UN Ozeankonferenz: Was folgt auf das „kollektive Versagen?“

Der „große Wurf“ blieb bei der UN Ozeankonferenz aus

Fünf Tage lang haben sich über 6.000 Delegierte in Lissabon mit dem von Generalsekretär António Guterres ausgerufenen „Ozean-Notstand befasst. Verbindliche Maßnahmen und Ziele blieben in der Abschlusserklärung allerdings aus. Zwar wurden achtenswerte Fortschritte in den Bereichen Tiefseebergbau, Unterwasserlärm und Fischerei erzielt, mit Blick auf den weltweiten Meeresschutz haben sich viele Staaten jedoch ihrer Verantwortung entzogen und eine große Chance verpasst.

Sammelsurium an Unverbindlichkeiten

„SDG14“ – dieses Kürzel trägt das UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung, welches den Schutz des Lebens unter Wasser zum Ziel hat. Damit wird auch das Ergebnis der fünftägigen United Nations Oceans Conference (UNOC) verbunden. Es soll – unterteilt in zehn Punkte – die Ziele der Veranstaltung dokumentieren:

  • Verringerung der Meeresverschmutzung

  • Schutz und Wiederherstellung der Ökosysteme

  • Verringerung der Versauerung der Ozeane

  • Sicherstellung einer nachhaltigen Fischerei

  • Erhaltung der Küsten- und Meeresgebiete

  • Beendigung von Subventionen, die zu schädlichen Fischereipraktiken beitragen

  • Steigerung des wirtschaftlichen Nutzens aus nachhaltiger Nutzung von Meeresressourcen

  • Forcierung von Forschung und Technologien, die sich positiv auf die Gesundheit der Ozeane auswirken

  • Unterstützung von Kleinfischern

  • Umsetzung und Durchsetzung des internationalen Seerechts

Einige der aufgeführten Ziele hätten bereits bis 2020 erreicht werden sollen, andere werden erst bis 2030 in Angriff genommen. Ebenso wie zahlreiche andere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ist die GRD der Ansicht, dass diese Ziele der Ozeankonferenz sehr unverbindlich sind. Vor allem aber: Wo zeigten die anwesenden Regierungsvertreter die Bereitschaft zu verantwortlichem Handeln, um ein deutliches Zeichen zur Rettung der Ozeane zu setzen? Dies hätte zum Beispiel ein globales Meeresabkommen sein können, mit dem ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten aufgebaut wird, um bis 2030 mindestens ein Drittel der Weltmeere zu schützen.

Stattdessen gab es eine Abschlusserklärung, in der die Staats- und Regierungschefs das „kollektive Versagender Vergangenheit erkannten und gleichzeitig mehr Ehrgeiz forderten, um sicherzustellen, dass der katastrophale Zustand der Ozeane angegangen wird. 

Über 6.000 Delegierte nahmen an der UN Ozeankonferenz in Lissabon teil.

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Weshalb es nicht zu einem entsprechenden „Commitment“ gekommen ist, bleibt das Geheimnis der Delegierten. An eindringlichen Worten seitens des UN-Generalsekretärs zu Beginn der Konferenz mangelte es jedenfalls nicht. António Guterres sprach von einem Notstand der Meere, von menschengemachten Problemen und davon, dass die Menschheit die Pflicht habe, die Probleme wieder zu lösen. Die Realität sieht freilich anders aus: „Was ich sehe und höre, ist viel Gerede und sehr wenig Handeln. Was wir von den Staatschefs der Welt jetzt brauchen, sind Taten zum Schutz der Meere“, brachte es die Aussage einer jungen Frau auf den Punkt, die in Lissabon an einer begleitenden Demonstration teilnahm.

Hoffnungsvolle Einzelinitiativen: Neue Dynamik gegen den Tiefseebergbau

Mit Emmanuel Macron bekannte zumindest ein Staatsoberhaupt in Lissabon Farbe und gab ein eindeutiges Statement zum Thema Tiefseebergbau ab: „Wir müssen den rechtlichen Rahmen schaffen, um den Bergbau auf hoher See zu stoppen und keine neuen Aktivitäten zuzulassen, welche die Ökosysteme gefährden“, so der französische Präsident. Bereits zuvor hatten die pazifischen Inselstaaten Palau und Fidschi ein Zeichen gesetzt, indem sie ein Moratorium für den Tiefseebergbau forderten.

Demnach soll die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) vorerst keine Genehmigungen für einen Abbau am Meeresboden erteilen. Ein guter Vorstoß, denn Wissenschaftler warnen bereits seit längerem davor, dass eine Fortsetzung des Tiefseebergbaus zu einem unumkehrbaren Verlust der biologischen Vielfalt führen könnte.

Die Tiefseeschutz-Koalition repräsentiert Nichtregierungsorganisationen zum Schutz der weltweiten maritimen Lebensräume, insbesondere der Tiefsee.

Die Deep Sea Conservation Coalition ordnet die Forderungen nach einem Moratorium oder einem gänzlichen Verbot des Tiefseebergbaus als Wendepunkt beim Deep Sea Mining ein. (Lese-Tipp: Tiefseebergbau: Verhängnisvoller Wettlauf zum Meeresgrund)

Einen positiven Verlauf nahmen ebenfalls die Verhandlungen und Diskussionen zur akustischen Meeresverschmutzung: Der Unterwasserlärm hat in den vergangenen Jahren durch immer größere und lautere Schiffe, Rammarbeiten für die Fundamente von Offshore-Windkraftanlagen und weitere Faktoren massiv zugenommen. In diesem Kontext erklärten unter anderem Vertreter der Schifffahrtsindustrie ihre Bereitschaft zur Problembekämpfung. Ein mögliches Szenario könnte sein, dass Handelsschiffe ihre Geschwindigkeit um 20 Prozent reduzieren, wodurch der Lärmeintrag um 60 Prozent gemindert wird.

Wird das Problem der akustischen Meeresverschmutzung endlich stärker fokussiert? Auf der Ozeankonferenz gab es dafür Anzeichen!

Fazit

Nachdem die UN Ozeankonferenz in Lissabon kein großes Abkommen zum Schutz der Weltmeere lieferte, sind nun die Augen auf New York gerichtet. Dort werden die UN-Mitgliedsstaaten im August einen neuen Anlauf unternehmen, um einen Vertrag zum Schutz kritischer Meeresökosysteme zu verabschieden.

Dieser Vertrag ist längst überfällig.

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