Peru: Delfinschutz statt Dynamitfischerei

von | 13. Oktober 2021 | News - Peru

Warum wir die ortstreuen Delfine in Paracas im Auge behalten müssen.

Eine der Hauptaufgaben unserer peruanischen Partnerorganisation ACOREMA in Pisco ist, den Delfinschutz der beiden kleinen Populationen von Großen Tümmlern zu fördern und zu gewährleisten. Die Gefahren sind vielfältig: von illegaler Dynamitfischerei über stressige Begegnungen mit Ausflugsbooten bis hin zur Verschmutzung der Lebensräume.

Die Ergebnisse der mittlerweile 20 Jahrgänge umfassenden Studien, die unsere peruanischen Partner von ACOREMA vorlegen können, sind beeindruckend. Die biologischen als auch ökologischen Informationen tragen dazu bei, dass in der örtlichen Gemeinschaft das Wissen über Delfine und Themen wie Meeresverschmutzung, Plastikmüll, die zerstörerische Wirkung von Dynamitfischerei etc. stetig steigt. Auf Basis dieser Informationen werden Maßnahmen zum Schutz der Delfine beschlossen, die sich auf die gesamte peruanische Küste übertragen lassen. Damit soll auch die direkte Jagd auf Delfine gestoppt werden.

Sie sind noch da!

Ein gutes Zeichen ist in diesem Kontext, dass Delfine seit vielen Jahren in der Paracas-Bucht beobachtet werden können. (Lesen Sie hierzu auch den Beitrag: Neustart nach der Corona-Krise) Und: Wurden früher die Delfine harpuniert, können sich diese heute gefahrlos neben den ortsansässigen Fischerbooten in Paracas tummeln. Das ist ein Erfolg der Delfinschutzarbeit des ACOREMA-Teams.

Neustart des Delfinschutzprojekts in Peru: Die Delfine waren während der ganzen Lockdown-Zeit da geblieben!

Delfin-Mutter-Kalb-Paar, beobachtet im März 2021 in der Paracas-Bucht. Foto: ACOREMA

Jedes Individuum der Großen Tümmler wird bei den Patrouillenfahrten fotografiert, seine Rückenflosse katalogisiert und mit früheren Aufnahmen verglichen, um bekannte Individuen zu identifizieren und neue Delfine zu erkennen. In der Zeit von November bis März werden auch Mütter und Kälber bei beiden Gruppen beobachtet. Besonders bei der größeren Delfingruppe, die regelmäßig die Paracas-Bucht frequentiert, können über viele Jahre hinweg Delfinmütter mit ihren Jungen beobachtet werden. So wissen wir, dass unsere Patendelfinin Trinity” bereits mehrfache Mutter ist.

Supay-Delfine vs. Ausflugsboote

Die Supay-Delfine sind zum Glück und dank der Arbeit von ACOREMA noch immer in ihrem durch starke Strömungen isolierten Meeresgebiet anzutreffen, in dem früher illegal Dynamitfischerei betrieben wurde. Die Abgeschiedenheit ihres Standorts schließt eine Annäherung an diese kleine Gruppe mit einem Boot aus. Ihre Beobachtung ist aber von den umgebenden Klippen aus möglich. Auf diese Weise erfolgt die Datenerhebung über ihre Anwesenheit und ihre Standorttreue sowie über ihr Leben in diesem Teil südlich der Paracas-Halbinsel.

Neustart des Delfinschutzprojekts in Peru: Supay-Delfine, ungestört von Booten und Touristen.

Große Tümmler in der Supay-Bucht im Süden der Paracas-Halbinsel. Foto: ACOREMA

Kommunikation und Arbeit während der Corona-Pandemie

Während der Lockdown-Phasen sind die ACOREMA-Mitarbeiter über viele Online-Kanäle mit den Bewohnern vor Ort, den Schulen sowie mit Ministerien und der Öffentlichkeit stetig in Kontakt geblieben. Auf diese Weise war es möglich, die Arbeit mit den Lehrern der Schulen fortzuführen und neue Materialien zum Delfin- und Meeresschutz für den Unterricht zur Verfügung zu stellen.

Im Anschluss an die Initiative der 185 Schüler von San Andrés, den Delfin „Mariajose“ aus der Paracas-Bucht zu adoptieren (wir berichteten), wurde ein Arbeitsheft mit Bildern und erklärenden Texten über „Mariajose“ und ihre Partnerdelfine in der Region erstellt. Die Lehrer nutzen diese Materialien nun, um den Kindern die Delfine und ihr Leben zu veranschaulichen. Die Informationen werden auch an Lehrer vieler anderer Schulen geschickt, um deren eigene Initiativen zur Einbeziehung von Delfinen und ihren Schutz in den Unterricht zu wecken und zu unterstützen.

