Das Teufelsnetz von Richards Bay

by | 7. Oktober 2018 | News - Südafrika

Drei Menschen sterben im Hainetz „net 99“ bei Richards Bay

Der Irrglaube, dass Hainetze für Sicherheit sorgen, wurde Anfang August drei Mitarbeitern des KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) zum Verhängnis. Der Propeller ihres Bootes verfing sich während Wartungsarbeiten am berüchtigten „net 99“ vor Newark Beach in rauher See. Das Boot kenterte. Nur zwei der fünf Männer an Bord überlebten den tragischen Unfall. Das Teufelsnetz von Richards Bay – „net 99“ – ist auch das Hainetz, in dem die meisten der vom Aussterben bedrohten Bleifarbenen Delfine an der Küste von KwaZulu-Natal sterben.

Teurer Aberglaube, tief verwurzelt: Wirksamkeit von Hainetzen

Nur wenige Tage zuvor hatten die KZNSB-Mitarbeiter einen Ende Juli begonnen Streik für höhere Löhne beendet. Während dieser Zeit wurden aus Sicherheitsgründen alle Hainetze in KwaZulu-Natal abgebaut.

Plötzlich gab es keine dieser Todesfallen an der Stränden der 320 Kilometer langen Küste. Trotzdem gingen Menschen ins Wasser. Es gab keine Haiangriffe. Niemand kam zu schaden.

Leider ist der Aberglaube an die Wirksamkeit von Hainetzen nicht nur in der Verwaltung der Gemeinde uMhlathuze (Richards Bay) tief verwurzelt. Somit mussten die Netze wieder her. Dabei kostet die Kommune der vermeintliche Strandschutz jährlich umgerechnet etwa 125 000 € an Steuergeldern, die sie dem Sharks Board für Wartung und Austausch der Netze zahlt.

Einer von mehreren Artikeln von David Savides im Zululand Oberserver über das tragische Unglück am Teufelsnetz von Richards Bay – „net 99“. Genau dort, wo die LiveCam installiert ist. Den Snapshot nahm Judith Leiter wenige Augenblicke vor dem Unglück auf.

Mal stehen Hainetze, mal nicht - Chaos in KwaZulu-Natal

Da nicht alle KZNSB-Angestellten den Streik beendet haben, ist die Situation in KwaZulu-Natal derzeit unübersichtlich, um nicht zu sagen chaotisch. An manchen Stränden sind Netze im Wasser, müssen aber immer wieder abgebaut werden da nicht genügend Personal vorhanden ist. An anderen Stränden sind sie seit Ende Juli nicht wieder aufgestellt worden.

Karte Umhlathuze Municipality.Für Meeresbiologin Shanan Atkins von Humpback Dolphin Research ist es, trotz zahlreicher Treffen mit den unterschiedlichsten Entscheidungsträgern, nach wie vor extrem schwierig, in den Köpfen der zuständigen Verwaltungen ein Umdenken in Gang zu setzen.

Jetzt könnten sogar zusätzliche Hainetze installiert werden. Die Gemeinde uMhlathuze plant, Port Durnford, 30 km südlich von Richards Bay, touristisch zu entwickeln. KZNSB soll Möglichkeiten für die Installation von Hainetzen evaluieren. Shanan Atkins wird natürlich alles daran setzen, um die Installation neuer Netze zu verhindern.

Feldarbeit: Delfine erforschen mit dem Projektboot und via LiveCam

Auf vier Kontrollfahrten mit dem Projektboot Ende September trafen Shanan und ihr Team jedesmal wenigstens einen der seltenen und scheuen Buckeldelfine. Bei sechs Tieren handelte es sich „gute alte Bekannte“, also Delfine, die bereits früher einmal hier angetroffen und identifiziert wurden.

Während Shanan und ihr Team die Delfine aus nächster Nähe erforschen, macht dies unsere Unterstützerin und Projektmitarbeiterin Judith Leiter aus Tirol per LiveCam aus 8 600 km Entfernung.

Seitdem LiveCam und Videostream zuverlässig laufen, zündete Judith Leiter ein Feuerwerk von 31 Delfinsichtungen im August und September. Meistens handelte es sich um Bleifarbene Delfine.

Diese belastbaren Daten sind sehr wichtig für das Schutzprojekt. Eindrucksvoll untermauern sie, dass die Küste vor Richards Bay von hoher Attraktivität für die seltene Buckeldelfinart ist. Abgesehen von den residenten Tieren, kommen Bleifarbene Delfine auf ihren Wanderungen immer wieder hierher, so wie es jetzt aussieht, das ganze Jahr über. Um so fataler ist es, wenn sie hier Gefahr laufen, in ein Hainetz zu schwimmen.
Foto oben: David Savides

Zwei Bleifarbene Delfine am Newark Beach vor dem Teufelsnetz „net99“. Foto: David Savides

Helfen Sie den Bleifarbenen Delfinen jetzt mit Ihrer Patenschaft

LineL

LineL lebt das ganze Jahr über in den Gewässern von Richards Bay und wurde im Mai 1998 erstmals gesichtet. Auf dem Bild ist sie mit Nachwuchs "Lilo" (hinten) zu sehen.

Zipper

Zipper ist ein Weibchen, das bereits seit sehr langer Zeit regelmäßig vor Richards Bay beobachtet wird. Die mehrfache Mutter dürfte mindestens 34 Jahre alt sein.

Venus

Das Delfinweibchen Venus (im Bild hinten) wird vor Richards Bay am häufigsten gesichtet. Sie dürfte mindestens 30 Jahre alt sein und ist dreifache Mutter.

l

Weitere Artikel

Ganz weit weg und doch ganz nah dran – Mit der HDR-LiveCam

Sie sind zwar ganz weit weg, die letzten überlebenden Bleifarbenen Delfine an der Ostküste von Südafrika, doch man kann ihnen ganz nah sein. Über die „Humpback Dolphin Research LiveCam“ oder jetzt ganz neu auf unserer Webseite mit der Online-Sichtungskarte „Delfinsichtungen vor Richards Bay“.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN:
DE57 7002 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33MUE

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.