Hongkong: Neue Flughafenlandebahn gefährdet rosa Delfine

by | 13. Juli 2014 | News - Delfine

Weitgehend rätselhafte und streng geschützte Delfinart

Der geplante Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport gefährdet das Überleben der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis) in den Gewässern der Millionenmetropole. Seit Jahren warnen Experten vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong.

Sehr küstennah lebende Delfine

Das Verbreitungsgebiet der auch als Indopazifischer Buckeldelfin bekannten Art erstreckt sich auf die Küstengewässer des Indischen und Westpazifischen Ozeans. Man findet sie z.B. in der Straße von Taiwan, vor der afrikanischen Ostküste, vor Australien und China. Gelegentlich werden sie auch im Mündungsbereich von Flüssen gesichtet.

Küstennahe menschliche Aktivitäten stellen diese Delfinart vor große Probleme, da sie ganz überwiegend in Küstennähe und flachen Gewässern lebt. Selten halten sich die Tiere in Wassertiefen von mehr als 20 Metern auf. Nach Schätzungen der Chinesischen Akademie für Fischereiwissenschaften sollen nur noch rund 2000 dieser Meeressäuger in den Meeresgebieten rund um China leben.

Rätselhafter Anstieg der Jungensterblichkeit

Seit mehr als einem Jahr wird in den Gewässern vor Hongkong ein besorgniserregender Anstieg der Jungensterblichkeit unter den Delfinen beobachtet. Vermutungen, dass die kleinen Delfine an kontaminierter Muttermilch sterben, konnten bislang allerdings nicht bestätigt werden. Für den Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport werden 672 Hektar Land trockengelegt. Die Kapazität des Flughafen soll so bis 2030 auf jährlich 102 Millionen Passagiere erweitert und die Frachtkapazität auf 8,9 Millionen Tonnen pro Jahr ausgebaut werden.

Für die Delfine wäre besonders die Bauphase durch Unterwassersprengungen und –ausbaggerungen und zusätzlichem Schiffsverkehr mit erheblichen zusätzlichen Belastungen wie Verschmutzung, Lärm sowie Gefahr durch Schiffskollisionen verbunden. Zusätzlich verkleinert die neue Landebahn ihren Lebensraum. Professor Lam Chiu-ying von der Chinesischen Universität von Hongkong schlägt deshalb vor, die Auslastung der beiden bestehenden Landebahnen zu erhöhen.

Nur noch knapp 1100 Delfine leben vor Hongkong

Im Rahmen eines Langzeitsprojekts des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Umweltschutz Hongkongs wurden vom April 2012 bis zum März 2013 die in den Gewässern um Hongkong lebenden Chinesischen Weißen Delfine von Schiffen, Helikoptern, mit Hydrophonen und von Beobachtungsstationen an Land aus gezählt. Dabei fand man 345 Gruppen mit insgesamt 1097 Delfinen – der niedrigste Stand seit 10 Jahren. Besonders in den Gewässern um die Insel Lantau, der größten Insel Hongkongs, stellten die Wissenschaftler einen starken Rückgang der Bestände fest. Diese waren auf den niedrigsten Stand innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 10 Jahren gefallen.

Es hilft den oft rosa gefärbten langschnabeligen Tieren mit ihrem charakteristischen Buckel offenbar wenig, dass sie als eine Art Maskottchen für die Giga-Metropole gelten und sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Zu groß sind Landhunger und wirtschaftlicher Wachstumsdruck der drittgrößten Metropolregion der Volksrepublik China.

Delfinmutter "bestattet" ihr totes Baby

Im Juli 2012 sorgte ein sehr bewegendes Video über einen weiblichen Chinesischen Weißen Delfin weltweit für Aufsehen. Es zeigte wie die Delfinmutter ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer brachte. Aus menschlicher Perspektive gesehen, hatte dieses Verhalten fast schon den Anschein eines Bestattungsrituals.
Foto oben: Buckedelfin „Mystique“ von Kai Binder / Das Netz

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