung die Umsetzung der EU-Tiefsee-Verordnung, insbesondere die Gebietssperrungen zum Schutz empfindlicher mariner Ökosysteme. In einem gemeinsamen Brief (hier zur Ansicht) an Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, und an Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, wurde diese Forderung zum Ausdruck gebracht.

Zerstörungen durch Grundschleppnetz an einem Tiefseeberg. (Foto: CSIRO Marine Research)

Ziel: Erhalt der Artenvielfalt, Widerstandsfähigkeit und Erholung von Ökosystemen

Hintergrund des Schreibens ist, dass eine EU-Tiefseefischereiverordnung aus dem Jahr 2016 bisher nicht umgesetzt wurde, obwohl Gebietssperrungen vor allem für die bodenberührende Fischerei zum Schutz von Tiefseekorallen und anderen Meeresökosystemen seit drei Jahren überfällig sind. In den kommenden Wochen wird die Europäische Kommission sich dieser Thematik erneut annehmen, weshalb GRD, Greenpeace, Sharkproject Germany, WWF, Pro Wildlife und andere Organisationen die BundesministerInnen eindringlich auffordern, einen umfassendsten Schutz der Tiefsee-Ökosysteme in EU-Gewässern zu unterstützen. 

Die Unterzeichner bringen ihr Anliegen wie folgt auf den Punkt: „Ein wirksamer Schutz von gefährdeten marinen Ökosystemen ist für den Erhalt der Artenvielfalt, die Widerstandsfähigkeit und die Erholung von Ökosystemen, sowie einen insgesamt guten Umweltzustand der Ozeane unerlässlich.“ 

Über die Reaktion der BundesministerInnen und die Umsetzung der EU-Tiefseefischereiverordnung werden wir weiter informieren und berichten.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
l

Weitere Artikel

GRD fordert mit Positionspapier entschlossenes politisches Handeln gegen die Plastikflut!

Die Verschmutzung der Meere hat ein dramatisches Ausmaß erreicht: Jährlich gelangen weltweit bis zu 23 Millionen Tonnen Plastik in die Gewässer – mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und damit auch für unsere Lebensgrundlagen. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat dem Bundesumweltministerium ein umfassendes Positionspapier vorgelegt und fordert entschlossene politische Maßnahmen, anstatt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ignorieren und eine Ausweitung der Umweltkatastrophe in Kauf zu nehmen.

weiterlesen

Update zum Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln

Das Abschlachten von 1428 Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln hat 2021 weltweit große Empörung hervorgerufen. Wie reagieren die Färinger auf die Kritik? Gibt es ein Umdenken seitens der Politik? Und welche Aktionen wurden hierzulande gestartet, um gegen Grinds zu protestieren? Auf dieser Seite, die regelmäßig aktualisiert wird, geben wir einen Überblick.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!