Südafrika: Wissenschaftler wollen Aussterben von Buckeldelfinen verhindern
Meeressäuger leiden unter Hautinfektionen durch Pockenviren und Pilze
Vor Südafrika erkranken immer mehr Bleifarbene Delfine. Sie leiden unter Hautinfektionen, wie der tattoo skin disease oder Lobomycosis. Die Krankheiten werden von Pockenviren und Pilzen ausgelöst. Darauf machte das SouSA Consortium anlässlich der „Nationalen Woche der Meere“ in Südafrika aufmerksam.
Das SouSA Consortium ist eine einzigartige Initiative von 16 südafrikanischen Meeressäugerspezialisten. Gemeinsam wollen sie die letzten Bleifarbenen Delfine des Landes retten. Von der zu den Buckelfinen zählenden Delfinart (Sousa plumbea) gibt es in Südafrika aktuell nur noch etwa 500 Exemplare.
Die Gruppe der in 12 Universitäten und Forschungsinstituten arbeitenden Wissenschaftler wurde 2016 gegründet. Ihr Name leitet sich vom Gattungsnamen der Buckeldelfine, Sousa, ab. Alle der vier derzeit anerkannten Sousa-Arten sind vom Aussterben bedroht.
v.l.n.r.: Dr. Stephanie Plön, Dr. Gwen Penry, Meredith Thornton, Shanan Atkins, Danielle Conry, Dr. Keshni Gopal.
„Wir haben uns zusammengeschlossen, um systematisch Forschungsergebnisse zusammenzutragen. Gemeinsam wollen wir Lösungen finden, um das Aussterben der Bleifarbenen Delfine in Südafrika zu verhindern“, sagt Dr. Simon Elwen vom Säugetierforschungsinstitut der Universität Pretoria.
Landesweite Datenerfassung über den Zustand der Population
Ursachen der auffälligen Erkrankungen sind wahrscheinlich belastete kommunale und landwirtschaftliche Abwässer sowie Stress. Alles Faktoren, die das Immunsystem der Meeressäuger schwächen. Unter Leitung von Dr. Stephanie Plön von der Nelson Mandela University in Port Elizabeth fassen die Wissenschaftler landesweit alle verfügbaren Daten über Hautkrankheiten, Verletzungen und anderer Leiden von Bleifarbenen Delfinen zusammen.
Unterstützung erhalten sie dabei von der weltweit führenden Expertin für Hauterkrankungen bei Meeressäugern, der Tierärztin Dr. Marie-Francoise van Bressem vom Zentrum für Meeressäugerforschung aus Peru.
Bleifarbener Delfin mit tattoo skin disease. Foto: Brett Atkins
Scheue Cousins von „Flipper“
Buckeldelfine sind weitaus weniger erforscht und viel scheuer als die sehr viel bekannteren und neugierigen Großen Tümmler (Tursiops truncatus). Sie sind zwischen 2m und 3m groß, bis zu 200kg schwer und haben eine lange, schlanke Schnauze. Wie Buckelwale haben sie in der Mitte ihres massigen Körpers einen charakteristischen Rückenbuckel. Ihre Körperfarbe variiert stark: von Braun oder Hellgrau, bis zu Rosa und Weiß.
Buckeldelfine leben sehr küstennah. Dadurch sind sie besonders exponiert gegenüber negativen menschlichen Einflüssen, wie Küstenfischerei, der ungeklärten Einleitung von Abwässern, Schiffsverkehr oder Tourismus. Vor Madagaskar werden sie gejagt und für den menschlichen Verzehr getötet.
Die letzten 500 in Südafrika
„Das zur Verfügung stehende Fotomaterial aller Forschungsgruppen wird nun analysiert. Die Häufigkeit von Hauterkrankungen ist ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand einer Delfinpopulation. Darüber hinaus fahnden wir auch nach Verletzungen durch Schiffspropeller und anderer von Menschen aber auch Haien verursachter Verletzungen bei den Tieren”, erklärt Dr. Stephanie Plön.
Ziel des SouSA Consortiums sind landesweite Managementpläne für effektive Schutzmaßnahmen.
Bleifarbener Delfin. Foto: Brett Atkins
An 13 Forschungsschwerpunkten an der Küste werden Bleifarbene Delfine von den Wissenschaftlern fotografisch erfasst.
Ehrung auf der World Marine Mammal Conference 2019
Auf der World Marine Mammal Conference in Barcelona wurde das SouSA Consortium für sein Engagement und seinen Vortrag ausgezeichnet. Es erhielt den „Judges Discretionary Award“. Damit werden Organisationen gekürt, die bei der Jury einen „Wow-Effekt“ auslösen.
Der Vortrag des SouSA Consortiums – einer von insgesamt 1640 Vorträgen auf der World Marine Mammal Conference – scheint auf die Jury Eindruck gemacht zu haben.
Sinnloses Sterben in Hainetzen an der Küste von KwaZulu-Natal
Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) unterstützt seit 2017 die dem SouSA Consortium angehörende südafrikanische Meeresbiologin Shanan Atkins. Sie hat sich mit ihrem Projekt „Humback Dolphin Research“ zum Ziel gesetzt, das Stellen von Hainetzen an beliebten Badestränden entlang der Küste der Provinz KwaZulu-Natal zu beenden. In den zum Schutz von Schwimmern und Surfern vor Haiangriffen installierten Stellnetzen sterben regelmäßig auch vom Aussterben bedrohte Bleifarbene Delfine.
Das gefährlichste Hainetz an der Küste von Südafrika ist Geschichte!
Kontakt SouSA Consortium:
Dr. Stephanie Plön
AEON-Earth Stewardship Science Research Institute
Nelson Mandela University
+27(0)763791067
E-Mail: stephanie.ploen@gmail.com
www.sousaproject.org
Shanan Atkins
Humback Dolphin Research
E-Mail: iknowthatdolphin@gmail.com
http://conservedolphins.weebly.com/
Foto oben: Bleifarbener Delfin mit tattoo skin disease. Von Brett Atkins
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