Delfinfunde 2025: Niedrige Fallzahlen, aber weiterhin Handlungsbedarf
Einer der zwölf Todfunde wurde durch einen Schuss getötet
Mit zwölf gemeldeten Todfunden blieb die Zahl verendeter Delfine an der kroatischen Adriaküste im Jahr 2025 vergleichsweise niedrig. Dennoch bedeutet jeder einzelne Todesfall einen schmerzlichen Verlust für die ohnehin kleinen Delfinpopulationen der Adria. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass sich die Delfine in der Region bemerkenswert gut an Lebensräume mit intensiver menschlicher Nutzung angepasst haben. Sie trotzen Schiffsverkehr, Tourismus und Fischerei und zeigen damit einerseits eine hohe Anpassungsfähigkeit und andererseits eine ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber anthropogenen Umweltfaktoren. Ein konsequenter Schutz dieser sensiblen Meeressäuger bleibt nichtsdestotrotz unabdingbar.
Todfunde im kroatischen Teil der Adria
Im vergangenen Jahr wurden entlang der kroatischen Adriaküste insgesamt zwölf tote Delfine registriert. Diese Zahlen stammen aus dem aktuellen Fortschrittsbericht des Projekts „Rettung der letzten Adria-Delfine“. Die durchgeführten postmortalen Untersuchungen unserer Projektpartner:innen an der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb unter der Leitung von Prof. dr. sc. Martina Đuras zeigen, dass es sich bei zehn Individuen um Große Tümmler handelte. In zwei Fällen war eine eindeutige Artbestimmung nicht möglich.
Fundorte der Delfinkadaver (orange: Großer Tümmler / blau: unbekannte Delfinart)
Todesursachen: Mindestens ein Delfin stirbt im Fischernetz
Bei drei Großen Tümmlern konnte die Todesursache eindeutig festgestellt werden: Zwei Tiere verendeten infolge von Beifang, ein Tier wurde erschossen. Dieser Vorfall ereignete sich im August 2025 im Raum Split, wo ein Delfin nahe dem Leuchtturm von Splitska vrata aufgefunden wurde (wir berichteten). Laut Polizei bestätigte sich schnell der Verdacht auf eine Straftat; Ermittlungen wurden eingeleitet. Zur genauen Klärung der Todesursache wurde eine Obduktion an der Veterinärmedizinischen Fakultät in Zagreb durchgeführt. Das Untersuchungsergebnis bestätigte, dass der Delfin durch einen Schuss getötet wurde. Ob die Täter von der Polizei mittlerweile ermittelt werden konnten, ist nicht bekannt. Ebenso bleibt es spekulativ, ob ein Zusammenhang mit der Fischerei besteht und es sich somit um eine gezielte Tötung eines vermeintlichen Nahrungskonkurrenten handelt.
Die zwölf postmortal untersuchten Delfine wiesen sehr unterschiedliche Altersstufen auf. Neben jungen Delfinen wurden vor allem erwachsene Tiere sowie Individuen mit nicht feststellbarem Alter gefunden. Als besonders alarmierend muss der Nachweis von mindestens drei weiblichen Tieren unter den verendeten Delfinen gelten. Fortpflanzungsfähige Weibchen spielen eine Schlüsselrolle für das langfristige Überleben kleiner Populationen; ihr Verlust schwächt die ohnehin fragile Bestandsentwicklung.
Unabhängig davon stellt jeder einzelne Todesfall einen empfindlichen Verlust dar, insbesondere vor dem Hintergrund der intensiven Schutzbemühungen für die letzten Delfinpopulationen der Adria.
Das Team der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb bei der Obduktion eines toten Adria-Delfins.
Durch Beifang kam dieser Große Tümmler ums Leben.
Große Aufregung gab es um diesen Delfin, der im August bei Split erschossen wurde.
Feldforschung
2025 fanden an sechs Tagen Feldarbeiten des Forschungsteams der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb statt. Dafür wurden insgesamt 540 Kilometer in der Region Šibenik zurückgelegt. An fünf Einsatztagen wurden Delfine gesichtet; ein Einsatztag musste aufgrund einer Wetterverschlechterung ohne Beobachtungen abgebrochen werden. Insgesamt wurden 50 Delfine in sieben unterschiedlichen Gruppen registriert, mit Gruppengrößen von bis zu 14 Tieren. Von den 50 gesichteten Delfinen konnten 43 fotoidentifiziert werden. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass mehrere dieser Tiere residente Delfine sind, die seit mehreren Jahren regelmäßig in der Region Šibenik beobachtet werden.
