“Speck”, 12 Jahre – getötet von der roten Flut

by | 30. August 2018 | News - Delfine

Das erste von vielen Opfern

Am 17. August 2018 strandete der 12-jährige Große Tümmler „Speck“. Gegen die tödlichen Nervengase der Anfang August auch in die Region um Sarasota im US-Bundesstaat Florida vorgedrungenen Red Tide (rote Flut) hatte „Speck“ keine Chance. Er gehörte zur in der Sarasota-Bucht lebenden Delfingemeinschaft und die Wissenschaftler des Sarasota Dolphin Research Program kannten ihn gut. Seit seiner Geburt 2006 hatte man sich 340 mal getroffen. „Speck“ verbrachte den Großteil seines Lebens sehr küstennah entlang der Strände von Siesta Key, Casey und Lido Key.

Schicksalsschläge einer Delfinfamilie

„Specks“ Mutter, ein FB93 genannter Delfin, war 2012 im Alter von 27 Jahren gestorben. Sie hatte sich in einer Angelleine verheddert und Teile davon verschluckt. „Specks“ kleine Schwester war jetzt mit ihren 7 Monaten auf sich allein gestellt. Es gab keine Überlebenschance. Drei Wochen später folgte sie ihrer Mutter in den Tod. Auch die Großmutter von „Speck“, ein fast steinalter Delfin namens „Squiggy“, starb trotz ihrer bereits 58 Jahre, keines natürlichen Todes. „Squiggy“, die vom Sarasota Dolphin Research Program seit 1980 beobachtet wurde, hatte Netzreste und Angelschnüre verschluckt, das wir ihr Todesurteil.

Auswirkungen der roten Flut auf Meerestiere sind beispiellos

Über neun Monate dauert die gegenwärtige Red Tide im Golf von Mexiko bereits und dürfte damit alle bisher bekannten weit übertreffen. Ausgelöst wurde sie von gewaltigen in den Golf von Mexiko abgeleiteten, nährstoffhaltigen Wassermengen. Die derart ins Meer gelangten, aus der industrialisierten Landwirtschaft stammenden, Düngemittel wie Stickstoff und Phosphor befeuern dort das explosionsartige Wachstum der zum Phytoplankton gehörenden Kieselalgenart Karenia brevis.

Auf der Meeresoberfläche bilden sie dann viele Quadratkilometer große rote Teppiche – die gefürchtete rote Flut. Tritt Karena brevis in derartigen Mengen auf, wird der Winzling zum Killer. Milliarden von Algen produzieren Neurotoxine, die als Giftgaswolken über die Wasseroberfläche wehen. Alles Leben, das in eine rote Flut gerät, ist verloren, Delfine, Wale, Manatis (Seekühe), Meeresschildkröten oder Fische. Delfine sterben später. Weniger wegen der Giftgase oder vergiftetem Meerwasser, sondern durch die Aufnahme vergifteter Nahrung. Die meisten Delfin-Todesfälle treten meist verspätet auf, nach einer Red Tide oder wenn sie bereits eine Zeit lang andauert.

Die rote Flut ist in der Sarasota-Bucht beim Longboat Key angekommen. Quelle: Sarasota Dolphin Research Program – Facebookseite

41 tote Delfine im August - Negative Spätfolgen

Bis Ende August waren, berichtet der Miami Herald, 41 tote Delfine im Südwesten von Florida gestrandet. Tierärzte des Strandungsnetzwerks der nationalen Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) führen die ungewöhnlich hohe Todesrate unter den Meeressäugern auf die rote Flut zurück.

Doch es ist nicht allein die gegenwärtige Gefahr, die Randy Wells, Leiter des Sarasota Dolphin Research Program, und seinen Kollegen große Sorgen bereitet. Die wahrscheinlich wenigen Delfine, die die Katastrophe überleben, werden auf längere Sicht mit stark reduzierten Fischbeständen konfrontiert sein, wie es zuletzt nach der schlimmen Red Tide von 2005/2006 der Fall war. Damals hatte sich das Nahrungsangebot urplötzlich um 90 Prozent verringert.

Ein Teufelskreis

In der Folge suchten die intelligenten Meeressäuger verstärkt nach Beute in der Nähe von Anglern und Fischerbooten, was ihnen nicht gut bekam.

Zwei Prozent der in der Sarasota-Bucht residenten Delfine starb nach der Red Tide durch verschluckte Netzreste und Angelschnüre. Alle Überlebenden zeigten Anzeichen von Unterernährung.

Sichtungskarte des Delfins „Speck“ in der Sarasota-Bucht. Der blaue Pfeil zeigt den Ort, an dem er strandete. Quelle: Sarasota Dolphin Research Program – Facebookseite

Landwirtschaft vernichtet Meereswelten

Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt sehr drastisch, wie die industrialisierte Landwirtschaft direkt das Leben in küstennahen Meeresgebieten vernichtet. In der Ostsee gibt es riesige Todeszonen ohne Sauerstoff, ausgelöst von Blaualgen, die durch aus der Landwirtschaft stammende Düngemittel prächtig als Algenblüte gedeihen. In Florida und anderen Ländern gibt es Karena brevis und ihre Neurotoxine. Die Folgen sind immer gleich: Alles Leben stirbt, die Meere verwüsten.

Bio-Lebensmittel helfen Meerestieren

Es ist nicht nur besser für die eigene Gesundheit, für die terrestrische Umwelt und für besseres Tierwohl landwirtschaftlicher Nutztiere, wenn man keine Produkte aus intensiver Landwirtschaft kauft. Man hilft mit dem Kauf von Lebensmitteln aus biologischer Produktion auch Meerestieren und ihrer Umwelt.

Das traurige Schicksal von „Speck“ und all den anderen mittlerweile gestorbenen Delfinen, Seekühen und zigtausenden Fischen hat die Menschen in Florida erschüttert und wachgerüttelt – immerhin das.
Unter Verwendung von Informationen von:
Dr. Randy Wells, Director, Sarasota Dolphin Research Program
Deutsche Stiftung Meereschutz (DSM)
Foto oben: Gestrandeter Adria-Tümmler von Dr. Martina Duras
 

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