Meeresschutz in der Ostsee: Der Schweinswal kann leicht aufatmen
Zum Schutz des Schweinswals beschließt das EU-Parlament strengere Maßnahmen
Ein Verwandter des Deutschland-Wals wurde jüngst im Golf von Kalifornien als nahezu ausgerottet gemeldet. Für die gefährdeten Bestände in der zentralen Ostsee gibt es hingegen leichte Anzeichen der Hoffnung: In Brüssel wurden jetzt strengere Maßnahmen für den Schutz der Schweinswale beschlossen.
Vor genau 30 Jahren setzte man den Kalifornischen Schweinswal, auch Vaquita genannt, auf die Rote Liste. Obwohl der Lebensraum des Schweinswals in der Folge unter Schutz gestellt wurde und der mexikanische Präsident ein Komitee zur Rettung des Vaquitas ins Leben rief, kann die Art nicht mehr gerettet werden. Der Vaquita gilt als nahezu ausgestorben. Vor allem die Stellnetzfischerei, die auf den begehrten Totoaba-Fisch abzielt, wurde dem Schweinswal zum Verhängnis.
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Trauriger Restbestand: Weniger als 500 Schweinswale in der zentralen Ostsee
Damit der kleinen Population von Schweinswalen in der zentralen Ostsee nicht das gleiche Schicksal widerfährt, wurden jetzt endlich strengere Maßnahmen zum Schutz der Meeressäuger beschlossen. Dies ist auch dringend notwendig, da der Bestand in den vergangenen 70 Jahren um fast 100 Prozent zurückgegangenen ist. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Lebenserwartung auf ein Alter von drei bis vier Jahren (ohne menschliche Einflüsse können Schweinswale ein Alter von bis zu zehn Jahren erreichen). Fakt ist: In der zentralen Ostsee gibt es weniger als 500 Tiere. Der Gewöhnliche Schweinswal ist hier vom Aussterben bedroht. (Lesetipp: Bundeswehr torpediert Schweinswalschutz)
Gefahren lauern für das „Tier des Jahres 2022“ überall. Exemplarisch können Sprengungen von Weltkriegsmunition, die Belastungen des Wassers z.B. durch Schwermetalle oder der zunehmende Unterwasserlärm genannt werden. Besonders fürchten muss der Schweinswal aber die Fischerei. Um das Ertrinken der Deutschland-Wale in Geisternetzen zu verhindern, bergen wir seit 2019 diese tödlichen Fallen, die herrenlos im Meer weiterfischen. Auch können Schweinswal-Freunde über die GRD-Website Patenschaften abschließen, um den Schutz der Tiere aktiv zu unterstützen. (Bild nebenstehend: Vor Rügen geborgenes Geisternetz / Foto: Chris Till)
Was das EU-Parlament beschlossen hat
Ebenso wie im Golf von Kalifornien gehört auch in der Ostsee die Stellnetzfischerei zu den größten Gefahren der Schweinswale. Aus diesem Grund hat das EU-Parlament in der vergangenen Woche – endlich – beschlossen, einer Empfehlung des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) zumindest teilweise zu folgen. Demnach darf in einigen schwedischen und von Schweinswalen besonders stark frequentierten Schutzgebieten ganzjährig nicht mehr mit Schlepp- und Stellnetzen gefischt werden. Für Meeresschutzgebiete in der deutschen Ostsee gilt: Von November bis Ende Januar sind Stellnetze verboten.
Weißer Schweinswal an der Küste von Fehmarn. Foto: Niels Ristau
Hintergrund: Was Stellnetze für Schweinswale so gefährlich macht
Die Meeressäuger orientieren sich bei ihrer Jagd akustisch durch Echolokation. Die modernen dünnen Nylonnetze können sie mit ihrem Echolot jedoch nicht orten, weshalb sie sich in ihnen verfangen. Durch panisches Umherschlagen verheddern sie sich vollends und sterben nach wenigen Minuten einen qualvollen Tod: Sie ertrinken, da ihnen der Weg zum Atmen an die Wasseroberfläche verwehrt ist. (Lesetipp: Der Schweinswal ist das „Tier des Jahres 2022“: 10 faszinierende und traurige Fakten über den Deutschland-Wal)
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