Faszination Finnwal: Eine Reise in die Forschungswelt des Finnwal-Projekts
Finnwal-Projektbericht Dezember 2023
Das Team unserer Projektpartner:innen von Edmaktub widmet sich im derzeitigen Stadium der Analyse der während der letztjährigen Forschung gesammelten Daten: Von der akribischen Korrektur der Wal-Koordinaten über die KI-gestützte Drohnen-Foto-ID bis hin zu Lösungen der Risikominderung von Schiffskollisionen, die der katalanischen Regierung vorgestellt werden. Gleichzeitig wirft bereits das aktuelle Finnwal-Projekt seine Schatten voraus – samt eines neuen Schulungsprogramms für Forschungsassistenten. Für diese Art der Forschung könnt ihr euch jetzt bewerben.
Analyse der Sichtungsdaten
Nach Beendigung der letztjährigen Forschung wurde zunächst überprüft, ob sämtliche Daten korrekt gespeichert und für die Analyse aufbereitet sind. Dazu gehört unter anderem, die Koordinaten der gesichteten Wale unter Berücksichtigung von Entfernung und Winkel zu korrigieren, um eine präzise Lokalisierung der beobachteten Tiere zu gewährleisten (siehe untenstehende Abbildung).
Forschung: Analyse der Verhaltensdaten
Alle Verhaltensdaten werden in einer Datei zusammengeführt und mit Kommentaren versehen. Dies ermöglicht die Erstellung eines detaillierten Wanderverhaltens der Wale. Eine wichtige Aufgabe besteht in diesem Prozess darin, Drohnen-Aufnahmen und die Foto-Identifikation mit den Atemmustern zu synchronisieren. Diese Informationen werden genutzt, um das Verhalten der Individuen zu vervollständigen (siehe untenstehende Abbildung). Darüber hinaus wird die Interaktion zwischen Finnwalen untereinander sowie mit anderen Arten, wie beispielsweise Delfinen analysiert.
Foto-Identifikation
Die Foto-Identifikation ist ein zentraler Forschungsbereich. Die Identifikation erfolgt anhand konventioneller Spiegelreflexkamera-Bilder von Körper und Rückenflosse der Wale (siehe untenstehende Abbildung) sowie durch Drohnen-Aufnahmen, bei denen Chevron und Blazer (einzigartige Pigmentierung auf der Oberseite des Kopfes) überprüft werden. Angesichts der bereits umfangreichen Dokumentierung von über 400 Individuen arbeitet Edmaktub derzeit an der Implementierung einer KI-gestützten und somit automatisierten Erkennung der Tiere. Dies wird die Identifizierungsarbeit erleichtern und effizienter gestalten.
Morphometrie und Körperzustand
Die Auswertung der Drohnenbilder ermöglicht ebenfalls die Messung von Länge und Körperzustand der Wale. Spezielle Programme werden vom Edmaktub-Team eingesetzt, um den Abstand zwischen verschiedenen Körperteilen sowie die Gesamtlänge zu berechnen.
Ozeanografische Daten
Ozeanografische Daten wurden während der gesamten Projektarbeit kontinuierlich gespeichert, um Einblicke in die Gegebenheiten des Untersuchungsgebiets und im Speziellen der Nahrungsverfügbarkeit während der Feldforschung zu gewinnen. „Wir verwenden tagesaktuelle Satellitenkarten, um die Entwicklung verschiedener Variablen zu verstehen, wie z.B. das Chlorophyll, das uns die Produktivität des Gewässers anzeigt, sowie die Temperatur und den Salzgehalt der Meeresoberfläche“, erläutert EDMAKTUB-Mitarbeiterin Beatriu Tort. Damit einher geht das Verständnis über die Schichtung der Wassersäule und somit die Verfügbarkeit von Nährstoffen unter Berücksichtigung von Wasserbewegungen, Wind und Strömungen.
Plankton und Mikroplastik
Proben der im Rahmen des Projekts gesammelten Biomasse wurden konserviert und anschließend auf Plankton analysiert. Gleichzeitig erfolgt eine Mikroplastik-Untersuchung, um Menge, Art, Farbe und Größe des gefundenen Kunststoffes zu erfassen. Beatriu Tort: „Anhand dieser Informationen können wir uns ein Bild davon machen, wie häufig Mikroplastik in den Futtergebieten der Finnwale vorkommt, und wir erhalten eine Vorstellung von dem potenziellen Problem, das Mikroplastik für die Finnwale in diesem Gebiet darstellt.
Schiffsverkehr
Die Analyse des Seeverkehrs stellt einen zentralen Forschungsbereich dar, insbesondere in Gebieten mit hoher Kollisionsgefahr. So ist die katalanische Küste ein Gebiet mit lebhaftem Schiffsverkehr, wobei die Häfen von Barcelona und Tarragona stark frequentierte Häfen für die Handelsschifffahrt darstellen. Dieser intensive Seeverkehr und die Anwesenheit von Finnwalen auf Nahrungssuche machen die katalanische Küste zu einem Gebiet mit besonderem Kollisionsrisiko. Das tatsächliche Ausmaß des Problems ist schwierig zu dokumentieren, da Finnwale sinken, wenn sie sterben. Als einzige Referenz können Tiere gezählt werden, die sich am Bug der Schiffe verfangen haben. Eine andere Möglichkeit besteht darin, kleinere und größere Verletzungen (Fotos) zu analysieren, die bei Finnwalen gefunden wurden.
Das Kollisionsrisiko für Finnwale wurde zudem anhand von Sichtungsdaten und den Routen großer Fracht-, Passagier- und Tankschiffe analysiert. Aufgrund der Erkenntnisse wurde ein Bericht an die katalanische Regierung verfasst, der Management-Lösungen zur Risikominderung für Finnwale beinhaltet. Empfohlen wird unter anderem der Einsatz von Wärmebildkameras (Foto) zur nächtlichen Erfassung der Tiere.
Biologische Proben
Biologische Proben werden vorbereitet und zur Analyse an verschiedene Labore geschickt. Die Genetik hilft, das Geschlecht der Tiere zu bestimmen und Beziehungen zwischen Individuen sowie Populationen zu verstehen. Hormonanalysen ermöglichen darüber hinaus die Bestimmung des Fortpflanzungsstatus und des Stressniveaus der Tiere.
Ausblick der Forschung: Finnwalprojekt 2024
„Wir haben mehr als 25 Bewerbungen für die Teilnahme an der Forschung des Projekts. Daher wird ein intensiver Auswahlprozess durchgeführt, um die besten Forscher:innen für das Finnwalprojekt 2024 auszuwählen“, berichtet Beatriu Tort. Zusätzlich gibt es das „Fin Whale Project Research Assistant Program“ – ein bis zu vierwöchiges Schulungsprogramm, über das Teilnehmerin Tanja Hoffmann vor zwei Jahren einen Erfahrungsbericht verfasste und für das sich Interessierte auf https://edmaktub.org/en/participate bewerben können.
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