Bericht 2019 – Schutz unserer Bleifarbenen Delfine

von | 29. September 2019 | News - Südafrika

Ein spannendes Jahr mit großen Fortschritten

Das war bisher ein spannendes Jahr mit interessanten Fortschritten. Besonders hervorzuheben ist, dass 2 Hainetze in Richards Bay durch 9 Köderhaken ersetzt wurden. Auch das „net 99“, das uns seit Jahren große Sorgen bereitete, weil in ihm so viele Bleifarbene Delfine starben, ist weg. Ersetzt durch 4 Köderhaken (drumlines). Ein riesiger Fortschritt beim Schutz unserer Bleifarbenen Delfine!

Ein toter Bleifarbener Delfin wird aus “net 99” geborgen © Brett Atkins

Unzufriedene Surfer beruhigen sich schnell

Zuerst waren die Surfer unzufrieden. Weil sie befürchteten, dass durch die Köderhaken Haie angelockt würden. Doch sich beruhigten sich bald. Obwohl Köderhaken sich nicht gut anhört, machen sie doch das Gleiche wie die Netze. Jedoch mit deutlich reduziertem Beifang. Daher sind sie vorzuziehen.

Ein langer Weg

Bevor „net 99“ endlich entfernt wurde, führten wir eine Studie über die Strandnutzung in Richards Bay durch. Dabei fanden wir heraus, dass Newark Beach nur selten (<10mal/Monat) genutzt wird. Hauptsächlich von Surfern. Newark Beach, wo „net 99“ stand, ist weit weniger beliebt als Alkantstrand.

Stakeholder-Interviews

Ich habe damit begonnen, Stakeholder zu befragen, um Einstellungen und Wissen über Hainetze in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu erforschen. Bisher führte ich 20 Interviews durch, u.a. mit Mitarbeitern des Sharks Board, Beamten der Stadt- und Provinzverwaltungen und Naturschützern. Es war faszinierend, alle Perspektiven zu hören, und sich gut mit allen zu verbinden.

LiveCam – Neu und mit viel mehr Power

Unsere Videokamera bewährte sich im rauen, salzigen Wind mehr als 2 Jahre lang. Zuletzt allerdings gab es immer häufiger Ausfälle.

Vom KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) erhielten wir nun eine neue. Unser IT-Experte, Brett Atkins, installierte sie und programmierte sie um.

Jetzt funktioniert es besser denn je. Auch die neue Ausrüstung von Nerospec-Network ist hervorragend.

Das macht einen großen Unterschied bei Videoqualität und Fernsteuerungsfunktionalität. Wenn Delfine vor Richards Bay auftauchen, kann man nun viel schneller und besser reagieren.

Ungemein wichtig ist auch die kontinuierliche Unterstützung von Shakes Hiraman, Chief Sports and Recreation Officer der Gemeinde uMhlathuze. 

Er ist für den Strand verantwortlich. Sorgt für sichere Unterbringung unserer Ausrüstung und hält sie in Schuss.

Lauschangriff auf Delfine und Wale

Auch unser Hydrophon funktionierte gut. KZNSB tauschte jetzt den externen Akku aus. Denn der alte war vor einigen Monaten bei einem Sturm irreparabel beschädigt worden. Bis es so weit war, lud unser Unterstützer, Technikfreak Rodger Doust, die Daten herunter.

Dadurch konnten wir 2019 die Unterwasserakustik in der Hafenmündung von Richards Bay fast durchgehend erfassen. Mehr als 5000 Stunden an Aufnahmen sind dabei entstanden.

Diese sollen nun in das geplante SouSA Akustikprojekt einfließen. Es wird unter der Leitung der Bioakustikerin Dr. Tess Gridley von der Stellenbosch University noch in diesem Jahr beginnen. Zusätzlich konnten wir unsere eigene MSc-Studentin, Natasha Shilubane, für das SouSA Akustikprojekt ab 2020 gewinnen.

