Klimakiller Grundschleppnetzfischerei
Eine Studie ergab: Grundschleppnetzfischerei ist genauso schädlich wie das Reisen mit dem Flugzeug
Der Klimawandel schreitet immer schneller voran. Und unsere Emissionen sind ein wesentlicher Antreiber. Schuld daran ist insbesondere der globale Luftverkehr. WissenschaftlerInnen haben jetzt einen weiteren Verursacher entdeckt, der in ähnlich katastrophaler Weise zu einem massiven Anstieg der Emissionen führt: Die Fischerei mit Grundschleppnetzen.
Fischer durchpflügen mit schwerem Fanggerät – den sogenannten Baumkurren – den Meeresboden, um Grundfische und Garnelen zu fangen. Das hat zur Folge, dass der Meeresgrund aufgerissen und zerstört wird. Außerdem fallen bei dieser Fangmethode hohe Beifangraten an, also der ungewollte Fang von Nicht-Zielfischarten bzw. Jungtieren. Dies führt zu einem hohen Verlust der marinen Artenvielfalt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Grundschleppnetzfischerei eine der besonders zerstörerischen Fischereimethoden überhaupt ist!
Heringsgrundschleppnetz, wie um 1965 üblich auf dem deutschen Kombilogger Saxnot SG7 1: Kurrleine 2: Scherbretter 3: Jager 4: Knüppel mit Knüppelhahnepots 5: Headlinestander 6: Laschenstander (Mitte) 7: Grundtaustander 8: Lange Antenne 9: Kurze Antenne 10: 1. und 2. Höhenscherbrett 11: Headline mit Auftriebskugeln 12: Grundtau, mit Ketten beschwert 13: Square 14: Belly 15: Hundertmarkstück und Tunnel 16: Stert 17: Codleine / Copyright: Reinhard
Grundschleppnetzfischerei beschleunigt Klimawandel
Zusätzlich werden bei dieser destruktiven Fischereimethode enorme Mengen an Kohlenstoffverbindungen freigesetzt, die sich in weiteren Schritten zu Kohlendioxid umwandeln. Eine Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature publiziert wurde, ergab:
Die Grundschleppnetzfischerei ist dafür verantwortlich, dass jährlich riesige Mengen CO2 aus dem Meeresboden entweichen. Pro Jahr werden geschätzt eine Gigatonne des schädlichen Treibhausgases freigesetzt. Im Vergleich: Der globale Luftverkehr trug im Jahr 2018 mit 918 Millionen Tonnen CO2 ebenfalls maßgeblich zum Temperaturanstieg der Erde bei.
Versauerung der Ozeane führt zu Massensterben
Seit Langem ist der Wissenschaft bekannt, dass CO2 neben der Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane, auch zu der Versauerung der Meere führt. Eine fortschreitende Übersäuerung der Meere führt zu einem Massensterben der marinen Artenvielfalt, das bereits an dem weltweiten zunehmenden Absterben der Korallenriffe zu erkennen ist. In den vergangenen 20 Jahren hat die Erde fast die Hälfte aller Korallenriffe verloren. Bis 2050 könnten nahezu alle Korallenriffe der Welt verschwunden sein.
Ein Verbot in Meeresschutzgebieten hilft
Ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei wird seit Jahren von uns und Umwelt- und Meeresschützern gefordert. Seit 2016 gilt ein EU-Verbot, jedoch nur für Tiefseeregionen. Bis zu einer Wassertiefe von 800 Metern ist diese Fangmethode nach wie vor erlaubt. Auch in deutschen Meeresschutzgebieten ist sie es uneingeschränkt – ein Skandal!
Den WissenschaftlerInnen der Studie zufolge, könnte man dem Problem leicht Abhilfe schaffen, in dem man den Einsatz der zerstörerischen Grundschleppnetze auf nur vier Prozent der heutigen Fanggebiete konsequent reduziert. Das brächte eine Reduktion an CO2-Emissionen um 90 Prozent und zudem einen geringeren Verlust an Arten.
Unsere Empfehlung an alle VerbraucherInnen
Fast 90 Prozent der Meere gelten mittlerweile als über- oder maximal befischt! Wir empfehlen allen Verbraucherinnen und Verbrauchern, auf Meeresfische oder Meeresfrüchte zu verzichten – auch wenn diese mit dem blauen MSC-Siegel ausgezeichnet sind!
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