Das Forschungsteam kommt nach Analyse der Arbeiten zu folgender Schlussfolgerung:
„Die Zahl der Delfinbeobachtungen und der gesichteten Delfine entspricht jener, die in den vorigen Jahren bei vergleichbarem Forschungsumfang festgestellt wurde. Daher kann von einer stabilen Delfinanwesenheit in der untersuchten Region ausgegangen werden. Die Anwesenheit residenter Delfine unterstreicht die Bedeutung der Region Šibenik als Delfinhabitat in der Adria. Das Vorkommen von Delfinen in Gebieten mit intensiver menschlicher Aktivität (Schiffsverkehr, Fischerei) weist auf eine hohe Anpassungsfähigkeit der Delfine an anthropogene Umweltfaktoren hin, wobei möglichen Interaktionen mit negativen Auswirkungen auf die Delfine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.“ Die Resultate der Forschungen wurden in folgender Publikation veröffentlicht (http://intranet.vef.hr/dolphins/radovi/popis.htm).
Dokumentation der Feldforschung in der kroatischen Adria.
Citizen Science Projekt „Adria-Delfine – bitte melden!“
Seit vielen Jahren ruft das GRD-Team Kroatien-Urlauber:innen dazu auf, sich als BürgerforscherInnen für das Adria-Projekt zu engagieren am Adria-Projekt zu beteiligen. Sichtungen von Delfinen, Mönchsrobben, Meeresschildkröten, Haien und Thunfischen können an die GRD online gemeldet werden. Seit 2001 liefern diese Daten durch die Weitergabe zur Auswertung an die Internationale Walfangkommission (IWC) wichtige Hinweise zum Bestand und zum Verhalten der Meeressäuger in den Gewässern vor Kroatien.
Mit über 400 Meldungen im vergangenen Jahr blieb die Gesamtzahl auf dem Niveau der Vorjahre. Erwartungsgemäß entfiel der Großteil der Beobachtungen auf den Großen Tümmler (343), der teilweise in Gruppen von bis zu 40 Tieren gesichtet wurde. Darüber hinaus wurden 46 Sichtungen weiterer Delfinarten und Wale sowie 25 Meldungen von Meeresschildkröten registriert.
Wie in den Jahren zuvor erhielten wir auch diesmal zahlreiche beeindruckende Bilder (siehe Foto-Wettbewerb) und Videos, die begleitend zu den Sichtungsmeldungen eingereicht wurden. Eine Auswahl dieser Aufnahmen ist auf dem GRD-Youtube-Kanal in der Playlist „Delfinschutzprojekt (Adria) zu finden.
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Sichtungsmeldungen von Delfinen, Meeresschildkröten und Walen in der Adria (oben); Video eines springenden Delfins im Rahmen des Citizen Science Projekts „Adria-Delfine – bitte melden!“ (rechts)
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Mehr InformationenStudium der Tiermedizin und Feldforschungsstation Molat
Im Rahmen des Diplomstudiums der Tiermedizin wurde erneut das Wahlfach „Biologie und Schutz der Meeressäuger“ angeboten. Studierende der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb waren aktiv in die Projektarbeit eingebunden. Zusätzlich organisierte das Team um Martina Đuras gemeinsam mit der Organisation Argonauta aus Murter Workshops zum Thema Delfinschutz und Delfinforschung. Diese fanden am 8. und 9. Juni 2024 auf den Kornati-Inseln statt und richteten sich an Schüler:innen der Grundschule sowie der Sekundarstufe.
Das Zentrum für Schutz und Forschung der Meeressäuger auf der Insel Molat blieb im vergangenen Jahr für Besucher:innen geschlossen.
Fotos: Dr. Martina Đuras, Tiermedizinische Fakultät, Universität Zagreb
Einmal mehr danken wir allen, die mit ihren Spenden, einer Patenschaft für einen Adria-Delfin oder mit ihren Sichtungsmeldungen tatkräftig mithelfen, die gefährdete Population besser zu schützen.
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STRELICA
Strelica (Pfeil) wurde gemeinsam mit den Patendelfinen Dobro Jutro und Poveliki beim Wellenreiten beobachtet.
VESELJAK
Veseljak (Spaßvogel) verdankt seinen Namen seiner schier unbändigen Lust an akrobatischen Sprüngen. Oft hielt er mit seiner Energie den Rest der Delfingruppe "auf Trab".
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