Neustart des Delfinschutzprojekts in Peru: Supay-Delfine, ungestört von Booten und Touristen.

Titelseite der Broschüre von Acorema für die Schulkinder.

Delfine in Gefahr

In der ersten Hälfte des Jahres 2021, als in Peru eine zweite Welle der Covid-19-Pandemie Aktivitäten wie Tourismus und Fischerei einschränkte, erlebte die Wirtschaft einen dramatischen Einbruch. Gegenwärtig sind die Pandemiebeschränkungen teilweise aufgehoben. Tourismus und Fischerei nahmen rasch wieder Fahrt auf, um sich von der Situation zu erholen, die durch die mehrmonatige Schließung entstanden ist.

Dies birgt eine erhöhte Gefahr für die Delfinpopulationen, da die Nachfrage nach Bootsausflügen für Touristen zu den nahegelegenen Ballestas-Inseln steigen könnte. Dies würde die Begegnungen mit Delfingruppen in der Paracas-Bucht erhöhen, was für die Delfine viele stressige Begegnungen mit mehreren Booten auf einmal bedeuten könnte. ACOREMA hat zwar Anleitungen für die Guides und Bootsführer erarbeitet, welche die Annäherung an die Delfine bzw. Abstandshaltung regeln, ob sich daran aber angesichts des finanziellen Drucks gehalten wird, ist unsicher. Die Delfinschützer werden aber in jedem Fall mit Informationsmaterial und Schulungen vor Ort aktiv sein, auch um Bootsführer eingehend zu briefen.

Mit einer Patenschaft für "Trinity" den Neustart des Delfinschutzprojekts in Peru unterstützen!

Große Flotten aus anderen Häfen kommen nun regelmäßig nach Paracas auf der Suche nach Fischressourcen. Foto: ACOREMA

Damit nicht genug: Die Suche nach Ressourcen hat mehrere Fischereiflotten aus verschiedenen Häfen nach Paracas geführt, wo das Gedränge der Fischerboote in der Bucht die Verschmutzung erhöht, die Meeresumwelt verschlechtert und die Delfine in Gefahr bringt, mit Booten oder Netzen zu kollidieren.

Die Delfinschutz-Arbeit vor Ort ist wichtig!

Nur die stetige Beobachtung der beiden in diesem Gebiet ansässigen Delfingruppen ermöglicht es ACOREMA, aufkommende Probleme sofort zu erkennen, die Interaktionen zwischen Ausflugsbooten und Delfinen zu überwachen und die Behörden über etwaige negative Auswirkungen der Anwesenheit großer Fischereiflotten, die in der Bucht ankern, zu informieren. Es wird versucht, die Arbeit kontinuierlich fortzusetzen, da die Studien über die ansässigen Delfingruppen und die sich verändernden Bedingungen, mit denen sie konfrontiert sind, die nötigen Argumente liefern, um ihren Schutz, ihren Wert und ihre Erhaltung zu fördern und sicherzustellen.

Neustart des Delfinschutzprojekts in Peru: Supay-Delfine, ungestört von Booten und Touristen.

Smooth, einer der Großen Tümmler und neuen Patendelfine in der Paracas-Bucht. Foto: ACOREMA

Delfinfreunde gesucht!

Den Schutz der Delfine in Paracas, die Information der Öffentlichkeit über ökologische Themen und Ausweitung des Wal- und Meeresschutzes entlang der Küste können wir nur dadurch vorwärts bringen, wenn die Arbeit von ACOREMA vor Ort finanziert wird.

Mit diesem Projekt wird die Kenntnis über Delfine und Wale, ihre Biologie, Besonderheiten und Schutzbedürfnisse und die Liebe zu den Delfinen und Walen stetig aufgebaut und das Harpunieren von Delfinen, die früher auch in Paracas als „chancho marino” gegessen oder als kostenloser Haiköder verwendet wurden, verhindert.

Deshalb danken wir von Herzen allen Delfin-Pateninnen und -Paten, die das Projekt und die Delfinschutzarbeit an den Schulen in Peru meist über viele Jahre hinweg unterstützen. Zudem hoffen wir, noch mehr Pateninnen und Paten gewinnen zu können oder aber Spenden zur Förderung der Projektarbeit und dem Erstellen des Informationsmaterials zu erhalten.

Mit Informationen von Julio Reyes, ACOREMA

 

Projektpartner

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TATOOINE

Tatooine ist mit wahrscheinlich ein junges Weibchen. Ihre glänzende Rückenfinnne ist noch nahezu unversehrt.

VITALI-PAL

Vitali-Pal ist ein sehr kräftiger, männlicher Delfin, der gerne große Sprünge macht.

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