Wieder da: Rosa Delfine vor Hongkong

von | 21. September 2020 | News - Delfine

Ein Rosa Delfin vor Hongkong.

Weniger Schiffsverkehr = Mehr Delfine

Überall auf der Welt wissen Meerestiere den zurückgegangenen Schiffsverkehr seit Ausbruch der Pandemie zu schätzen. So auch in den Gewässern vor Hongkong. Dort sind Rosa Delfine oder Chinesische Weiße Delfine (Sousa chinensis) wieder in größerer Zahl anzutreffen. Sie profitieren davon, dass seit Monaten weniger Containerriesen den Hafen anlaufen. Auch zwischen den vorgelagerten Inseln fahren jetzt nicht mehr so viele Schnellfähren. Wie alle Buckeldelfine leben Rosa Delfine sehr küstennah. Die mit vielen umherfahrenden Schiffen verbundenen Lärmemissionen vertreiben die recht scheuen Meeressäuger oder verursachen tödliche Kollisionen. Jetzt verzeichnet man bis zu 30 Prozent mehr Sichtungen von Rosa Delfinen vor Hongkong. Dabei kehrten auch Individuen zurück, die seit mehreren Jahren nicht mehr vor Honkong gesehen wurden.

Chinesische Weiße Delfine oder Rosa Delfine gehören zu den Buckeldelfinen

Die Populationen dieser zu den Buckeldelfinen zählenden Art vor Hongkong und in der Taiwanstraße gehören zu den weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugern. Nach Schätzungen der Chinesischen Akademie für Fischereiwissenschaften soll es nur noch rund 2000 dieser Delfine in den Meeresgebieten rund um China geben.

Rosa Delfine vor Hongkong: Hohe Sterblichkeit bei Jungtieren

Seit Jahren beobachten Wissenschaftler mit Sorge unter den Rosa Delfinen vor Hongkong eine hohe Jungtier-Sterblichkeit. Zurückgeführt wird dies vor allem auf Wasserverschmutzung. Experten befürchten das Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Unterpopulationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong.

Vermutungen, dass die kleinen Rosa Delfine vor Hongkong an kontaminierter Muttermilch sterben, bestätigten sich allerdings nicht.

Ein junger Bleifarbener Delfin. Die Art ist eng mit den Rosa Delfinen vor Hongkong verwandt.

Ein junger Bleifarbener Delfin. Die Art ist eng mit den Rosa Delfinen vor Hongkong verwandt. Foto: Brett Atkins

Schwerer Stand für die Pandas der Meere

Es hilft den oft rosa gefärbten, langschnabeligen Meeressäugern mit ihrem charakteristischen Buckel wenig, dass sie eine Art Maskottchen für viele Chinesen sind. In der Bevölkerung genießen sie als „Pandas der Meere“ (Taiwanesen nennen sie „pink dolphins“) große Beliebtheit. Doch Landhunger und wirtschaftlicher Wachstumsdruck der drittgrößten Metropolregion der Volksrepublik China ließen sich bis zum Ausbruch der Pandemie einfach nicht aufhalten.

So gelang es trotz erheblicher Anstrengungen bislang nicht, den Bestand der Rosa Delfine vor Hongkong zu stabilisieren.

Bleifarbener Delfin. Die Art ist eng mit den Rosa Delfinen vor Hongkong verwandt.

Bleifarbener Delfin (Sousa plumbea). Die Art ist eng mit den Rosa Delfinen vor Hongkong verwandt. Foto: Brett Atkins

Buckeldelfine sind braungrau, hellgrau, pink oder weiß

Diese zwischen 2m und 3m großen und bis zu 200kg schweren Delfine zeichnen sich durch ihren charakteristischen längsgezogenen Rückenbuckel in der Mitte ihres massigen Körpers aus. Außerdem durch eine lange, schlanke Schnauze und die Variationen ihrer Körperfarbe (Braungrau, Hellgrau, Pink oder Weiß).

Der schwedische Entdecker Per Osbeck war höchst erstaunt, als er 1765 im Chinesischen Meer „spielende schneeweiße Delfine“ fand. Buckeldelfine bevorzugen Mangrovensümpfe, Lagunen und Mündungen. Aber auch Areale mit Riffen, Sand- und Schlammbecken, wo sie Fische, Krustentiere und Mollusken jagen.

Jungtiere springen oft und machen dabei komplette Rückwärtssaltos. Gelegentlich liegen diese Delfine auf der Seite und „winken“. Die langsam schwimmenden Tiere schließen sich gern mit Großen Tümmlern, Indischen Schweinswalen und Ostpazifischen Delfinen zusammen.

Man unterscheidet heute vier Arten von Buckeldelfinen:

 

Delfinmutter trauert um ihr Jungtier

Im Juli 2012 sorgte ein Video eines Rosa Delfins weltweit für Aufsehen: Eine Delfinmutter trug ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer, wo es seine letzte Ruhe finden sollte.

Augenzeugen berichteten, dass der kleine Körper des toten Babys durch die starke Strömung immer wieder vom Rücken der Mutter rutschte. Doch stets brachte sie den kleinen Körper erneut in Position quer vor ihrer Rückenfinne, um ihn weiter transportieren zu können – bis der Platz für die letzte Ruhe erreicht war. Die Mutter blieb zwei bis drei Tage lang bei ihrem toten Baby, bis sie endgültig Abschied nahm.

Infografik: Buckeldelfine, Verteilung und Charakteristika von Dr. Simon Elwen from Sea Search and Coen Soeteman from HAS University

Grafik: Dr. Simon Elwen from Sea Search and Coen Soeteman from HAS University

l

Weitere Artikel

Wo ist „Fungie“?

Wo ist der Delfin „Fungie“? Mit Sorge stellen sich viele Menschen in Irland derzeit diese Frage. Denn „Fungie“ ist nicht mehr da! 1983 tauchte der Große Tümmler in der Bucht des Hafenstädtchens Dingle an der Südwestküste Irlands in der Grafschaft Kerry auf und blieb. „Fungie“ ist mit Abstand der bekannteste „Lone Ranger“-Delfin der Welt. Doch was die Iren viele Jahrzehnte lang gut hinbekamen, ein harmonisches Miteinander von Touristen und einem „Lone Ranger“-Delfin, ist in Schleswig-Holstein nicht denkbar.

weiterlesen

Die Rückkehr der Hurghada-Delfine

Die Biologin Angela Ziltener von unserem Kooperationspartner Dolphin Watch Alliance (DWA) ist seit Juli wieder in El Gouna am Roten Meer. Sie stieß auf überraschende und erstaunliche Verhaltensanpassungen der vor Hurghada lebenden Indopazifischen Großen Tümmler und sehr viel Delfin-Nachwuchs.

weiterlesen

Das Sterben der Ostsee-Schweinswale

Deutschland verliert mehr als 10 Prozent seiner zentralen Schweinswal-Population. Tote Tiere sind direkte Folge einer verfehlten Meerespolitik. Meeresschutzgebiete existieren in Deutschland nur auf dem Papier. In Schutzgebieten wird sogar intensiver gefischt als außerhalb. Zwischen 2000 und 2016 stieg die Zahl tot aufgefundener Schweinswale an unseren Küsten stetig an, von 67 auf 427. In der Ostsee wurden vergangenes Jahr 180 tote Schweinswale gefunden. Abschließende Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN:
DE57 7002 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33MUE

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.