Großer Tümmler – Warum heißt der so?
Manchmal ist es eine Krux mit deutschen Artnamen für Delfine
Wie kommt man vom englischen „Bottlenose Dolphin“ (Flaschennasen Delfin) zum Artnamen Großer Tümmler? Als sein Entdecker, der britische Zoologe und Hauptmann der britischen Armee George Montagu, 1814 erstmals einen Großen an Hand eines Schädels beschrieb[1], nannte er ihn Delphinus truncatus – den Delfin mit den vielen ebenmäßigen konisch abgestumpften (truncatus) Zähnen. Denn bis zu 80 derartiger homogener Zähne kann die kurze, flaschenförmige Schnauze der Art beherbergen.
Von Hungerbrunnen und Tauben über Wäscheschleudern zum Großen Tümmler
Tümmler oder Tummler findet man im Fränkischen als Bezeichnung für einen sogenannten „Hungerbrunnen“. Laut Wikipedia werden diese Namen auch für ein charakteristisches Glasgefäß der Völkerwanderungszeit des 5. bis 8. Jahrhunderts verwendet.
Tümmlertauben (Tumblerpidgeons) wiederum umfassen eine Taubengruppe, der über 100 Rassen angehören. Sie werden so genannt weil, „die Namensgebung so viel bedeutet wie tummeln, wälzen, überschlagen und ihren außergewöhnlich schönen Flugstil beschreibt“, erklärt der Verband Deutscher Rassetaubenzüchter e.V.
Und in Teilen Norddeutschlands ist Tümmler ein anderes Wort für Wäscheschleuder, die oft ein gewisses taumelndes Eigenleben führen. Wahrscheinlich stammt dies vom englischen „tumble dryer“ (Wäschetrockner).
Lässt man den sicherlich nicht taumelnden, 1904 in Dienst gesetzten deutschen Eisbrecher „Tümmler“ außen vor, dann hat der Große Tümmler seinen Namen wohl wegen seiner lebhaften, geschickten dabei manchmal taumelnden Bewegungen erhalten. Einen außergewöhnlich schönen „Flugstil“, Über- und Unterwasser beherrschen diese sehr aktiven, neugierigen und verspielten und bis zu 4 m großen und über 600 kg schwer werdenden Meeressäuger jedenfalls.
Paracas-Patendelfin “Bodo” aus Peru. Foto: ACOREMA
Der Delfin
Es gibt den Großen im Deutschen noch in Klein. Schweinswale werden gern als Kleine Tümmler bezeichnet, auch wenn man deren Bewegungskünste, selbst bei vielem guten Willen, nicht wirklich mit denen des Großen Tümmlers vergleichen kann. Und eng verwandt sind die beiden auch nicht. Zur Gattung Tursiops gehören, neben dem Großen, noch der Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus) und der Burrunan Delfin (Tursiops australis).
Der Große Tümmler oder Bottlenose Dolphin ist, seit George Montagu 1814 den Schädel seines Delphinus truncatus untersuchte und beschrieb, zum Delfin schlechthin geworden – er ist „Flipper“.
Foto oben: Große Tümmler vor Teneriffa von Claudia Hautumm
[1]Montagu, G. (1821). Description of a species of Delphinus, which appears to be new. Memoirs of the Wernerian Natural History Society 3:75–82.
Weitere Artikel
Aktionsplan für den bedrohten Buckeldelfin gestartet
2024 wurde das Indian Ocean Humpback Dolphin Conservation Network (HuDoNet) von unserer südafrikanischen Projektpartnerin Dr. Shanan Atkins ins Leben gerufen. Ziel des Netzwerks, dem 71 Meereswissenschaftler:innen und Naturschützer:innen aus 17 Ländern im westlichen Indischen Ozean angehören, ist es, den Schutz der gefährdeten Buckeldelfine im Indischen Ozean nachhaltig zu verbessern. Jetzt startet HuDoNet mit der Umsetzung des gemeinschaftlich entwickelten Aktionsplans, um den Schutz dieser bedrohten Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gezielt voranzubringen.
weiterlesenMarineland Antibes: Das Schicksal der verbliebenen Orcas
Marineland Antibes – einst ein beliebter Freizeitpark an der Côte d’Azur – stand lange Zeit sinnbildlich für das Leiden von Meeressäugern in Gefangenschaft. Auch nach der Schließung des Delfinariums im Januar 2025 hat sich an diesem Status nichts verändert. Das Schicksal der letzten zwei Orcas und zwölf Delfine ist ungewiss, die Sorge um ihre physische und psychische Gesundheit wächst. Ein geschütztes Meeresrefugium wäre die beste Lösung. Doch wie realistisch ist es, dass diesen 14 Tieren endlich ein Leben in Würde ermöglicht wird?
weiterlesenHohes Risiko: Diese Walrarten könnten schon bald aussterben
Jahrhundertelang waren Harpunen ihre größte Bedrohung. Heute sind es Fischernetze, Frachtschiffe, Industrieanlagen und globale Schwarzmärkte. Manche Walarten bzw. -populationen zählen nur noch wenige hundert Tiere, andere kaum mehr als eine Handvoll Individuen. Wir stellen an dieser Stelle fünf der am stärksten bedrohten Walbestände weltweit vor.
weiterlesen
