Delfine: geliebt – gejagt – getötet

von | 18. Januar 2019 | News - Jagd auf Delfine

Die Mörder sind unter uns

Geliebt, gejagt, getötet: Für den Psychologen, Wissenschaftsjournalisten und Zoodirektor Benjamin Mee ist es ein Verbrechen, Delfine zu töten. Ein Verbrechen, für das man, wie Benjamin Mee es fordert, ins Gefängnis gehört: „Dann sprechen wir von einem Mord und von einem Mörder.“ Das ficht niemanden in den weltweit bekannten Delfinjagd-Hotspots Taiji (Japan) und auf Färöer-Inseln an, wo Delfinkulturen und –gesellschaften in einem Meer aus Blut ertränkt werden. Dort ist man noch nicht einmal auf das Fleisch der Meeressäuger als Nahrungsquelle angewiesen.

Jagd auf Delfine ist weltweit verbreitet

In vielen Regionen der Welt müssen immer mehr Menschen aus Hunger auf Delfinfleisch zurückgreifen. Zusätzlich erhöht sich der Jagddruck auf kleine Cetaceenarten durch die Nutzung als Köderfleisch, um andere Tiere, z.B. Haie zu fangen. Meeresbiologin Mel Cosentino von der argentinischen Wild Earth Foundation und Sue Fisher, Anwältin und Meeressäugerspezialistin vom Animal Welfare Institute aus Washington, dokumentierten für 33 Delfinarten, dass die Jagd auf Meeressäuger weltweit wesentlich weiter verbreitet ist, als wir glaubten.

Dieser Adria-Delfin starb durch Beschuss mit einer Harpune. © Martina Duras

Aus vielen Ländern gibt es keine Daten

Hauptgrund, dass viele Menschen auf eine vielerorts sogar tabuisierte Nahrung ausweichen müssen, ist die massive Überfischung der Fischbestände, vornehmlich durch die Fangflotten der Industrienationen, die die tropischen Meere leerfischen.

So ist auf Madagaskar vormals kulturell geächtetes Delfinfleisch mittlerweile so beliebt, dass Delfine nicht mehr nur als Beifang auf den Tisch kommen, sondern eigens gejagt werden. Auch die Küsten vor Ghana und Nigeria sind mittlerweile Todesfallen für jährlich über 10 000 Delfine. In Südamerika konnten die Wissenschaftler Brasilien, Kolumbien, Peru und Venezuela als Schwerpunkte einer gnadenlosen Jagd auf Küstendelfine identifizieren.

Für viele der sich nur relativ langsam vermehrenden Meerestiere kann diese Entwicklung zu einer zusätzlichen, ernsthaften Gefahr für ihr Überleben werden, zumal es aus sehr vielen Ländern Afrikas, Südamerikas und Südostasiens überhaupt keine Daten gibt.

Mosambik: Ein toter Buckeldelfin wir ausgewaidet. © Leszek Karczmarski

Die Mörder sind unter uns: Fischfangflotten der Industrienationen

Den höchsten Blutzoll jedoch entrichten Delfine in den Netzen der Fischfangflotten der Industrienationen. Weitgehend unbemerkt, undokumentiert und ungezählt. Es sind wohl mehrere Hunderttausend jedes Jahr.

Peru: Delfinjagd erfolgreich bekämpft

In der Paracas-Region (Peru) werden Delfine nicht mehr gejagt: Im Gegenteil, die meisten Fischer vor Ort kennen durch die großangelegte Öffentlichkeitsarbeit unserer dortigen Partnerorganisation ACOREMA die identifizierten Delfine und melden sogar Sichtungen. Delfine werden nicht gejagt oder harpuniert, sondern geschützt!
Foto oben: © Martina Duras

“50 Millionen Jahre nach ihrer Eroberung der Meere finden sich die Cetaceen in einer Situation wieder, in der sie auf einen Haufen Primaten angewiesen sind, die bewiesen haben, dass sie Regenwälder ebenso leicht verwüsten, wie sie Sinfonien komponieren können.”

Jean-Michel Cousteau

 

Helft mit!

 

l

Weitere Artikel

Aktionsplan für den bedrohten Buckeldelfin gestartet

2024 wurde das Indian Ocean Humpback Dolphin Conservation Network (HuDoNet) von unserer südafrikanischen Projektpartnerin Dr. Shanan Atkins ins Leben gerufen. Ziel des Netzwerks, dem 71 Meereswis­senschaftler:innen und Naturschützer:innen aus 17 Ländern im westlichen Indischen Ozean angehören, ist es, den Schutz der gefährdeten Buckeldelfine im Indischen Ozean nachhaltig zu verbessern. Jetzt startet HuDoNet mit der Umsetzung des gemeinschaftlich entwickelten Aktionsplans, um den Schutz dieser bedrohten Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gezielt voranzubringen.

weiterlesen

Marineland Antibes: Das Schicksal der verbliebenen Orcas

Marineland Antibes – einst ein beliebter Freizeitpark an der Côte d’Azur – stand lange Zeit sinnbildlich für das Leiden von Meeressäugern in Gefangenschaft. Auch nach der Schließung des Delfinariums im Januar 2025 hat sich an diesem Status nichts verändert. Das Schicksal der letzten zwei Orcas und zwölf Delfine ist ungewiss, die Sorge um ihre physische und psychische Gesundheit wächst. Ein geschütztes Meeresrefugium wäre die beste Lösung. Doch wie realistisch ist es, dass diesen 14 Tieren endlich ein Leben in Würde ermöglicht wird?

weiterlesen

Hohes Risiko: Diese Walrarten könnten schon bald aussterben

Jahrhundertelang waren Harpunen ihre größte Bedrohung. Heute sind es Fischernetze, Frachtschiffe, Industrieanlagen und globale Schwarzmärkte. Manche Walarten bzw. -populationen zählen nur noch wenige hundert Tiere, andere kaum mehr als eine Handvoll Individuen. Wir stellen an dieser Stelle fünf der am stärksten bedrohten Walbestände weltweit vor.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!