Sichtungen und Totfunde 2024: Deutlicher Rückgang von tot aufgefunden Adria-Delfinen

Projektbericht 2024: „Rettung der letzten Adria-Delfine“
Im Jahr 2021 verzeichnete die Tiermedizinische Fakultät Zagreb noch 28 verstorbene Delfine an der kroatischen Küste – im vergangenen Jahr waren es weniger als die Hälfte. Zwar ist nicht auszuschließen, dass einige Kadaver unentdeckt blieben, dennoch weckt der rückläufige Trend Hoffnungen auf eine stabile Populations-Entwicklung der letzten rund 220 Adria-Delfine.
Trotz rückläufiger Totfunde wiegt jeder Verlust schwer
13 tote Meeressäuger wurden im Laufe des vergangenen Jahres an der kroatischen Adriaküste gemeldet. Dies geht aus dem aktuellen Bericht über die Entwicklung des Projekts „Rettung der letzten Adria-Delfine“ hervor. Die postmortalen Untersuchungen unserer Projektpartner von der Tiermedizinischen Fakultät Zagreb unter Leitung von Prof. dr. sc. Martina Đuras ergaben, dass es sich in sechs Fällen um Große Tümmler – dies ist die in der Adria vorherrschende Art – handelte, während ein Kadaver als Streifendelfin identifiziert wurde. Ein weiterer Fund betraf einen Wal unbekannter Art und in fünf Fällen konnte die Delfinart nicht bestimmt werden.
Das Alter der gestrandeten Tiere variierte erheblich. Während einige Individuen als jung eingestuft wurden, war die Mehrheit der gefundenen Kadaver entweder erwachsen oder unbekannten Alters. Jeder Verlust wiegt schwer, insbesondere im Hinblick auf die Bemühungen, die letzten Adria-Delfine zu schützen.
Besorgniserregend ist der Verlust von mindestens drei weiblichen Tieren, da das Überleben fortpflanzungsfähiger Weibchen für den Erhalt kleiner Populationen von entscheidender Bedeutung ist. (Lesetipp: Welche Meeressäuger gibt es in der Adria?)

Fundorte der Delfinkadaver (blau: Großer Tümmler / gelb: unbekannte Delfinart / rot: Streifendelfin)
Todesursachen: Mindestens ein Delfin stirbt im Fischernetz
Die gestrandeten Delfine wurden entlang der gesamten kroatischen Adriaküste gefunden, unter anderem auf Dugi Otok, Krk, Lošinj, Hvar und Pelješac. In den meisten Fällen konnte die Todesursache nicht ermittelt werden. Lediglich in einem Fall wurde Beifang in Fischernetzen als Ursache identifiziert – ein erwachsener weiblicher Großer Tümmler, gefunden am 24. Februar in Šinj.
Dass viele Totfunde nicht näher untersucht werden können, liegt auch an der eingeschränkten finanziellen Unterstützung durch die kroatische Regierung. In den vergangenen Jahren wurden die Mittel für lokale Tierärzte und zuständige Behörden reduziert, was eine detaillierte Erfassung und Analyse erschwert.

Einer von 13 Totfunden, die 2024 gemeldet wurden.

Durch Beifang kam dieser Große Tümmler ums Leben.

Ein junger Delfin, der 2024 als Totfund gemeldet wurde.
Citizen Science Projekt „Adria-Delfine – bitte melden!“
Seit vielen Jahren ruft das GRD-Team Kroatien-Urlauber:innen dazu auf, sich als BürgerforscherInnen für das Adria-Projekt zu engagieren am Adria-Projekt zu beteiligen. Sichtungen von Delfinen, Mönchsrobben, Meeresschildkröten, Haien und Thunfischen können an die GRD online gemeldet werden. Seit 2001 liefern diese Daten durch die Weitergabe zur Auswertung an die Internationale Walfangkommission (IWC) wichtige Hinweise zum Bestand und zum Verhalten der Meeressäuger in den Gewässern vor Kroatien.
Mit über 400 Meldungen im vergangenen Jahr blieb die Gesamtzahl auf dem Niveau der Vorjahre. Erwartungsgemäß entfiel der Großteil der Beobachtungen auf den Großen Tümmler (343), der teilweise in Gruppen von bis zu 40 Tieren gesichtet wurde. Darüber hinaus wurden 46 Sichtungen weiterer Delfinarten und Wale sowie 25 Meldungen von Meeresschildkröten registriert.
Wie in den Jahren zuvor erhielten wir auch diesmal zahlreiche beeindruckende Bilder (siehe Foto-Wettbewerb) und Videos, die begleitend zu den Sichtungsmeldungen eingereicht wurden. Eine Auswahl dieser Aufnahmen ist auf dem GRD-Youtube-Kanal in der Playlist „Delfinschutzprojekt (Adria) zu finden.
Sichtungsmeldungen von Delfinen, Meeresschildkröten und Walen in der Adria (oben); Video eines springenden Delfins im Rahmen des Citizen Science Projekts „Adria-Delfine – bitte melden!“ (rechts)
Studium der Tiermedizin und Feldforschungsstation Molat
Im Rahmen des Diplomstudiums der Tiermedizin wurde erneut das Wahlfach „Biologie und Schutz der Meeressäuger“ angeboten. Studierende der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb waren aktiv in die Projektarbeit eingebunden. Zusätzlich organisierte das Team um Martina Đuras gemeinsam mit der Organisation Argonauta aus Murter Workshops zum Thema Delfinschutz und Delfinforschung. Diese fanden am 8. und 9. Juni 2024 auf den Kornati-Inseln statt und richteten sich an Schüler:innen der Grundschule sowie der Sekundarstufe.
Das Zentrum für Schutz und Forschung der Meeressäuger auf der Insel Molat blieb im vergangenen Jahr für Besucher:innen geschlossen.
Fotos: Dr. Martina Đuras, Tiermedizinische Fakultät, Universität Zagreb
Einmal mehr danken wir allen, die mit ihren Spenden, einer Patenschaft für einen Adria-Delfin oder mit ihren Sichtungsmeldungen tatkräftig mithelfen, die gefährdete Population besser zu schützen.

Helfen Sie Adria-Delfinen jetzt mit Ihrer Patenschaft
STRELICA
Strelica (Pfeil) wurde gemeinsam mit den Patendelfinen Dobro Jutro und Poveliki beim Wellenreiten beobachtet.
VESELJAK
Veseljak (Spaßvogel) verdankt seinen Namen seiner schier unbändigen Lust an akrobatischen Sprüngen. Oft hielt er mit seiner Energie den Rest der Delfingruppe "auf Trab".
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