Das schmutzige Geschäft mit den Walen

Auf dem unsicheren Weg in die Freiheit

Herzzerreisende Bilder: In der russischen Hafenstadt Nakhoda wurden über 100 Belugas und Orcas in Käfigen gefunden. Die Jungtiere und Babys sind im”Anpassungszentrum und Erziehungslager für Meeressäuger” auf winzigem Raum eingesperrt. Nach weltweiten Protestaktionen und immenser internationaler Aufmerksamkeit haben russische Gerichte endlich die Verantwortlichen zu Geldstrafen wegen dem Walgefängnis verurteilt.

In Freiheit gefangen um in Gefangenschaft zu leiden und zu sterben

Nahezu 100 Belugas und Orcas wurden in der Nähe des Hafens von Nakhodka in der Bucht von Srednjaja unter Wasser in einem Walgefängnis gehalten. Vermutlich stammen die Tiere aus dem Ochotskischen Meer. Hier wurden sie ihrer Familien entrissen und von den Müttern gestohlen. Einige der Babys wurden zum Zeitpunkt des Raubes noch gesäugt.

In den Gefängnissen werden sie zu gehorsamen Showtieren ausgebildet. Sie müssen um Futter betteln und Kunststücke ausführen. Unter den miserablen Bedingungen sterben viele von ihnen. Bei der Inspektion der Müllhaufen um das Tiergefängnis finden sich entsetzlich viele Leichen von Jungtieren wieder. Grundsätzlich sind Verkauf und Fangen von Belugas und Orcas in Russland nicht strafbar. Deshalb unterstützt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine ein Fangverbot.

Zum Glück erhielt die Grausamkeit enorme Medienpräsenz nachdem Masha Netrebenko im Oktober 2018 ein Video veröffentlichte, in dem Luftaufnahmen vom Walgefängnis zu sehen sind. Die Videos zeigen die über 100 Meeressäuger in kleinen Käfigen. 

Ausflüge in das Walgefängnis

Laut Tierrechtsaktivisten führt das “Anpassungszentrum und Erziehungslager für Meeressäuger” Touren im Lager durch. Desaströs! Denn die Tiere müssen durch die Verantwortlichen auf ihre Freilassung vorbereitet werden, anstatt zur Unterhaltung zu dienen.

Der Kampf der Tierschützer

Die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Pamela Anderson unterstützten den Kampf gegen das Walgefängnis: Pamela Anderson schrieb einen Brief mit der Aufforderung der Freilassung an Wladimir Putin. Auch Leonardo DiCaprio nutzte seine Prominenz und forderte seine Fans auf, die Petition gegen das Walgefängnis zu unterzeichnen. Heute haben sie bereits über 1.500.000 Menschen signiert. 

Freilassung hat begonnen

Nach der Verurteilung zu Geldstrafen mehrer Unternehmen, welche in das Geschäft verwickelt sind, wurde die Freilassung der ersten Orcas bereits initiiert. Dabei berichtet das Russian Research Institute of Fisheries and Oceanography (VNIRO)dass die Tiere wohl in eine Meesessäugerbasis gebracht werden. Von dort werden sie in die Bucht von Sakhalin freigelassen.

Außerdem informierte die Berliner Morgenpost vergangene Woche über die Auswilderung einiger Meeressäuger: Die über 1800 Kilometer lange Reise dauert sechs Tage. Dabei werden die Wale in einer winzigen Wanne mit dem Lastwagen in die Nähe von Chinas Grenze gefahren. Dort lädt man sie in einen Frachtkahn. Daraufhin durchqueren sie den Fluss Amur nach Nikolajewks. Hier werden die Meeressäuger erneut in einen Wagen verfrachtet und anschließend ans Meer gebracht. Auf ihrer Reise in die Freiheit sind die Tiere einem unglaublichen Stress ausgesetzt!

Alle gefangenen Meeressäuger sollen bis Oktober ausgewildert werden. 

Tierschützer kritisieren schnelle Freilassung

Tierschützer behaupten zurecht, dass die Tiere vor der Auswilderung eine Rehabilitationszeit brauchen. Jedoch sollen sie direkt in die Freiheit entlassen werden. Dies ist höchst gefährlich und riskant. Viele der Belugawale sind noch jung und haben keine Erfahrung. Sie benötigen dringend die Integration in ihre Familie, um zu überleben.

Geldgier und Grausamkeit über Tierschutz

Die Orcas und Belugas aus der Bucht sollten vermutlich für hohe Summen an chinesische Aquarien und Themenparks verkauft werden. Das Geschäft ist für die Verkäufer rentabel: Sie verdienen für einen Orca mehrere Millionen US-Dollar.

Da chinesische Marineparks boomen, herrscht extrem hohe Nachfrage für die Meeressäuger. Die Zahl der Zoos und Marineparks in China steigt. Derzeit existieren dort mehr als 60 Aquarien und Delfinarien. Beispielsweise wurden vor einigen Wochen acht Delfinbabys in ein neues chinesisches Delfinarium verfrachtet. Das Wohlergehen von Tieren hat in China keine hohe Bedeutung. Tierschutzaktivisten sind in diesem Land oftmals letzte Chance für die Lebewesen.

Von Horrortrip zum Alptraum

Das Leben der gefangenen Jungtiere wie im Walgefängnis vor Nakhoda ist ein Alptraum: Sie werden von ihren Müttern und Familien getrennt und in Lagern unter desaströsen Bedingungen zu gehorchenden Lebewesen erzogen. Den Tieren wird jegliche Natürlichkeit genommen, um dann in Flugzeugen und Lastwagen über tausende Kilometer hinweg in Betonkisten ohne Bewegungsfreiheit mit anderen, fremden Lebewesen zu landen. Ihr restliches, trauriges Leben müssen die intelligenten Tiere getrennt von ihrer Familie und ihrer natürlichen Umgebung zur Unterhaltung dienen.

Skandalöse Enthüllung

Die Luftaufnahmen des Tierrechtsaktivisten zeigten eine skandalöse Enthüllung. Laut offiziellen Angaben soll Russland zwischen 2008 und 2017 rund 250 Belugas und 15 Orcas an andere Länder verkauft haben. Davon kaufte China alle 15 Orcas und 214 Belugas. Die Aufnahmen jedoch zeigen etwa die Hälfte davon in einem einzigen Lager. Dies lässt mit hoher Sicherheit vermuten, dass die Dunkelziffer der Walexporte drastisch höher ist als vermutet.

Kommentar

“Aus Sicht der GRD ist es zunächst begrüßenswert, dass die Tiere nun in die Freiheit entlassen werden. Dass dies überhaupt möglich wurde, liegt an dem großen öffentlichen Druck auf die Verantwortlichen. Allerdings gibt es auch offene Fragen. Eine solche Aktion wurde bisher noch nie durchgeführt. Es sind dabei viele Faktoren zu bedenken: der Gesundheitszustand der Tiere nach der langen Zeit im “Wal-Gefängnis”, der Stress durch die langen Transportwege und die kurze Rehabilitationszeit. Sind sie in der Lage sich wieder eigenständig zu ernähren? Sind sie vom Menschen bereits entwöhnt? Werden sie sich wieder ihren Familien anschließen? Es bleibt daher abzuwarten, ob die Audwilderung für alle Orcas und Belugas erfolgreich verläuft und alle Tiere überleben.”, erklärt Projektmitarbeiterin Marleen Hausner.

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