Schwierige Rettung für 100 Belugas und Orcas aus Russischem “Walgefängnis”

von | 12. April 2019 | News - Delfinarien

"Walgefängnis" geschlossen - Belugas und Orcas nicht so bald in Freiheit

Die gute Nachricht ist: endlich soll das grauenhafte „Walgefängnis“ im Osten von Russland aufgelöst werden. Doch es gibt auch eine schlechte: Das wird sehr schwierig! Denn die rund 100 Belugas und Orcas ringen dort unter miserablen Bedingungen um ihr Leben. Monatelang stand das „Walgefängnis“ weltweit im Kreuzfeuer heftiger Kritik. Zuletzt schalte sich sogar Staatschef Wladimir Putin ein. Das half. Die Meeressäuger sollen zu guter Letzt zurück in die Freiheit. Jedenfalls meldete dies die russische Nachrichtenagentur „Tass“.

Bald wieder in Freiheit? Probleme sind vorprogrammiert

Seit Monaten sind 10 Orcas und 87 Belugas in engen Becken „Walgefängnis“ in der Hafenstadt Nachodka nahe Wladiwostok eingesperrt. Manche von ihnen erdulden die Tortur seit Juli 2018. Doch nach monatelangen Protesten heißt es nun: Sie dürfen zurück in die Freiheit. Zuerst jedoch bedarf es eines aufwändigen Auswilderungstrainings.

Todesfälle wegen grauenhafter Haltungsbedingungen

Ursprünglich fing man die Belugas und Orcas teilweise in tausenden von Kilometern Entfernung im Ochotskischen Meer. Dann brachte man sie in das „Walgefängnis“. Von dort sollten sie dann nach China verkauft werden.

Allerdings sind die engen Gehege in Nachodka völlig ungeeignet. Zusätzlich leiden die Tiere unter falschem Futter und Bewegungsmangel. Außerdem gefährdete sie eine Eisdecke in den Wintermonaten. Die Folge: mindestens ein Orca und drei Beluga-Jungtiere starben. Da hatte selbst der Kreml ein Einsehen.

Junge Orcas müssen erst einmal das Jagen lernen. © Jessica Baum

Jean-Michel Cousteau: Rettung für 100 Belugas und Orcas

Jetzt also sollen der Ozeanograph Jean-Michel Cousteau und weitere Wissenschaftler einen Plan erarbeiten. Denn einfach irgendwo und irgendwie freilassen kann man die Tiere nicht. Wegen der langen, miserablen Gefangenschaftshaltung sind einige krank. Andere wiederum müssen erst für ein Leben in freier Wildbahn trainiert werden. Sie waren schlichtweg zu jung, als sie in Gefangenschaft gerieten.

Refugium und Trainingszentrum

In einem Wal-Reha-Zentrum, einer abgetrennten Meeresbucht, sollen sie nun vorbereitet werden. Doch das kann dauern. Unter Umständen mehrere Jahre. Manche der Belugas und Orcas könnten sich als zu schwach erweisen. Für sie hieße dies, künftig dauerhaft in dem Refugium zu leben.

Tierquälerei: Beluga in einem türkischen Delfinarium. © Andrea Steffen

Komplizierte Familienzusammenführung

Allen zur Auswilderung geeigneten Belugas und Orcas jedoch, steht eine echte Herausforderung bevor. Denn idealerweise sollten sie Kontakt zu der Familie aufnehmen, aus der sie stammen. Auch das wird schwierig. Fraglich ist, ob es noch Informationen über ihr Herkunftsgebiet gibt. Dennoch könnte es gelingen, falls die dafür notwendigen Gelder zusammen kommen.

Ohne Skrupel: Delfinariumsindustrie

Das traurige Schicksal der Belugas und Orcas aus dem russischen „Walgefängnis“ erinnert mit seiner Skrupellosigkeit und Respektlosigkeit gegenüber Mitgeschöpfen in fataler Weise an das Schicksal des einsamen Delfins „Honey“.

Wegen sinkender Besucherzahlen schloss der japanische Inubosaki Marine Park in Choshi (östlich von Tokio) im Januar 2018. Die Tiere jedoch, Delfindame „Honey“, 46 Humboldt-Pinguine, Hunderte Fische und Reptilien ließ man einfach auf sich allein gestellt zurück.

Foto oben: Qualvolles Leben in türkischem Delfinarium. Die an maximal 8 Grad Wassertemperatur angepassten Belugas müssen hier mit Werten von weit über 20 Grad klar kommen. Außerdem müssen sie sich während der erniedrigenden Vorführungen in die mit über 40 Grad sengend heiße Luft katapultieren. © Andrea Steffen

l

Weitere Artikel

Ein einfaches Rezept zur Bergung von Geisternetzen

Geisternetzbergung nach Rezept? Für den Bericht zu unserem jüngsten Einsatz vor Rügen (14. – 16. August) tauschen wir diesmal Taucher-Tagebuch gegen Kochbuch. Welche „Zutaten” es braucht und wie daraus am Ende 250 bis 300 Kilogramm geborgenes Geisternetz werden, erklären wir Step-by-Step.

weiterlesen

Die Delfine von Paracas: Ein Leben voller Beziehungen

“Brisa” und ihr Kalb, “Sharpy”, “Bahía”, “Sombrero” oder “Chaco”: Die Großen Tümmler in der Bucht von Paracas sind für unsere Projektpartner:innen von ACOREMA keine anonymen Tiere. Viele von ihnen werden seit Jahren, manche sogar seit Jahrzehnten beobachtet. Dabei zeigt sich: Jeder Delfin hat seine eigene Persönlichkeit und seinen festen Platz in einem komplexen sozialen Gefüge.

weiterlesen

Nicht jedes Geisternetz muss zwingend geborgen werden

Wann muss ein Geisternetz geborgen werden – und wann ist es sinnvoller, es an Ort und Stelle zu belassen? Diese Frage stellt sich bei Bergungseinsätzen immer wieder und muss sorgfältig abgewogen werden. Genau vor dieser Entscheidung stand am vergangenen Wochenende ein Team ehrenamtlicher Taucher:innen unter der Leitung unseres Projektpartners Wolfgang Frank bei einem Einsatz vor Rügen.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!