Auch im Ärmelkanal sind Delfine durch Schadstoffe gefährdet

Besorgniserregend hohe Konzentrationen von Quecksilber und PCB

Britische Forscher hatten Anfang 2016 eine groß angelegte Studie veröffentlicht, die die großflächige Vergiftung von Delfinen in europäischen Gewässern mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) dokumentierte. Jetzt haben die französische Ökotoxikologin Cyrielle Zanuttini und ihre Kollegen vergleichbare Werte bei Delfinen aus dem Ärmelkanal festgestellt.

Laut der Studie, die am 2. September 2016 im nordfranzösischen Cherbourg vorgestellt wurde, sind die Ärmelkanal-Delfine durch hohe Konzentrationen hoch giftiger PCBs und Quecksilber belastet. Bei rund 400 untersuchten Tieren stellten die Wissenschaftler 1,4 Mal mehr PCB fest als eine vergleichbare Untersuchung aus dem USA gezeigt hatte. Auch die gemessenen Quecksilber-Konzentrationen seien besorgniserregend hoch, warnte Zanuttini.

Umweltgift PCB gefährdet Überleben von Delfinen in Europa

Zanuttini kommt damit zu ähnlichen Ergebnissen wir die der britische Zoologe Paul Jepson und sein Team von der Zoologischen Gesellschaft in London. Sie hatten im Rahmen einer 25-jährigen Studie bei Großen Tümmlern, Streifendelfinen, Orcas und Schweinswalen aus ganz Europa erschreckend hohe PCB-Werte gemessen. Als besonders belastet erwiesen sich Delfinarten im Mittelmeer. Die Konzentrationen lagen hier von 50 bis zu 350 Milligramm PCB pro Kilo Körpergewicht. Selten lagen die Messwerte darunter. Spätestens ab 40 Milligramm pro Kilo wird es für den betroffenen Organismus gefährlich.

Lautloser Killer

PCB verringert u.a. die Fruchtbarkeit. Die Tiere haben wesentlich seltener Nachwuchs, der dann auch noch mit einer lebensbedrohlichen, schleichenden Vergiftung zu kämpfen und kaum Überlebenschancen hat. Als Säugetiere geben Delfinmütter über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Schadstoffe an ihren Nachwuchs weiter. Zusätzlich führen hohe PCB-Belastungen zu einem erhöhten Infektionsrisiko durch Schwächung des Immunsystems und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Das "Dreckige Dutzend" hochgefährlicher Umweltgifte

PCBs, oder Polychlorierte Biphenyle, sind organische Chlorverbindungen. Sie gehören zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“ krebserregender und hochgiftiger Umweltgifte. Seit 2001 ist ihre Verwendung weltweit verboten, in Europa kamen sie schon seit den 1980er-Jahren kaum noch zum Einsatz. Sie waren beispielsweise in Weichspülern, Flammschutzmitteln oder Farben enthalten. PCB in der Natur nur sehr langsam abgebaut werden, reichern sie sich in den Nahrungsnetzen an. Man findet sie folglich auch in Gebieten, wo sie niemals zum Einsatz kamen, wie im arktischen Eis.

Trotz Verbots gelangen PCB weiterhin in die Umwelt

Erschreckend an beiden Studien ist, dass PCB, obwohl ihr Einsatz seit 15 Jahren verboten ist, in Europa offensichtlich immer noch in großen Mengen in die Umwelt gelangen. Die Forscher vermuten, dass durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Altlasten große Mengen des Giftes in die Meeresumwelt gelangen. So soll es in der EU rund 1,1 Millionen Tonnen mit PCB kontaminiertes Material geben, das noch entsorgt werden muss, vor allem in Spanien und Frankreich.

Bei Orcas und Delfinen, die an den Küsten Nordamerikas leben, sind die PCB-Werte bereits gesunken. Dagegen gibt es für Europa keinen Grund zur Entwarnung, im Gegenteil. Wissenschaftler und Meeresschützer fordern jetzt dringend Maßnahmen, die den PCB-Eintrag in europäische Gewässer reduzieren, damit Delfine in Europa langfristig eine Überlebenschance haben.

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