Citizen Science - Bürgerforschungsprogramm

Unser Bürgerforschungsprogramm läuft ebenfalls weiter. Es ist ein wichtiges Projektmodul für den Schutz unserer Bleifarbenen Delfine.

Bis Ende September gab es 217 Delfinsichtungen. Hauptsächlich von unserer #1 Enthusiastin Judith Leiter aus Österreich, aber auch einige aus Durban.

Unser lokaler Delfinfan, Journalist Dave Savides, besuchte weiterhin regelmäßig die North Breakwater Delfinbeobachtungsplattform. Dort sprach er mit vielen Besuchern über die Delfine. Zusätzlich steuerte er 451 Fotos von Bleifarbenen Delfinen und Großen Tümmlern bei.

Delfin gesichtet? Sichtungen von der North Breakwater Beobachtungsplattform

Was vom Tage übrig bleibt

Fotos von Dave Savides, Zululand Observer.

Einladung zur Internationalen Walfangkonferenz (IWC) in Kenia

Auf der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfangkonferenz in Kenia konnte ich unsere Arbeit für den Schutz unserer Bleifarbenen Delfine vorstellen.

Es überraschte mich zu hören, wie besorgt internationale Wissenschaftler über die Situation der Buckeldelfine sind. Primäre Empfehlung des IWC-Kleinwal-Komitees war denn auch die Bildung einer Task-Force. Diese soll sich auf “Sousa in Afrika” konzentrieren. Also den Atlantischen Buckeldelfin oder Kamerunflussdelfin (Sousa teuszii) und unseren Indischen Buckeldelfin oder Bleifarbenen Delfin (Sousa plumbea). Ich bin in dieser Task-Force.

Wir haben eine gute Vorstellung davon, was zu tun ist. Unsere erste Aufgabe ist es nun, die notwendigen Mittel zu finden, damit wir die erforderlichen Maßnahmen ergreifen können.

IndoCet-Tagung auf Reunion - Facebook für Wale und Delfine

Auf Einladung von IndoCet, einem Konsortium von Meeressäugerspezialisten aus dem Indischen Ozean, reiste ich auch nach Reunion.

Neben unglaublich nützlichen Netzwerkmöglichkeiten war einer der Hauptvorteile der Zugang zu einer Foto-Identifizierungsplattform namens Flukebook (wie Facebook für Wale und Delfine).

Sie erleichtert den Austausch zwischen Projekten und man hofft, in Zukunft automatisierte Erkennungsalgorithmen entwickeln zu können.

Auf Reunion besuchte ich auch das „Centre for Shark Risk Reduction“. Denn die Insel erlebte in den letzten zehn Jahren einen drastischen Anstieg von Haiangriffen.

Es war interessant zu sehen, wie sie mit dem Problem umgehen. Wir haben eine Zusammenarbeit begonnen, um die Vorgehensweisen auf Reunion mit der in KwaZulu-Natal zu vergleichen.

Vielen Dank für all die Hilfe für den Schutz unserer Bleifarbenen Delfine!

Vielen herzlichen Dank an alle, die sich mit ihrer Zeit, ihrem Know-how und ihrer finanziellen Unterstützung für den Schutz unserer Bleifarbenen Delfine einsetzen.

Ohne sie, gäbe es dieses Projekt nicht. Sie geben den Delfinen eine Chance zu überleben!
Zusammengestellt von Ulrich Karlowski

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LineL

LineL lebt das ganze Jahr über in den Gewässern von Richards Bay und wurde im Mai 1998 erstmals gesichtet. Auf dem Bild ist sie mit Nachwuchs "Lilo" (hinten) zu sehen.

Zipper

Zipper ist ein Weibchen, das bereits seit sehr langer Zeit regelmäßig vor Richards Bay beobachtet wird. Die mehrfache Mutter dürfte mindestens 34 Jahre alt sein.

Venus

Das Delfinweibchen Venus (im Bild hinten) wird vor Richards Bay am häufigsten gesichtet. Sie dürfte mindestens 30 Jahre alt sein und ist dreifache Mutter.

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